Nach dem 21. Spieltag sah die Tabellensituation für den FC St. Pauli noch rosig aus. Sieben Punkte Vorsprung auf den drittplatzierten FC Augsburg, gar acht auf den Verfolger aus Bielefeld auf Rang vier - der Aufstieg schien in greifbarer Nähe.

Drei Spieltage, null Tore und lediglich einen Punkt später hat sich die Situation am Millerntor drastisch verändert. Die Kiezkicker rangieren "nur" noch auf dem Relegationsplatz. Mit lediglich drei Zählern Abstand lauern dahinter die Arminia und Fortuna Düsseldorf.

"Wer erwartet hat, dass es ein Durchmarsch von uns wird, der liegt falsch. Das wird bis zum 34. Spieltag eine ganz enge Geschichte. So lange wir vorne mitmischen ist aber alles in Ordnung. Wir können mit solchen Situationen umgehen", erklärte Innenverteidiger Ralph Gunesch nach dem 0:1 gegen die Bielefelder.

Morena versucht es mit Psychologie

Offensichtlich ist die Tormaschine der Hamburger aber arg ins Stocken gekommen. Drei torlose Spiele in Folge - das passierte dem FC St. Pauli zuletzt Ende 2002. Gunesch lässt sich davon nicht schocken: "Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir schlecht spielen. Aber unsere Bemühungen und Investitionen werden derzeit einfach nicht belohnt."

Fabio Morena versuchte sich als Psychologe. "Es fehlt uns momentan eine gewisse Effektivität. Wir brauchen ein Glücksgefühl, ein Torerlebnis. Wir präsentieren uns wie ein Stürmer, der seit zwölf Spielen das Tor nicht mehr getroffen hat", erklärte der Kapitän.

Kaiserslautern wie Frankfurt?

Trainer Holger Stanislawski flüchtet sich angesichts des Negativtrends derweil lieber in Galgenhumor. "Ich hoffe, dass die 46 Punkte zum Klassenerhalt reichen. Wir sind im Moment jedenfalls guter Dinge, auch im nächsten Jahr Zweite Liga zu spielen", sagte "Stani".

Es ist aber nicht zu verschleiern, dass der Kiezclub gerade in den Spielen gegen die direkten Aufstiegskonkurrenten patzte. Zwei Niederlagen gegen Kaiserslautern, zwei gegen Bielefeld und auch im Hinspiel gegen Augsburg setzte es eine Pleite.

"Für die Tabelle ist es doch völlig unerheblich, ob wir gegen Kaiserslautern zweimal verlieren oder gegen Frankfurt - wir stehen auf Platz drei und nur das zählt", erwiderte Gunesch.

"Als Jäger sind wir ohnehin besser"

Die Hamburger wirken trotz der Negativserie auf jeden Fall noch überraschend entspannt und ausgeglichen, sie sehen die Lage realistisch. "Wir können halt nicht wie zu Saisonbeginn jede Mannschaft mit 4:0 oder 5:0 aus dem Stadion schießen. Durch diese Ergebnisse ist unsere eigene Messlatte sehr hoch und die letzten drei Spiele ohne Sieg und Tor sind eine gefühlte Katastrophe. So ist es aber nicht", verdeutlichte Mittelfeldrenner Florian Bruns.

Er sieht die neue Ausgangslage sogar als positiv an. "Als Jäger sind wir ohnehin besser. Das zeigt die Historie", sagte er in Anspielung auf das Jahr 2001, als St. Pauli unerwartet in die Bundesliga aufstieg.

Dass die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse im Jahr des 100-jährigen Geburtstages des Kiezclubs auch Wirklichkeit wird, davon ist auch Gunesch überzeugt. "Wir wissen, dass unser Weg Erfolg bringt. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Und deshalb werden wir an unserer Marschroute festhalten. Dann wird sich der Erfolg von selbst einstellen."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis