München - Bereits am Mittwoch (1. Juni) beginnt beim Karlsruher SC die Vorbereitung auf die neue Saison. So früh wie bei keiner anderen Mannschaft in der 2. Bundesliga. Man will beim KSC im Hinblick auf die Spielzeit 2011/12 so wenig wie möglich dem Zufall überlassen und Trainer Rainer Scharinger viel Zeit geben, um am 15. Juli eine funktionierende Mannschaft ins Rennen schicken zu können.

Eine lange Vorbereitung ist beim KSC auch deshalb notwendig, weil der Mannschaft ein großer Umbruch bevorsteht. Von 13 auslaufenden Verträgen wurde nur der Kontrakt mit Delron Buckley verlängert. Zudem gibt es nicht nur innerhalb der Mannschaft Bewegung, sondern auch in der Führungsetage.

Als Sportlicher Leiter ist Oliver Kreuzer neu im Amt, der in der Bundesliga zwischen 1985 und 1991 insgesamt 182 Spiele für die Badener absolvierte. Außerdem lief er 150 Mal für Rekordmeister FC Bayern München auf. Der 45-Jährige war zuletzt - ebenfalls als Sportlicher Leiter - bei Sturm Graz tätig, und das mit Erfolg. In der abgelaufenen Saison holte er mit Graz in Österreich die Meisterschaft.

Im bundesliga.de-Interview erzählt er von seinen Motiven, die ihn dazu bewegten, zum KSC zurückzukehren, seinen Zielen für die kommende Saison und seinem Konzept, um besagte Ziele zu erreichen.

bundesliga.de: Herr Kreuzer, Sie haben Ihre Profikarriere beim Karlsruher SC begonnen. Kann man also bei Ihrem jetzigen Engagement von einer Herzensangelegenheit sprechen?

Oliver Kreuzer: Ja, das kann man durchaus. Ich war die letzten drei Jahre in der gleichen Funktion in Graz tätig. Sturm Graz ist ein toller Verein und wir haben ja auch erfolgreich dort gearbeitet. Ich wäre mit Sicherheit nicht für jeden Verein von Sturm Graz weggegangen. Aber für den KSC, wo ich ja sieben Jahre gespielt habe, war es eine Überlegung wert und nach den Gesprächen war mir klar, dass mich das absolut reizt.

bundesliga.de: War es für Sie schon länger beziehungsweise schon immer ein Ziel, wieder in den Wildpark zurückzukehren?

Kreuzer: Der Fußball schreibt ja manchmal so verrückte Geschichten. Mein Ziel war natürlich, als langjähriger Bundesligaspieler mal wieder in Deutschland tätig zu sein. Dass es ausgerechnet der KSC ist, ist umso schöner.

bundesliga.de: Wie eng war in den vergangenen Jahren ihre Verbindung zum KSC?

Kreuzer: Man interessiert sich natürlich für den Club, für den man lange Zeit gespielt hat. Es ist aber auch normal, dass nach zwanzig Jahren einige Trainer, Präsidenten und Sportchefs kommen und gehen. Das letzte Mal war ich hier im Stadion auf eine Einladung von Rainer Schütterle, der mit mir damals 1983 in die Amateurmannschaft des KSC gewechselt ist. Aber ansonsten ist der Kontakt natürlich etwas abgeflacht, aber mein Interesse, was den Verein und dessen Ergebnisse betrifft, war natürlich immer vorhanden.

bundesliga.de: Zuletzt sind Sie mit Sturm Graz Meister in Österreich geworden, auch Basel davor war ein Spitzenteam. Warum nehmen Sie jetzt den persönlichen "Abstieg" in die 2. Bundesliga in Kauf?

Kreuzer: Natürlich waren das Spitzenmannschaften. Aber das waren Spitzenmannschaften in relativ kleinen Fußballnationen mit kleinen Ligen. Die 2. Bundesliga in Deutschland möchte ich nicht als Abstieg bezeichnen. Ich bin überzeugt, dass diese Liga hinsichtlich ihrer Qualität den Ligen in Österreich und in der Schweiz nicht hinterherhinkt.

bundesliga.de: Was unterscheidet den deutschen Profifußball von dem in den beiden Nachbarländern?

Kreuzer: Ich glaube, dass in Deutschland intensiver gespielt wird und dass das Tempo höher ist. Dass einfach von Grund auf die Konkurrenz größer ist und dass die Spieler mehr in diesen Beruf investieren. Wenn man da nicht mitzieht, ist man schnell weg vom Fenster. In Österreich und der Schweiz ist mehr diese gemütliche Mentalität angesagt. Die Spieler wollen zwar auch viel erreichen, aber sie sind nicht bereit, alles zu opfern. In Deutschland ist da die Mentalität anders. Ein Spieler, der Profi in der Bundesliga werden will, der investiert viel mehr. Meiner Meinung nach ist das der Hauptunterschied.

bundesliga.de: Die Karlsruher Mannschaft hat in der vergangenen Saison gegen den Abstieg gespielt. Was sind Ihre primären Ziele?

Kreuzer: Auf jeden Fall wollen wir besser abschneiden als letztes Jahr. Dazu ist die Mannschaft auch in der Lage. Die Mannschaft hatte im letzten Jahr mehr Qualität als der Tabellenplatz ausgesagt hat, davon bin ich überzeugt. Warum es im Endeffekt knapp wurde, dass kann ich auch nicht genau beurteilen. Aber wir wissen, dass wir so eine Saison nicht wiederholen wollen. Ich möchte jetzt auch keine Ziele definieren. Das ist auch schwer, da steht ein zu großer Umbruch an in der Mannschaft. Es wird die Frage sein, wie schnell in der Mannschaft eine Homogenität vorhanden ist und wie lange es dauert, bis sich Automatismen einspielen. Wie schnell die Spieler zueinander finden und wie viel Zeit das Team braucht, um zu verstehen, was der Trainer spielen will. Und wir wissen alle, dass die Zeit drängt. In sechs Wochen startet schon die 2. Bundesliga.

bundesliga.de: Mit welchem Konzept wollen Sie den KSC mittelfristig wieder in ruhigere Fahrwasser führen?

Kreuzer: Das Konzept sind Siege. Für Siege gibt es keinen Ersatz. Und für Siege braucht man eine gute Mannschaft, ein angenehmes Umfeld und ein funktionierendes Team. Wir arbeiten daran, das auf die Beine zu stellen. Die Frage ist, welche Möglichkeiten haben wir, um das zu tun. Man muss die Mittel, die einem zur Verfügung stehen, sinnvoll einsetzen und man braucht ein Gespür für gute Spieler. Wir werden auch weiterhin viel auf den Nachwuchs setzen. Ich möchte, dass sich das wie ein roter Faden durch alle Mannschaften im Verein zieht und dass immer Kontakt zwischen Rainer Scharinger und dem Trainer der U23 beziehungsweise den Juniorentrainern vorhanden ist.

bundesliga.de: Präsident Ingo Wellenreuther hat besonders Ihre nationalen und internationalen Kontakte hervorgehoben. Auf welchen Positionen sehen Sie den größten Handlungsbedarf im Kader?

Kreuzer: Primär haben wir Handlungsbedarf in der Defensive. Das zeigt ja auch die Abschlusstabelle der letzten Saison, dass man mit 70 Gegentoren deutlich zu viele Gegentreffer bekommen hat. Wenn man 70 Gegentore in einer Saison kassiert, tut man sich automatisch schwer. Man kann ja keine 100 schießen. In diesem Bereich sind wir auch mit Nachdruck dran, der war in der letzen Saison unsere Achillesverse. In der Offensive haben wir etwas Ruhe, aber wer weiß, vielleicht werden wir da auch etwas tun.

bundesliga.de: Welche konkreten Neuzugänge haben Sie schon im Hinterkopf?

Kreuzer: Wir haben Namen im Kopf und sind mit Spielern in Kontakt. Und wenn irgendetwas konkret ist, werden wir Vollzug melden.

Das Gespräch führte David Schmidt