Cottbus - Energie Cottbus droht im Aufstiegsrennen den Kürzeren zu ziehen. Zwar wird die Mannschaft regelmäßig für ihren attraktiven Fußball gelobt, doch die entscheidenden Punkte holt die Konkurrenz.

Auch für Kapitän Marc Andre Kruska sind Rückschläge wie zuletzt die unnötige 0:1-Niederlage beim VfL Bochum purer Frust. Sieben Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz weist der Tabellensechste aus der Lausitz zur Zeit auf.

Dennoch verteidigt Kruska im Interview mit bundesliga.de die offensive Spielweise von Energie, weiß von prominentem Zuspruch zu berichten - und motiviert seine Mitspieler, noch einmal alles zu geben im Kampf um den Aufstieg.

bundesliga.de: Marc Andre Kruska, sitzt der Frust nach der unnötigen Niederlage in Bochum noch tief?

Marc Andre Kruska: Wir wussten, dass uns genau so ein Spiel erwartet mit einem defensiv eingestellten Gegner und haben uns darauf eingestellt. Wir haben das eigentlich sehr gut gelöst. Und dann haben wir wieder so ein dummes Gegentor bekommen. In dieser Szene hätten wir den Ball schon viel eher klären müssen. Leider ist es bei uns oft so, dass wir unnötige Fehler machen, die uns dann drei Punkte oder auch einen Punkt kosten.

bundesliga.de: Kosten diese Fehler am Ende den Aufstieg?

Kruska: So sieht es aus! Es passiert uns einfach zu oft, dass wir solche Gegentreffer kassieren. Und dass sind genau die Punkte, die uns fehlen. Man hat es im Spiel gegen Bochum gesehen: Diese Mannschaft macht auch nichts Besonderes, konzentriert sich vor allem auf die Defensive, wartet aber auf Fehler des Gegners. Und wir tun ihnen den Gefallen und machen den dann auch und verlieren die Partie. Das ist einfach bitter!

bundesliga.de: Warum kann Energie diese Fehler nicht abstellen?

Kruska: Es sind immer wieder individuelle Fehler, die passieren. Da muss sich jeder Spieler selbst hinterfragen, ob er immer alles gibt, ob er hundertprozentig aufmerksam ist. Und jeder muss sich auch selbst in die Verantwortung nehmen. Vielleicht kann jetzt jeder noch einen Tick mehr arbeiten für die Mannschaft, dann stimmen die Ergebnisse auch wieder.

bundesliga.de: Statt unmittelbar in den Aufstiegskampf einzugreifen, hat Energie sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. War es das mit dem erhofften Aufstieg?

Kruska: Wir müssen diesen Rückschlag in Bochum abhaken. Es gilt, sich immer für jedes Spiel neu zu motivieren. Ich habe schon am Anfang der Saison gesagt, dass wir am besten nur von Spiel zu Spiel gucken. Und daran hat sich nichts geändert. Hätten wir in Bochum gewonnen, wäre es natürlich noch mal richtig eng geworden. Aber auch so sind es noch ein paar Punkte, die man holen kann. Wir dürfen jetzt aber nicht mehr auf Bochum oder Augsburg schauen, sondern nur noch auf uns.

bundesliga.de: Obwohl Cottbus sich mit seiner Leistung hinter diesen Mannschaften zumeist nicht verstecken muss.

Kruska: Von unserer Spielanlage her müssen wir uns sicher nicht verstecken. Es ist einfach schade, dass zum Teil Mannschaften oben stehen, die vor allem defensiv denken und in erster Linie auf das Ergebnis gucken. Wir auf der anderen Seite mit unserem meist erfrischenden und offensiven Fußball haben leider nicht den nötigen Erfolg. Aber daraus werden wir auch lernen. Wir dürfen trotz allem nicht vergessen, auch defensiv zu denken.

bundesliga.de: Auch wenn es die Tabelle nicht entsprechend würdigt - haben Sie den Einruck, dass der attraktive Fußball von Energie auch außerhalb von Cottbus Anerkennung findet?

Kruska: Das denke ich schon. Ich selbst merke das auch an den Reaktionen, die ich bekomme. Meine alten Kollegen von Borussia Dortmund zum Beispiel bestätigen mir auch immer wieder, dass es einfach Spaß macht, unseren Spielen und unserer Art von Fußball zuzuschauen. Darum ist es wirklich schade, dass wir uns dafür nicht immer selbst belohnen. Sonst könnten wir auch in der Tabelle weiter oben stehen.

bundesliga.de: Glauben Sie, die Mannschaft kann den Spagat zwischen schönem Fußball und ergebnisorientiertem Denken hinbekommen?

Kruska: Wir müssen weiter unseren Fußball spielen! Das ist unsere Stärke und das macht uns aus. Wir haben auch die entsprechenden Spieler in der Mannschaft. Ich denke nicht, dass wir uns auf einmal nur hinten hineinstellen und abwarten können, auch wenn das vielleicht manchmal Erfolg verspricht. Aber das ist nicht unser Ding, das können wir einfach nicht. Aber die Balance muss stimmen. Das ist Teil unserer Entwicklung.

bundesliga.de: Die Liga hat am Wochenende aufgrund der Länderspiele pausiert. Sie hätten vermutlich am liebsten direkt weitergespielt?

Kruska: Ach, zum Saisonende hin will man eigentlich immer gleich wieder spielen. Die Niederlage hat es doppelt schwer gemacht, weil wir natürlich darauf brennen, das wieder gut zu machen. Auf der anderen Seite sollten wir jetzt die Chance nutzen und die Köpfe bis zum nächsten Spiel wieder frei bekommen. Und dann müssen wir noch einmal alle Kräfte mobilisieren und alles raus hauen. Dann schauen wir mal, was am Ende dabei heraus kommt.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte