Dresden - Die Leistung stimmt, die Punktausbeute weniger. Dynamo Dresden kann in der 2. Bundesliga mithalten, blieb aber noch etwas hinter den eigenen Erwartungen zurück. bundesliga.de sprach exklusiv mit dem derzeitigen Interimskapitän Robert Koch über den Saisonstart.

bundesliga.de: Robert Koch, die ersten sechs Spieltage der 2. Bundesliga sind absolviert. Dynamo hat erst vier Punkte auf dem Konto. Wie schwer ist die Umstellung nach dem Aufstieg auf die höhere Spielklasse gefallen?

Robert Koch: Der Unterschied ist schon ziemlich groß. Vom Spielerischen her sind die Gegner viel besser. Ich bin selbst ganz gut mit der Umstellung zurecht gekommen, ich habe mir sofort meinen Stammplatz erkämpfen können und trage jetzt sogar die Kapitänsbinde. Ganz allgemein können wir aber mit der Punktausbeute nicht zufrieden sein, obwohl die Leistung gestimmt hat. Wir hätten gegen Duisburg und Paderborn nicht verlieren müssen. Da war mehr für uns drin. Wir sind noch etwas zu grün hinter den Ohren. Selbst in Fürth haben wir lange Zeit mitgehalten, bis wir dann zwei Spieler durch Platzverweise verloren haben. Aus diesen Fehlern müssen wir lernen.

bundesliga.de: Der Verein hat noch kurz vor Ende der Transferperiode mit Muhamed Subasic und Zlatko Dedic zwei Neue geholt. Können die Beiden Dynamo weiterhelfen?

Koch: Ich bin optimistisch. Die Mannschaft ist gut drauf. Und wir haben jetzt noch zwei neue Spieler dazu bekommen, die gleich im ersten Testspiel überzeugen konnten. Zlatko Dedic hat schon bei einer WM gespielt, er wird uns weiterhelfen. Wir haben jetzt einen großen Kader, der Konkurrenzkampf um die Plätze ist enorm gestiegen.

bundesliga.de: Wo liegen derzeit noch die Probleme von Dynamo Dresden?

Koch: Wir befinden uns sicher noch in der Findungsphase. Wir mussten 16 neue Spieler integrieren. Das ist Vereinsrekord. Das braucht Zeit gerade im Offensivspiel muss man die Stärken der neuen Mitspieler erst kennenlernen.

bundesliga.de: Wie haben Sie die 2. Bundesliga bislang erlebt?

Koch: Die 2. Bundesliga ist eine Kämpferliga. Man muss läuferisch und kämpferisch alles geben. Und gegen Gegner wie Aue sogar noch etwas mehr. Auch spielerisch ist es wie gesagt ein enormer Unterschied. Eine Mannschaft wie Fürth ist auch auf den Außenverteidgerpositionen richtig stark besetzt.

bundesliga.de: Aber die kämpferische Komponente müsste Dynamo doch entgegen kommen?

Koch: Ja, der Fußball in Dresden lebt von den Emotionen. Wenn die Spieler alles geben, sind die Fans auch dann zufrieden, wenn das Ergebnis nicht gepasst hat. Die Fans haben uns in Cottbus oder Fürth gefeiert, obwohl wir verloren haben. Die haben die Euphorie aus dem Pokalspiel noch mitgenommen.

bundesliga.de: Sie sprechen das Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen an, das Dynamo nach einem 0:3-Rückstand noch mit 4:3 gewinnen konnte. Sie haben dabei zwei Tore geschossen. Was ist da eigentlich passiert?

Koch: Erklären kann man so ein Spiel wie gegen Leverkusen nicht. Aber man kann immer eine Pokalsensation schaffen. Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Und selbst so eine Mannschaft fängt an zu wackeln, wenn man sich in einen Rausch spielt.

bundesliga.de: Jetzt müssen Sie in der 2. Runde nach Dortmund. Nach dem Vizemeister kommt der Meister. Viel besser geht s nicht, oder?

Koch: Für den Verein war der Sieg gegen Leverkusen sehr wichtig. Jetzt sind wir in der 2. Runde in Dortmund live im Fernsehen zu sehen. Das ist auch finanziell sehr bedeutend. Und so ein Spiel in dem Stadion ist sicher auch ein Highlight in meiner Karriere. Unsere Chance ist sicher nicht allzu groß, aber es ist ja noch einige Zeit bis dahin. Und vorher haben wir einige wichtige Spiele vor der Brust.

bundesliga.de: Sie selbst sind erst mit 23 Jahren Profi geworden und sind so etwas wie ein Spätstarter. Woran hat es gelegen?

Koch: Der Begriff fällt in letzter Zeit häufiger bei mir. Aber ich kann damit leben. In der Jugend habe ich den Durchbruch nicht so richtig geschafft. Ich bin dann einen anderen Weg gegangen. Als dann das Angebot von Dynamo kam, hatte ich zwar finanzielle Einbußen, aber ich habe es riskiert. Von da an ging es bergauf.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie sich persönlich gesteckt?

Koch: Ich wollte mir erst einen Stammplatz erkämpfen, das ist mir gelungen. Jetzt möchte ich ihn behalten. Ich habe mir keine Anzahl an Toren vorgenommen oder so etwas. Ich bin einfach froh über meine Entwicklung. Ich darf jetzt in der 2. Bundesliga spielen und habe mit einigen Toren zum Aufstieg beitragen können. Ich fühle mich sehr wohl in Dresden und habe meine eigene Wohnung. Aber am wichtigsten ist der Erfolg der Mannschaft. Oberste Priorität hat der Klassenerhalt. Dafür wollen wir so schnell wie möglich die nötigen Punkte sammeln.

bundesliga.de: Was hat Ihnen Ihr Trainer Ralf Loose gesagt, was er von Ihnen erwartet?

Koch: Er hat mir gesagt, dass ich im Profifußball immer dranbleiben muss. Dazu gehört auch die richtige Ernährung und auch, ausgiebiges Feiern zu unterlassen. Das beherzige ich. Er hat mir das Vertrauen geschenkt und mich nach der Verletzung von Christian Fiel zum Kapitän gemacht. Das ist eine sehr große Ehre für mich. Früher habe ich mit meinen Kumpels noch selbst in der Kurve gestanden.

bundesliga.de: Nächster Gegner ist der angeschlagene VfL Bochum. Was erwarten Sie von dem Spiel?

Koch: Das Spiel wollen wir natürlich gewinnen. Wir wollen wieder zu einer Heimmacht werden. Es werden gegen Bochum wieder über 20.000 Zuschauer in unser tolles Stadion kommen. Das setzt zusätzliche Kräfte frei. Eigentlich war Bochum für mich einer der Aufstiegsfavoriten. Jetzt sind sie schlecht gestartet. Ich habe gelesen, dass Bochum bei uns die Wende schaffen will. Aber damit können sie ruhig noch eine Woche warten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski