Frankfurt - Der FSV Frankfurt hat sich in der 2. Bundesliga etabliert. Die Hessen gehen bereits in ihre fünfte Zweitliga-Saison in Folge. Uwe Stöver, der FSV-Geschäftsführer Sport, bastelt derzeit mit Hochdruck am neuen Kader und konnte bereits drei Neuzugänge präsentieren. Allerdings haben den Verein auch Leistungsträger wie Torjäger Ilian Micanski (neun Treffer) verlassen. bundesliga.de bat Uwe Stöver zum Interview.

bundesliga.de: Herr Stöver, der FSV hat in der Vergangenheit bei Transfers oft ein glückliches Händchen bewiesen, besonders bei Stürmern wie Sascha Mölders oder Ilijan Micanski. Wie machen Sie das?

Uwe Stöver: Bei jedem Transfer braucht man auch immer ein Quentchen Glück. Wir versuchen gewissenhaft herauszufinden, ob Spieler aus der 3. oder 4. Liga den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen und in unserem Team gut funktionieren können und interpretieren unsere Erkenntnisse aus vielen Beobachtungen und Gesprächen. Das ist immer ein Prozess über eine längere Zeit.

bundesliga.de: Ihre neueste Sturmhoffnung heißt Edmond Kapllani. Was versprechen Sie sich von ihm?

Stöver: Wir hoffen, dass er nach seiner Zeit in Augsburg wieder hungrig auf Spiele ist und er sich selbst beweisen will. Er muss wieder eine Spielfreude entwickeln und sich über eine hohe Anzahl von Einsätzen Selbstvertrauen holen. Dann kann er ähnlich gut einschlagen wie ein Mölders oder Micanski.

bundesliga.de: Außerdem haben Sie bereits Sören Pirson (AE Ergotelis / Griechenland) fürs Tor und Tim Heubach (Borussia Mönchengladbach II) für die Abwehr geholt. Welche Perspektiven haben diese beiden Spieler?

Stöver: Wir haben Pirson mit der klaren Perspektive geholt, dass er zunächst die Nummer 2 ist. Patric Klandt ist bei uns seit einigen Jahren eine feste Größe im Tor. Er hat sicher einen Vorsprung. Pirson muss sich daher erst einmal hinten anstellen. Wir haben aber das Gefühl, dass er im Falle eines Falles die Qualität mitbringt. Auch Heubach wird sicherlich erst einmal eine gewisse Zeit brauchen, um sich an die 2. Bundesliga zu gewöhnen und sich zu akklimatisieren.

bundesliga.de: Auf welchen Positionen hat der FSV jetzt noch Bedarf?

Stöver: Wir haben noch drei offene Stellen und suchen Verstärkungen im Sturm, auf den Außenbahnen und einen Linksverteidiger.

bundesliga.de: Zuerst ging es beim FSV bergab, dann bergauf. Was waren die Gründe für die Trendwende in der Winterpause?

Stöver: Wir haben durch das Zusammenspiel des neuen Trainers Benno Möhlmann und seines Co-Trainers, der neu verpflichteten Spieler wie Micanski, Chadli Amri, Michael Görlitz oder auch Dennis Cagara. Damit konnten wir die Qualität des Kaders heben. Der Trainer hat den richtigen Zugang zur Mannschaft gefunden und sie in der fünfwöchigen Vorbereitungszeit wieder auf Kurs gebracht mit neuen Ideen und der richtigen Ansprache. Im Team herrschte ein neuer Geist. So haben wir in den 15 Spielen des Jahres 2012 beachtliche 20 Punkte geholt.

bundesliga.de: Gab es ein Schlüsselspiel, nach dem Sie ahnten, dass der FSV im Abstiegskampf wieder bestehen würde?

Stöver: Schon das letzte Vorbereitungsspiel, das wir beim VfL Bochum mit 1:0 gewonnen haben, war sehr wichtig. Und dann der Auftakterfolg in Duisburg. Wir haben gesehen, dass die Dinge ineinander greifen, dass Fortschritte zu erkennen waren und neues Selbstvertrauen entstanden ist.

bundesliga.de: Sie haben den Trainer bereits angesprochen. Was zeichnet Benno Möhlmann aus?

Stöver: Er ist sehr erfahren. Er hat gegen Dresden sein 400. Zweitliga-Spiel als Trainer erlebt und hatte viele mehr in der Bundesliga und der 3. Liga. Er verfügt über einen enormen Erfahrungsschatz und weiß, wie er mit der Mannschaft umgehen muss. Seine Ansprache kommt gut an.

bundesliga.de: Mit welchen Zielen geht der FSV Frankfurt in die kommende Saison?

Stöver: Wie in den Jahren zuvor geht es für uns in erster Linie um den Klassenerhalt. Wir wollen beständiger werden. In den inzwischen vier Jahren 2. Bundesliga haben wir immer eine starke und eine weniger gute Halbserie gespielt.

bundesliga.de: Wie sehr werden Sie den übermächtigen Lokalrivalen Eintracht Frankfurt vermissen?

Stöver: Die beiden Derbys gegen die Eintracht waren sicherlich ein Highlight. In unserem Heimspiel hatten wir 50.000 Zuschauer, das war aus wirtschaftlicher Sicht wunderbar. Sportlich ist es dagegen sehr schlecht gelaufen. Aber es war für uns eine außergewöhnliche Erfahrung. Das werden wir vermissen. Aber ich freue mich für die Eintracht, dass sie den Aufstieg geschafft hat und muss auch sagen, dass sie in die Bundesliga gehört.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski