München - Eintracht Braunschweig steht seit dem vergangenen Wochenende als erster Aufsteiger in die 2. Bundesliga fest. Nach dem 1:0-Sieg in Unterhaching durften die Niedersachsen bereits sechs Spieltage vor dem Saisonende feiern.

Im Interview mit bundesliga.de beschreibt Dennis Kruppke, welche Last ihm von den Schultern fiel, als die Rückkehr in die 2. Bundesliga offiziell feststand. Außerdem verrät der Top-Stürmer und Kapitän der Eintracht das Erfolgsgeheminis seiner Mannschaft und bewertet die Chancen in der kommenden Spielzeit.

bundesliga.de: Herr Kruppke, häufig bekommen Mannschaften, die kurz davor sind, ihr Saisonziel zu erreichen, ihre Nerven nicht in den Griff und plötzlich stimmen die Ergebnisse nicht mehr. Haben Sie bei Eintracht Braunschweig eine ähnliche Entwicklung festgestellt, je näher der Aufstieg rückte?

Dennis Kruppke: Wir haben uns einfach gesagt, dass wir von Spiel zu Spiel schauen und dass es noch genug Punkte zu holen gibt. Im Training haben wir in den letzten Wochen auch nichts anderes gemacht oder uns auf etwas Besonderes vorbereitet. Wir wussten, dass der Tag irgendwann kommen wird.

bundesliga.de: Wie ausgiebig haben sie den Aufstieg gefeiert?

Kruppke: So wie man einen Aufstieg feiern sollte. Sehr ausgiebig und feucht fröhlich. Es ging noch bis lang in die Nacht, es war wirklich eine sehr schöne Feier.

bundesliga.de: Wann waren Sie sich im Spiel gegen die SpVgg Unterhaching sicher, dass es an diesem Tag mit dem Aufstieg klappen würde?

Kruppke: Ich war mir vor dem Spiel schon sicher, dass wir was holen werden, weil die Stimmung in der Mannschaft richtig gut war. Wir haben zwar im Spiel dann die eine oder andere Chance liegen lassen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass wir gewinnen werden. Denn Unterhaching hat sich so gut wie keine klaren Chancen erspielt.

bundesliga.de: Wie groß war die Erleichterung in der Mannschaft, als der Aufstieg perfekt war?

Kruppke: In den letzten beiden Spielen hat es schon sehr gekribbelt. Für uns war es dann sehr befreiend, als der Moment in Unterhaching endlich gekommen war. Da ist uns eine große Last von den Schultern gefallen.

bundesliga.de: Sie sind 2002 schon einmal in die 2. Bundesliga aufgestiegen, nämlich mit dem VfB Lübeck. Welchen Aufstieg fanden Sie schöner beziehungsweise wo waren die Unterschiede?

Kruppke: Grundsätzlich ist jeder Aufstieg auf seine Weise schön. Vergleichen kann man die beiden Aufstiege aber nicht. In Braunschweig ist die Euphorie wesentlich größer. Wir haben im Schnitt 16.000 oder 17.000 Zuschauer. Hier wird der Fußball noch einen Tick anders gelebt. Früher habe ich auch noch mehr gefeiert, als ich jung war. Jetzt genießt man einfach den Augenblick.

bundesliga.de: Welche Liga schätzen Sie stärker ein? Die 3. Liga von heute oder die damalige Regionalliga Nord?

Kruppke: Ich glaube schon, dass die jetzige 3. Liga stärker ist als die damalige Regionalliga, denn die war ja damals noch zweigleisig. Außerdem ist die Qualität in den Mannschaften einfach stärker, weil dort viele Profis spielen, die in der Bundesliga oder in der 2. Bundesliga nicht zurechtkommen und sich Vereine in der 3. Liga suchen.

bundesliga.de: Die Eintracht dominiert die 3. Liga in diesem Jahr beinahe nach Belieben? Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Kruppke: Uns macht vor allem die Geschlossenheit und der Teamgeist stark. Der große Kern ist zusammengeblieben und wir haben uns noch mit Spielern verstärkt, die spielerisch und charakterlich in unsere Mannschaft passen. Außerdem haben wir uns seit der letzten Saison weiterentwickelt und einen großen Sprung nach vorne gemacht.

bundesliga.de Wie ist es Ihrem Trainer Torsten Lieberknecht gelungen, eine so gut funktionierende Mannschaft zu formen?

Kruppke: Er hat ein Konzept und man hat ihm einfach die Zeit gegeben, mit uns zu arbeiten. Die haben viele Trainer heute nicht mehr. Zudem arbeitet er akribisch und achtet auf jedes Detail. Er versucht auch immer, dass die Mannschaft Spaß hat und dennoch konzentriert arbeitet. Es passt einfach zwischen der Mannschaft und dem Trainer.

bundesliga.de: Ein Blick in die Zukunft: Welche Ziele haben sie mit dieser Mannschaft in der 2. Bundesliga?

Kruppke: Wir sollten uns schon relativ hohe Ziele setzen. Sicherlich ist es das Wichtigste, die Klasse zu halten. Aber wir wollen auch eine ordentliche Rolle spielen. Wir haben das Selbstvertrauen und haben auch schon in Spielen gegen Mannschaften aus der 2. Bundesliga bewiesen, dass wir mithalten können. Allerdings muss auch eine Menge zusammenpassen.

bundesliga.de: Warum besteht Ihre Mannschaft auch in der 2. Bundesliga?

Kruppke: Ich nenne immer gerne das Beispiel Aue, mit denen hatte auch keiner gerechnet vor dieser Saison. Sie haben viel über Geschlossenheit und Teamgeist erreicht. Es ist einfach wichtig, dass in der Mannschaft eine Menge zusammenpasst. Da haben wir sehr gute Grundvoraussatzungen.

bundesliga.de: Wird sich die Eintracht vor der nächsten Saison noch verstärken müssen?

Kruppke: Man geht eine Liga höher und da ist es normal, dass man versucht, die Qualität noch einen Tick zu steigern. Auch wenn man ein gutes Team hat, muss man versuchen, alles noch ein bisschen besser zu machen. Man muss keine neue Mannschaft holen, aber man sollte schon einen oder zwei Spieler verpflichten, die menschlich und qualitativ ins Team passen.

bundesliga.de: In welcher Rolle sehen Sie sich als älterer Spieler, der beim SC Freiburg auch schon Bundesligaluft geschnuppert hat?

Kruppke: In erster Linie freue ich mich, dass ich wieder 2. Bundesliga spielen kann. Ich will mit dem Team viel Spaß haben und mithelfen, dass wir die 2. Bundesliga überstehen. Natürlich möchte ich zusammen mit zwei oder drei anderen Spielern unsere noch junge Mannschaft führen und dieselbe Rolle einnehmen wie in diesem Jahr: Vorne weg gehen und meine Erfahrung einbringen.

bundesliga.de: Sie haben in der laufenden Saison in 31 Spielen 16 Tore erzielt. Wie viele nehmen Sie sich für die nächste Saison vor?

Kruppke: Ich fahre immer ganz gut damit, mich bei diesem Thema zurückzuhalten. Da werde ich mich nicht unter Druck setzen. Ich weiß, dass ich torgefährlich bin und im Laufe einer Saison meine Tore machen werde. Wenn es ein oder zwei Tore weiniger werden als in diesem Jahr, dafür aber eine oder zwei Vorlagen mehr, bin ich auch zufrieden. Ich messe mich eher an meiner Leistung als an Toren.

Das Gespräch führte David Schmidt