Der FC St. Pauli ist zum fünften Mal in die Bundesliga aufgestiegen. Und das "zum hundertsten Vereinsjubiläum: Besser geht's nicht", freut sich Marius Ebbers in einem Gespräch mit bundesliga.de.

Der Top-Torjäger war mit 20 Treffern und fünf Vorlagen maßgeblich am Erfolg beteiligt, will das aber nicht überbewertet wissen: "Die Tore waren das Ergebnis guter Arbeit der ganzen Mannschaft".

Für den 32-Jährigen ist es nach Köln und Aachen der dritte Aufstieg in die Bundesliga: "Der Aufstieg mit St. Pauli ist sicher der überraschendste, weil überhaupt nicht geplant." Entsprechend wird er gefeiert.

bundesliga.de: Haben Sie schon begriffen, was passiert ist?

Marius Ebbers: Wir sind in Fürth quasi vorzeitig aufgestiegen. So langsam wird es einem klar. Wir haben in den letzten Tagen kräftig gefeiert und das alles genossen. Und wir werden noch eine Weile weiter feiern. Aufstieg zum hundertsten Vereinsjubiläum: Besser geht's nicht. Aber ich denke, so richtig bewusst wird es uns vielleicht erst, wenn wir den Spielplan für die neue Saison sehen - wenn es dann heißen würde, am ersten Spieltag geht es gegen Borussia Dortmund, Schalke 04 oder Bayern München.

bundesliga.de: Beschreiben Sie kurz, was nach dem Spiel in Fürth los war.

Ebbers: Das war Freude pur. Viel mehr kann ich dazu gar nicht sagen - wir haben uns gefeiert. So richtig bewusst war es uns allen in diesem Moment noch nicht.

bundesliga.de: Mit 20 Toren und fünf Assists haben Sie die wohl erfolgreichste Saison ihrer Karriere hingelegt und damit maßgeblich zum Aufstieg beigetragen. Was dürfen die Fans in der Bundesliga von Ihnen erwarten?

Ebbers: Darüber habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Die Tore waren das Ergebnis guter Arbeit der ganzen Mannschaft. Wir haben ein tolles Team. Für mich persönlich hoffe ich, dass ich besser spielen werde als die vorherigen Male, in denen ich in der Bundesliga war - und somit auch ein bisschen erfolgreicher.

bundesliga.de: Sie sprechen es an: Nach Köln und Aachen ist es ihr dritter Aufstieg. Lassen die sich vergleichen?

Ebbers: Das ist schwierig. Köln hatte eine starke Mannschaft und extra Huub Stevens als Trainer verpflichtet, damit der Aufstieg auf jeden Fall realisiert wird. Da war der Aufstieg Pflicht. In Aachen war der Aufstieg schon das Saisonziel, aber so, wie eigentlich jedes Jahr bei dem alten Traditionsverein. Wenn's nicht geklappt hätte, wäre es kein Beinbruch gewesen. Der Aufstieg mit St. Pauli ist sicher der überraschendste, weil überhaupt nicht geplant.

bundesliga.de: Mit Aachen mussten Sie den Wiederabstieg in die 2. Bundesliga erleben. Ist St. Pauli stark genug, die Bundesliga zu halten?

Ebbers: Ich glaube schon. Der Stamm der Mannschaft kann auf jeden Fall in der Bundesliga mithalten. Wir müssen sicherlich alle noch einmal an Qualität hinzugewinnen, aber die Mannschaft ist jung und hat riesiges Potenzial. Aber wir wissen schon, dass wir permanent an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Wir haben halt nicht die Mittel wie andere Vereine. Das beste Beispiel ist Mainz 05: Da haut jeder zu 100 Prozent rein und der Abstieg war kein Thema.

bundesliga.de: Werden Sie von den Mitspielern auf ihre Bundesliga-Zeit angesprochen?

Ebbers: Bisher noch nicht, aber vielleicht kommt noch einer auf mich zu und fragt mich. Aber am besten ist es ja ohnehin seine eigenen Erfahrungen zu machen. Ich kann nur jedem sagen: Freu' dich drauf.

bundesliga.de: Bayern, Schalke, das Derby gegen den HSV, ihr Ex-Club 1. FC Köln... Auf welche Duelle freuen Sie sich am meisten?

Ebbers: Ich freue mich auf alle Spiele. Es ist einfach noch einmal ein riesengroßer Unterschied zur 2. Bundesliga - die Stadien und die Anzahl der Zuschauer.

bundesliga.de: Wo sehen Sie am Saisonende 2010/11 den FC St. Pauli?

Ebbers (lacht): Irgendwo in der Tabelle der Bundesliga. Im Ernst: Jetzt eine Prognose abzugeben, wäre verfrüht. Außerdem kann ich nicht sagen, was für Verpflichtungen getätigt werden.

bundesliga.de: Auf welchen Positionen sehen Sie denn Handlungsbedarf?

Ebbers: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Dafür haben wir einen Trainer, ein Funktions-Team und mit Helmut Schulte einen Sportdirektor, die sich darum kümmern. Fakt ist, dass wir uns sicher punktuell verstärken müssen. Ich denke, dass im Prinzip für jeden Mannschaftsteil Verstärkung gesucht werden wird.

bundesliga.de: Wie groß ist der Anteil der Fans am Erfolg?

Ebbers: Die Fans haben natürlich einen großen Anteil. Unsere Heimbilanz ist sehr positiv. Speziell in den letzten entscheidenden Wochen haben wir fast jedes Heimspiel gewonnen. Wenn man dann noch sieht, wie viele Fans mit nach Fürth gekommen sind, um uns dort zu unterstützen. Wer weiß, ob wir mit 100 mitgereisten Fans das Spiel gedreht hätten. Wenn jedoch 8.000 Fans vor Ort sind, die dann richtig Stimmung machen, ist das schon ein Vorteil.

bundesliga.de: Nach den ganzen Feierlichkeiten geht es in den Urlaub...

Ebbers: Den haben wir uns verdient. Die Saison war doch sehr anstrengend. Wir mussten fast immer ans Limit gehen, um den Traum vom Aufstieg zu verwirklichen.

bundesliga.de: Sicher werden Sie die WM verfolgen. Wer wird denn in Südafrika Weltmeister?

Ebbers: Das ist nicht einfach zu beantworten. Deutschland wird es schwer haben, aber ich hoffe es natürlich. Ich denke, die üblichen Verdächtigen werden es unter sich ausmachen: Brasilien, Argentinien, Spanien und die Niederlande sind sicherlich Kandidaten für den Titel.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs