Berlin - Am Montagabend steigt das vierte Berliner Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union. Die bisherige Bilanz ist bei je einem Sieg für die "alte Dame" und einem für die "Eisernen" bei einem Unentschieden und 4:4-Toren komplett ausgeglichen. Im Hinspiel setzte sich Hertha mit 2:1 durch. Entsprechend sinnt Union-Stürmer Simon Terodde im Interview mit bundesliga.de auf Revanche.

bundesliga.de: Herr Terodde, Union Berlin ist gegen den SV Sandhausen mit einem 3:1-Erfolg ins neue Jahr gestartet. Wie zufrieden waren Sie mit dem Auftakt?

Terodde: Besser hätte das Jahr für uns gar nicht anfangen können. Zur Eröffnung der neuen Haupttribüne drei Punkte zu holen, war schon etwas Besonderes. Zumal wir aus dem Hinspiel, wo es uns mit dem 1:2 eiskalt erwischt hat, noch eine Rechnung offen hatten.

bundesliga.de: Was hat die Mannschaft diesmal besser gemacht als beim verpatzten Saisonstart mit nur einem Punkt aus den ersten fünf Spielen?

Terodde: Wir rufen unser Potenzial jetzt besser ab. Dazu kommt auch das kleine Quäntchen mehr Glück im Abschluss, dass uns am Anfang eindeutig gefehlt hat. Schlecht gespielt haben wir auch zu Saisonbeginn selten, doch jetzt kommen auch die entsprechenden Ergebnisse. Das macht selbstbewusst, was der Gegner auf dem Platz dann auch zu spüren bekommt.

bundesliga.de: Wie ist die großartige sportliche Entwicklung der Mannschaft zu erklären?

Terodde: Das ist ein Ergebnis vieler kleiner Puzzleteilchen. Die Ruhe im Vereinsumfeld spielt eine große Rolle. Sachliche Kritik hatten wir nach den ersten Spielen natürlich verdient und bekommen. Wir haben uns hinterfragt, sind zusammengerückt und haben uns durch gute Leistung selber aus dem Dreck gezogen.

bundesliga.de: Sie spielen Ihre zweite Saison für die "Eisernen", nachdem Sie vorher im Rheinland in Duisburg, Düsseldorf und Köln unter Vertrag waren. Wie schwer fiel es Ihnen, nach Berlin zu gehen?

Terodde: Wenn die große Entfernung zur Heimat und Familie gemeint ist, habe ich mir natürlich meine Gedanken gemacht. Sportlich hatte ich keine Zweifel. Ich habe von Beginn an ein gutes Gefühl gehabt und ich wurde nicht enttäuscht.

bundesliga.de: In Berlin haben Sie den Durchbruch geschafft. Wie beurteilen Sie Ihre Entwicklung?

Terodde: Absolut positiv. Wir haben Spieler mit Qualität, davon profitiere ich persönlich genauso wie die gesamte Mannschaft. Das Vertrauen des Trainers mir gegenüber versuche ich durch Leistung in jedem Training und in den Spielen zu rechtfertigen. Mal gelingt das schlechter und in letzter Zeit eben richtig gut.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison haben Sie acht Tore gemacht, jetzt stehen Sie schon bei sieben. Was haben Sie sich persönlich für Ziele gesetzt?

Terodde: Als Stürmer ist meine Aufgabe eigentlich klar. Aber ich setze mich nicht mit einer bestimmten Tormarke unter Druck. Wenn Michael Parensen gegen Sandhausen beispielsweise im Nachhinein seinen Treffer zugesprochen bekommt, ist das kein Problem für mich. Es ist egal wer die Tore macht, Hauptsache irgendwer macht sie überhaupt.

bundesliga.de: Am Montag steigt das Derby gegen die Hertha, das zugleich das Topspiel der 2. Bundesliga ist. Wie stark schätzen Sie den Lokalrivalen ein?

Terodde: Wie heißt es so schön: Die Tabelle lügt nicht. Hertha hat gute Spieler und einen exzellenten Trainer. Es ist keine Überraschung, dass sie dort oben stehen.

bundesliga.de: Worauf muss Union besonders aufpassen? Wie groß sind die Chancen auf einen Erfolg von Union?

Terodde: Vor 75.000 Zuschauern zu spielen, ist in der 2. Bundesliga eine Ausnahmesituation. Das wird jedem den Extrakick geben. Es gibt einige Spieler in der Mannschaft, die bereits einmal dort gewonnen haben. Ich würde das auch gern erleben und glaube, dass Hertha vom Papier her ein bisschen die Nase vorn hat. Dass sowas auf dem Platz nichts heißen muss, haben wir vor zwei Jahren gesehen. Wir haben eine realistische Chance, etwas mitzunehmen.

bundesliga.de: Was ist in dieser Saison noch drin für Union?

Terodde: Das müssen wir abwarten. Es steht ein wichtiges Spiel bevor, das wir unbedingt positiv gestalten wollen. Aber auch die nächsten Gegner sind jeweils drei Punkte wert. Bekommen wir Konstanz in unsere Leistung, ist alles denkbar.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski