Zusammenfassung

  • Das Braunschweiger Staatstheater widmet sich in der fünften interkulturellen Themenwoche "Fußball und Gesellschaft"
  • Die 1. Internationale Fan-Chor-Meisterschaft sorgt für Stadionatmosphäre im Theater
  • Die "67er" holen sich den Titel

Köln - Wenn man davon spricht, dass in einem Stadion eine Atmosphäre wie im Theater herrscht, ist das meistens nicht als Kompliment gemeint. Umgekehrt wünschen sich die wenigsten Theatergäste für die Aufführung eine Stimmung wie bei einem Bundesliga-Spiel. Aber alle Regeln besitzen bekanntermaßen ihre Ausnahmen. Das Braunschweiger Staatstheater mutierte im Frühjahr 2016 zu einem echten Hexenkessel - und die Besucher waren begeistert.

Anlass war die fünfte interkulturelle Themenwoche, die vom 2. bis zum 11. April über 5.000 Besucher zu den 27 Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt "Fußball und Gesellschaft" sowie "Flucht und Begegnung" ins Theater lockte. Unterstützt wurde das Festival vom Pool zur Förderung innovativer Fan- und Fußballkultur (PFiFF) der DFL Deutsche Fußball Liga.

"Fangesang wollen wir nicht missen"

Den Auftakt bildete die Premiere von "Eintracht ist unser Leben", einem Theaterstück mit Braunschweiger Fans als Schauspielern. Die bewegte Geschichte von Eintracht Braunschweig lieferte den roten Faden zu einem berührenden Abend mit großer persönlicher Note. Nach dem Erfolg der Premiere waren auch die beiden weiteren Aufführungen am 9. und 24. April innerhalb von 48 Stunden ausverkauft.

Besonders laut wurde es im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters, als die 1. Internationale Fan-Chor-Meisterschaft ausgesungen wurde. Zehn Braunschweiger Fangruppen lieferten sich einen stimmungsvollen Wettstreit, in dem eine Schülergruppe ebenso vertreten war, wie ein Chor älterer Männer, die schon bei der Bundesliga-Meisterschaft 1967 auf der Tribüne für Stimmung sorgten.

© Staatstheater Braunschweig

"Fangesang gehört, seit er in den sechziger Jahren aufgekommen ist, zu etwas, dass wir nicht missen wollen", erklärte Axel Preuß, Chefdramaturg des Staatstheaters und federführend an der Planung der Themenwoche beteiligt. Bei der Beurteilung der Chöre kam es der siebenköpfigen Jury nicht nur auf die richtige Tonlage, sondern vor allem auch auf Leidenschaft und Kreativität an.

Mit Rod Stewart-Klassiker zum Titel

Wechselgesänge mit dem Publikum wurden ebenso als Stilmittel genutzt wie das klassische Megaphon eines Kurven-Vorsängers. Den Nerv von Publikum und Jury trafen die "67er" besonders gut. Die älteren Eintracht-Fans überzeugten mit einer ganz speziellen Version des Rod Stewart-Klassikers "Sailing": "Eintracht Braunschweig - Deutscher Meister - 67 - wir waren dabei!".

Als die "67er" am Ende eines mitreißenden Abends ihren Pokal in Empfang nahmen, gab es auch im Publikum kein Halten mehr. Gemeinsam sangen Besucher und Fan-Chöre noch zahlreiche Hits aus dem Eintracht-Stadion. Sie erzeugten eine Atmosphäre, die einer Titelfeier mehr als würdig war und bewiesen so eindrucksvoll, dass eine Stimmung wie im Theater nicht immer schlecht sein muss. Zumindest in Braunschweig ist es dort nämlich manchmal ganz schön laut.

Florian Reinecke