Hamburg - Der VfL Osnabrück kämpft am Freitag in der Relegation um den Klassenverbleib in der 2. Bundesliga - wieder einmal. Denn schon 2008/09 mussten die "Lila-Weißen" nach Saisonende in die Verlängerung. Nach zwei Niederlagen gegen den SC Paderborn stand der bittere Gang in die 3. Liga an.

Thomas Reichenberger war damals dabei. Der 36-Jährige, der mittlerweile auf der Geschäftsstelle des VfL eingebunden ist und darüber hinaus noch für die Reserve in der Oberliga Niedersachsen auf Torejagd geht, erinnert sich im bundesliga.de-Interview an den Abstieg. Er blickt aber auch voraus auf die Spiele gegen Dynamo Dresden (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) und sagt, worauf es für die Niedersachsen ankommt.

bundesliga.de: Herr Reichenberger, wie ist die Stimmung beim VfL Osnabrück?

Thomas Reichenberger: Nach dem Sieg am letzten Spieltag in Ingolstadt ist eine Art Aufbruchstimmung zu spüren. Und jeder Spieler ist heiß auf die Partien gegen Dresden. Denn wir wollen alle auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielen.

bundesliga.de: Ist die Situation mit der von 2009 zu vergleichen?

Reichenberger: Nein. Der VfL-Kader hatte ein ganz anderes Gesicht, der Gegner war ein anderer und auch die Voraussetzungen waren nicht mit denen von heute zu vergleichen. Von daher sollte man die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen.

bundesliga.de: Tino Berbig, Konstantin Engel und Matthias Heidrich waren damals wie heute dabei. Welchen Einfluss können sie auf die anderen Spieler nehmen?

Reichenberger: Es kann sicherlich nicht schaden, wenn sie ihre Erfahrungen mit den Teamkollegen teilen. Diese routinierten Spieler gehen aber eh schon die ganze Saison voran, so dass sie nicht sonderlich viel mehr Initiative ergreifen müssen.

bundesliga.de: Der VfL hat in dieser Saison nur selten zwei Mal am Stück die gleiche Startelf aufgeboten. War das ein Grund für die Misere?

Reichenberger: Nein, das würde ich anders interpretieren. Wir haben einen großen Kader. Jeder Spieler hat seine Qualitäten und einen Anspruch, von Beginn an aufzulaufen. Und dann sollen sie das auch zeigen dürfen.

bundesliga.de: Ein richtiger Knipser hat aber gefehlt. Die Last, Tore erzielen zu müssen, hat sich auf vielen Schultern verteilt.

Reichenberger: Grundsätzlich ist es natürlich von Vorteil, wenn das Team ein, zwei treffsichere Schützen in den eigenen Reihen hat. Aber andererseits ist es vielleicht auch nicht so schlecht, wenn eine Mannschaft nicht so berechenbar ist, weil einfach jeder Spieler für ein Tor gut sein kann.

bundesliga.de: Was würde der Abstieg für den VfL Osnabrück bedeuten?

Reichenberger: Was auch immer passiert: Der VfL Osnabrück wird niemals untergehen. Dafür steckt einfach zu viel Kraft in diesem Verein, seinen Fans und seinem Umfeld. Mit einem Erfolg in der Relegation könnte die Mannschaft ihre Anhänger für die nervenaufreibende Saison entschädigen.

bundesliga.de: Ist es dabei von Vorteil, dass der VfL zuerst auswärts antritt?

Reichenberger: Mit der richtigen Einstellung muss das einfach egal sein, ob zuerst auswärts oder vor heimischem Publikum gespielt wird. Ich sehe da keinen Vor- oder Nachteil.

bundesliga.de: Aber Osnabrück besetzt schon die Favoritenrolle?

Reichenberger: Der Kader hat in diesem Jahr viel Erfahrung in der 2. Bundesliga sammeln können. Von daher fahren wir nicht als Außenseiter nach Dresden - im Gegenteil. Die Spieler treten dort mit breiter Brust an, ohne Dynamo in irgendeiner Form zu unterschätzen. Das Ziel ist natürlich, eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel zu schaffen.

bundesliga.de: Worauf kommt es in den beiden Spielen an? Auf die Tagesform, das Kollektiv oder den Einzelkönner?

Reichenberger: In der Saison hat man gesehen, dass wir keinen wirklichen Überflieger haben. Das ist bei Dynamo vielleicht ein bisschen anders. Ein Alexander Esswein hat sicherlich zur Genüge bewiesen, dass er ein Spiel alleine entscheiden kann. Für uns ist die mannschaftliche Geschlossenheit enorm wichtig. Wenn jeder für den anderen einsteht und an das Gute glaubt, dann kann es mit dem Klassenerhalt klappen.

Das Gespräch führte Michael Reis


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