Frankfurt - Der Spielbetrieb ruht momentan, aber im Bereich Spielerbeobachtung gibt es immer etwas zu tun. So auch beim FSV Frankfurt, bei dem seit dem 1. Januar 2015 der ehemalige National-Stürmer Olaf Marschall als Chefscout tätig ist. bundesliga.de gewährt er Einblicke in seine Arbeit.

Schon bevor Olaf Marschall offiziell seine Stelle als Chefscout beim FSV Frankfurt angetreten hat, meldeten sich Freunde aus dem Fußball, Journalisten und Spielerberater bei ihm telefonisch oder per SMS. Das Interesse ist groß und Marschall legt viel Wert darauf, seine Kontakte im Fußball zu pflegen. Denn das ist eine der Voraussetzungen für seinen Job. "Vernetzung ist das A und O, um erfolgreich arbeiten zu können. Erst mit guten Kontakten und einem großen Netzwerk bekommt man die wichtigen Informationen vielleicht auch mal vor den anderen", erklärt Marschall.

Kontakte als Erfolgsfaktor

Über einen Fußball-Kontakt ist Olaf Marschall auch zum FSV Frankfurt gekommen. Uwe Stöver, Geschäftsführer Sport des FSV, holte Marschall an den Bornheimer Hang. Der neue Chefscout sagt dazu: "Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Zeit beim 1. FC Kaiserslautern. Dort haben wir uns schätzen gelernt und Uwe hat mich gefragt, ob ich hier nicht etwas aufbauen möchte."

Mit der Installation von Olaf Marschall als Chef-Scout wird die Spielerbeobachtung beim FSV professionalisiert und fest in den Strukturen verankert. Zuvor waren die Späher auf Honorarbasis und nicht hauptberuflich für die Frankfurter tätig. Eine der ersten Aufgaben für den neuen Chefscout wird es sein, eine Datenbank aufzubauen, in die alle Informationen zu Spielern fließen. "Wenn der Verein beispielsweise einen spielstarken linken Außenverteidiger sucht, wollen wir zu allen interessanten Spieler Informationen und Einschätzungen parat zu haben", sagt Marschall, "außerdem haben wir mit einer Datenbank ein hervorragendes Filtersystem und können die prozentuale Trefferquote bei Transfers erhöhen. Es kommt nur darauf an die Daten richtig zu lesen."

"Gefühl für Spieler bekommt man nur live"

Daneben hat die Video- und Datenanalyse einen wichtigen Stellenwert für den neuen Chefscout. "Zu meinem Arbeitsalltag zählen Videoanalysen, Spieler- und Gegneranalysen sowie die Spielvorbereitung. Für den Trainer ist es wichtig, alle Informationen über die eigenen Spieler und über die Gegner zu erhalten", erklärt Marschall die geplante enge Zusammenarbeit mit Trainer Benno Möhlmann.

Bei aller Bedeutung der Daten sieht Olaf Marschall seine Präsenz bei Spielen als den wichtigsten Bestandteil seiner Arbeit an. "In Frankfurt werde ich nur zwei bis drei Tage in der Woche sein, denn das ist kein normaler Job mit festen Abläufen. Jeder Tag ist anders und ich werde viel unterwegs sein, im Auto oder in Stadien sitzen. Erst auf dem Platz bekommst du ein Gefühl für den Spieler", sagt Marschall verschmitzt und man sieht, dass er in seinem neuen Job schon angekommen ist.

Sprungbrett 2. Bundesliga

Marschall wird vor allen Dingen bei Spielen der 2. Bundesliga, 3. Liga und der Regionalliga dabei sein. Für Spieler aus diesen Klassen ist der FSV Frankfurt ein interessanter Verein, weil sie hier in der 2. Bundesliga spielen können. "Bei uns wird ordentlicher Fußball gespielt und wir bieten ein gutes Umfeld. Von daher können wir potenziellen Neuzugängen auch rein sportlich eine Menge bieten", ist Olaf Marschall überzeugt, "auch für Spieler aus dem Ausland - wie aus der ersten österreichischen oder Schweizer Liga - ist die 2. Bundesliga sehr interessant. Sie hat einen hohen Stellenwert und kann für viele Spieler das Sprungbrett sein, da sie hier eine höhere Aufmerksamkeit bekommen, als in der heimischen ersten Liga."

Doch nicht nur fußballerisch sollte es klappen. "Es ist schwierig jemanden zu finden, der wirklich zu deiner Mannschaft passt. Da spielt nicht nur das Fußballerische eine Rolle, sondern auch das Umfeld. Fühlt sich der Spieler in seiner neuen Umgebung wohl und hat er das Selbstvertrauen auch in der neuen Mannschaft? Das kann man aber nicht alles im Vorfeld planen und ein Erfolg ist trotz des besten Scoutings nicht sicher", so Marschall, "das sieht man gerade bei Borussia Dortmund. Eigentlich dürften die vom Potential nicht da unten stehen, aber es ist trotzdem passiert. Ein Beispiel für Erfolg mit wenigen Mitteln sind dagegen die Darmstädter. Oder auch dass wir 1998 mit dem 1. FC Kaiserslautern Meister geworden sind ist nicht zu planen. Die Truppe hat einfach funktioniert und das Selbstbewusstsein wurde mit jedem Spiel größer", erzählt Marschall, der mit 21 Toren einen großen Beitrag zur Meisterschaft geleistet hat.

Trainingslager und Beobachtungen

Nun will Marschall zu einer erfolgreichen Entwicklung des FSV Frankfurt beitragen. Seine nächsten Aufgaben stehen fest: "In den nächsten Monaten geht es darum viele Spieler zu beobachten und Kontakte zu pflegen oder herzustellen. Mein nächstes Ziel dafür sind die Trainingslager vieler Vereine in Belek. Dort sind Mannschaften aus verschiedenen Ligen im Trainingslager und ich kann mir ganz unkompliziert einige Spiele anschauen. Unter anderem ist auch der 1. FC Nürnberg, der nächste Gegner des FSV Frankfurt, vor Ort. "Vielleicht kann ich da auch mal beim Training vorbeischauen und unserem Trainer noch ein paar wertvolle Tipps geben."

Alexander Dionisius