Köln - In den frühen siebziger Jahren passierte es schon mal, dass nur mäßig am Fußball interessierte Leute den FC Bayern München und "Münchengladbach" quasi für denselben Verein hielten. Heute könnte man in der 2. Bundesliga schon mal den LR Ahlen mit dem aktuellen Aufsteiger VfR Aalen verwechseln.

Doch außer dem gleich klingenden Vereinsnamen haben die beiden Clubs, die etwa 500 Kilometer auseinander liegen, nicht viel gemeinsam. Der VfR Aalen ist ein durch und durch schwäbischer Verein, der seine regionalen Traditionen pflegt. So bietet der VfR-Fanclub Piranha Social Club auf seiner Homepage die Rubriken "Schwäbisch" und "Spätzle" an. Hier erfährt der Leser das Wichtigste zum Dialekt und zum Grundnahrungsmittel der Schwaben.

Dieter Hoeneß und Hadewicz spielten für den VfR



Der VfR Aalen hätte sich auch durchaus schon früher einen Namen im Profifußball machen können. Denn in den siebziger Jahren stand der Verein für Rasenspiele Aalen 1921 e.V. schon mal ganz dicht vor dem Tor der 2. Bundesliga. Am Ende der Saison 1974/75 scheiterten die Aalener als Meister der Amateurliga Nordwürttemberg in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga knapp am SSV Reutlingen.

Vielleicht hätte der VfR dann auch seinen überragenden Stürmer halten können, der anschließend als "Schwabenpfeil" eine glänzende Bundesliga-Karriere beim VfB Stuttgart und Bayern München hinlegte: Dieter Hoeneß. Für den kopfballstarken Mittelstürmer war Aalen in jener Zeit ebenso das Sprungbrett in die Bundesliga wie für Erwin Hadewicz (FC Bayern, VfB Stuttgart) und Helmut Dietterle (VfB Stuttgart).

9000 Fans kamen gegen den VfB Eppingen



Die damaligen Aufstiegsspiele waren ein echter Zuschauermagnet im Stadion am Rohrwang, wie die heutige Scholz-Arena seinerzeit hieß. Mehr als 8000 Fans besuchten das Hinspiel am 19. Mai 1975 gegen Reutlingen, das der VfR deutlich mit 4:0 gewann. Und nochmals etwa 1000 Zuschauer mehr wurden beim 1:0-Heimsieg eine Woche später gegen den VfB Eppingen gezählt.

Aktuell steht der Zuschauerrekord der Aalener bei exakt 13.452. So viele Fans strömten am 16. August 2010 beim DFB-Pokal-Spiel gegen den FC Schalke 04 in die Scholz-Arena. Extra für diese Partie wurde die Zuschauerkapazität mit einer Zusatztribüne aufgestockt, auf der 2.930 Fans die 1:2-Niederlage des VfR miterleben konnten.

"Euro-Eddy" und Kohler auf der Aalener Trainerbank



Ob sich der Club an solche Zuschauerzahlen künftig gewöhnen darf, hängt sicher vom sportlichen Abschneiden des VfR in seiner ersten Saison in der 2. Bundesliga ab. Allerdings sollten allein große Namen wie der 1. FC Köln oder Hertha BSC Berlin schon für sehr viel Neugier im Aalener Umfeld sorgen; zuletzt in der 3. Liga gehörten die Derbys gegen den Nachbarn 1. FC Heidenheim noch zu den Saisonhöhepunkten.

Große Namen haben beim VfR Aalen aber nicht mit dem Weggang von Dieter Hoeneß im Jahr 1975 geendet. Auf der Trainerbank des VfR haben Größen aus verschiedenen Bundesliga-Epochen gesessen: von Willi Entenmann über Edgar "Euro-Eddy" Schmitt bis Jürgen Kohler. Der aktuelle Cheftrainer, Ralph Hasenhüttl, kann seinen Spielern aus eigener Erfahrung einiges über die 2. Bundesliga erzählen: Von 1998 bis 2002 spielte Hasenhüttl je zwei Jahre für den 1. FC Köln und die SpVgg Greuther Fürth in dieser Liga.