München - Als "Sechs-Punkte-Spiele" werden gemeinhin Partien bezeichnet, die für die beteiligten Teams eine besondere Bedeutung im Bezug zum Saisonziel haben. Wenn am Montagabend die Trolli ARENA Schauplatz für das Spitzenspiel des 26. Spieltags zwischen der gastgebenden SpVgg Greuther Fürth und Tabellenführer Hertha BSC ist, hat die Partie diesen Namen wohl allemal verdient (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Sechs Punkte liegen zwischen den Herthanern und den Fürthern, die mit einem Heimsieg ein Ausrufezeichen im Aufstiegskampf setzen könnten. "Kleeblatt"-Trainer Mike Büskens freut sich schon auf den Vergleich "mit dem gefühlten Bundesligisten" aus der Hauptstadt: "Die Hertha ist Favorit und kommt mit breiter Brust in den Ronhof. Wir sind Außenseiter und dabei in einer sehr interessanten Verfolger-Rolle."

Beide Teams mit Aufstiegsambitionen

Der Fürther Fußball-Lehrer baut insbesondere auf den Heimvorteil und die lautstarke Unterstützung der SpVgg-Fans: "Hier sind wir zuhause. Und auch wenn es gegen eine hervorragende Mannschaft geht, wir fühlen uns hier wohl und können mutig sein."

Für die Berliner gibt es seit dem 1. Spieltag kein anderes Ziel als die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Die "Blau-Weißen" haben in der Rückrunde bisher alle Auswärtsspiele gewonnen, mit der beeindruckenden Bilanz von 17:4 Toren.

Auch die Fürther lassen speziell in der Rückrunde keine Zweifel an ihren Aufstiegsambitionen erkennen. Die "Kleeblätter" sind noch ungeschlagen in der Rückserie. Vier Siege und vier Remis stehen für die Franken zu Buche.

Büskens ohne Sechs

Büskens hat bei seiner Mannschaft eine vernünftige Entwicklung verfolgt. Man stehe nicht zufällig weit vorne in der Tabelle. Mit dem Hinspiel, als die junge "Kleeblatt"-Elf mit 0:2 verlor, beschäftigt sich der Trainer nicht mehr. "Schon aufgrund unserer Verletzungen hat sich das Gesicht der Mannschaft geändert", führte Büskens aus. Tatsächlich fallen sechs Spieler wegen langwieriger Verletzungen aus, zudem müssen Leo Haas und Miroslav Slepicka gesperrt zuschauen. "Unser Ziel muss es sein, die Berliner vom Tor wegzuhalten. Die Hertha kann blitzschnell umschalten, solche Situationen müssen wir vermeiden", sagte Büskens zur strategischen Ausrichtung, die wie immer offensiv angelegt sein wird.

Für Hertha-Trainer Markus Babbel ein Grund, seine Mannschaft vor der Spielstärke des Gegners zu warnen: "Fürth arbeitet gut gegen den Ball, sie stehen sehr diszipliniert und schalten nach Ballgewinn extrem schnell um." Das Team von Büskens verfügt über die beste Defensive der 2. Bundesliga. Nur 19 Gegentore nach 25 Spielen geben einen Eindruck davon. Stolze elf Mal stand hinten die Null.

Doch nun kommt mit Hertha die Offensivmacht der Liga. Außergewöhnliche 27 Tore schossen die Berliner in den acht Rückrundenpartien. Eine Quote, mit der nicht einmal der große FC Barcelona mithalten kann. Damit hat die Angriffsreihe um Ramos, Lasogga und Raffael schon zwei Treffer mehr gemacht als in der kompletten Hinrunde.

Babbel verlangt "Top-Performance"

Die Reisen in den Freistaat Bayern waren allerdings in dieser Saison noch nicht von Erfolg gekrönt. Bei 1860 gab es eine schmerzliche 0:1 Niederlage, bei Augsburg gab es danach in einem kuriosen Spiel immerhin ein Unentschieden zu holen. Dementsprechend fordert Babbel eine "Top-Performance" seiner Mannschaft, sonst werde es sehr schwer, in Fürth zu gewinnen.

Auf Christian Lell muss er dabei vermutlich verzichten. Der Dauerbrenner auf der rechten Seite (alle 25 Spiele in der Startelf) laboriert an einer Oberschenkelverletzung. Er habe zwar noch Hoffnung, "aber es läuft wohl auf Christoph Janker oder Alfredo Morales hinaus", sagte Babbel. Das Spiel kann auf jeden Fall richtungweisend sein. Duisburg und Augsburg strauchelten am Wochenende bereits. Sollte es gut laufen, kann aus dem "Sechs-Punkte-Spiel" für Hertha ganz schnell ein "Acht-Punkte-Spiel" werden. Dann beträgt der Rückstand von Platz 3 auf die Berliner nämlich diese acht Zähler.