Köln/Ingolstadt - Am Sonntag empfängt der FC Ingolstadt den 1. FC Kaiserslautern zum Topspiel (ab 13:15 Uhr im Live-Ticker). Es ist die Partie des Herbstmeisters gegen den Tabellen-Zweiten. Besser geht es nicht.

Vor dem Hit spricht FCI-Keeper Ramazan Özcan im Interview mit bundesliga.de über die Bedeutung der Herbstmeisterschaft, den Anteil von Trainer Ralph Hasenhüttl am Erfolg und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Ramazan Özcan, der FC Ingolstadt hat sich vorzeitig die Herbstmeisterschaft der 2. Bundesliga gesichert. Was bedeutet sie für den Verein?

Ramazan Özcan: Für die Stadt und den Verein bedeutet es sicher viel. In den letzten Jahren mussten wir uns Schritt für Schritt etablieren und dabei oft Kritik einstecken. Dann ist es natürlich für den Verein und das Umfeld etwas Schönes. Für uns Spieler ist es eher die Goldene Ananas. Am 28. Spieltag bekommen wir nichts dafür, wenn wir sagen: Am 16. Spieltag waren wir Herbstmeister.

bundesliga.de: Aber der Tabellenplatz dürfte schon mehr als nur eine Momentaufnahme sein. Er zeigt, wie konstant die Mannschaft in der Hinrunde gespielt und gepunktet hat. Sehen Sie es als Bestätigung der bisher gebrachten Leistungen?

Özcan: Absolut. Aber es ist dennoch eine Momentaufnahme. Wenn man nach dem 16. Spieltag Erster ist, kann aber auch niemand mehr davon sprechen, dass es Glück ist. Wir haben hart dafür gearbeitet.

"Mannschaft agiert richtig gut gegen den Ball"

bundesliga.de: Der FCI hat bereits ein schönes Punktepolster auf den Dritten und Vierten. Wie beruhigend ist das?

Özcan: Wir beteiligen uns an keinen Spekulationen oder Rechnereien. Wir versuchen, unser Ding zu machen. Damit sind wir sehr gut gefahren.

bundesliga.de: Also halten wir uns an den Fakten. Ingolstadt stellt mit nur elf Gegentoren die beste Defensive der 2. Bundesliga. Was macht die Mannschaft im Defensivverhalten besonders gut?

Özcan: Die Mannschaft agiert richtig gut gegen den Ball. Das haben die letzten Monate gezeigt. Wir haben unsere Spielweise mehr in die gegnerische Hälfte verlagert. Wir haben ein sehr gutes Mannschaftsgefüge. Jeder arbeitet für den anderen und macht die Meter. Das ist entscheidend.

"Wir sind keine Minimalisten"

bundesliga.de: Die Schanzer haben schon neun Mal zu null gespielt und fünf der bislang neun Siege mit 1:0 eingefahren. Für Spektakel steht der FCI nicht, eher für Minimalistenfußball?

Özcan: Nein. Wir stehen nicht für Spektakel. Das primäre Ziel einer Mannschaft ist auch nicht das Spektakel, sondern Erfolg zu haben. Für ein 1:0 gibt es ebenso drei Punkte wie für ein 10:0. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in den Spielen gegen 1860 oder Aue 65 Mal aufs Tor geschossen haben und nur zwei Tore erzielt haben. In den Spielen war genug Spektakel. Und das waren nicht die einzigen Spiele dieser Art. Wir sind keine Minimalisten. Wir betreiben sehr viel Aufwand.

bundesliga.de: Sie sind in Ihrem vierten Jahr in Ingolstadt. Worin sehen Sie die Ursache für diese enorme Leistungssteigerung in dieser Saison? Ist es der Trainer Ralph Hasenhüttl?

Özcan: Es liegt mit Sicherheit auch am Trainer. Wenn man das ganze Jahr 2014 betrachtet, hatte der Trainer erstmals im Januar die Zeit, mit uns konzeptionell zu arbeiten. Danach haben wir schon eine ordentliche Rückrunde gespielt. Da hat sich schon herauskristallisiert, wie der Trainer spielen lassen will. Der Trainer ist unser Leitwolf. Er gibt die Richtung vor. Wir marschieren in diese Richtung mit. Er ist sicher einer der Garanten für diesen Erfolg. Weiterhin sind wir zu einer Einheit geworden. Und ganz wichtig ist auch, dass wir den Boden unter den Füßen nicht verloren haben. Demut ist angesagt, wir wissen, woher wir kommen.

"Wir gucken nur auf uns"

bundesliga.de: Trotzdem werden die Töne, die aus Ingolstadt zu vernehmen sind durchaus forscher. Ralph Hasenhüttl hat gesagt, dass der Aufstieg nur über den FCI gehe.

Özcan:  Wenn die Mannschaft auf Platz 1 steht, darf der Trainer natürlich selbstbewusst sein. Aber: Der Aufstieg ist nicht unser Ziel. Alles, was er kundgetan hat, ist schlichtweg Fakt und der Tabelle zu entnehmen: Wer aufsteigen will, muss uns von der Spitze verdrängen.

bundesliga.de: Der nächste Gegner heißt am Sonntag 1. FC Kaiserslautern. Der Tabellenführer trifft auf den Zweiten. Wie schwer wird die Aufgabe?

Özcan: Die Aufgabe wird pickelhart. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Kaiserslautern immer eine sehr gute Mannschaft mit viel Qualität hat. Es waren immer enge und heiße Spiele. Ich denke, dass es den Zuschauern am Sonntag nicht langweilig wird.

bundesliga.de: Sehen Sie im FCK den härtesten Konkurrenten für Ingolstadt?

Özcan: Das würde ich nicht sagen, ich will den anderen Vereinen nicht zu nahe treten. Jeder arbeitet hart. Wir gucken nur auf uns. Es gibt genug Experten, die die anderen Vereine analysieren. Die sollen das unter sich ausmachen. Für uns wird jedes Spiel hart.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski