Darmstadt - Dem Märchen der Darmstädter Lilien fehlt noch das letzte Kapitel mit der krönenden Überschrift: Bundesliga-Aufstieg. Doch schon jetzt fühlt sich Präsident Rüdiger Fritsch wie in einem billigen amerikanischen Sportfilm.

"Wenn ein nicht ganz so guter Basketballer aufs College kommt, am Ende das Mädchen kriegt, das er liebt, und in der Overtime im entscheidenden Spiel den entscheidenden Dreier wirft. So ist das bei uns auch", sagte der Boss des Zweitligisten SV Darmstadt 98 vor dem Finale furioso am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) der "Frankfurter Rundschau".

Mit einem Sieg gegen den noch abstiegsgefährdeten FC St. Pauli könnte der Tabellenzweite aus Hessen (56 Punkte) nach 33 Jahren die Rückkehr ins Oberhaus aus eigener Kraft perfekt machen (). Um den direkten Aufstieg und den Relegationsplatz 3 kämpfen auch noch die punktgleichen Darmstadt-Verfolger Karlsruher SC (gegen 1860 München) und 1. FC Kaiserslautern (beide 55 Zähler), der gegen den bereits als Meister feststehenden FC Ingolstadt antritt. (Rechenspiele: Wer folgt dem FC Ingolstadt in die Bundesliga?)

Mischung aus Abenteuerfilm und Science-Fiction

Beim Showdown im Südwesten ist allerdings auch der Abstiegskampf ein Thema. Als Tabellen-14. muss St. Pauli (37 Zähler) ebenso noch zittern wie 1860 München (36) auf Rang 15. Während der VfR Aalen (31) als Schlusslicht bereits abgestiegen ist, steht Erzgebirge Aue (35) als Vorletzter mit dem Rücken zur Wand. Auf dem Relegationsrang liegt der FSV Frankfurt (36), dessen neuer Trainer Tomas Oral seine Spieler durch die Waschanlage laufen ließ. (Rechenspiele: Der Kampf um den Klassenerhalt)

Derweil will Darmstadt, vor der Saison als Absteiger gehandelt, vor den heimischen Fans am Böllenfalltor den sensationellen Durchmarsch perfekt machen. Und zwar mit der bewährten "Musketier-Mentalität - einer für alle, alle für einen", wie Marco Sailer betonte. ("Hoffe auf einen goldenen Sonntag" - Marco Sailer im Interview)

Der Publikumsliebling mit dem Rauschebart fühlt sich angesichts der aktuellen Ausbeute von 56 Punkten immer noch wie im falschen Film. "Es ist eine Mischung aus Abenteuerfilm und Science-Fiction. Aber ich muss zugeben, dass auch viel Romantik dabei ist", sagte Sailer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung."

Erinnerungen an Relegations-Wahnsinn

Club-Präsident Fritsch schwärmte mit Blick auf die letzten zwölf Monate schwärmte: "Keiner hätte gedacht, dass wir den Wahnsinn aus dem letzten Jahr noch weitertreiben können."

Fast genau vor einem Jahr hatten die Darmstädter in der Relegation zur 2. Bundesliga das Hinspiel zu Hause gegen Arminia Bielefeld mit 1:3 verloren, dann aber durch ein 4:2 n.V. den Aufstieg doch noch geschafft.

Lilien-Coach Dirk Schuster jedenfalls könnte sich am Sonntag ein Denkmal setzen. Der Ex-Profi verbreitet stets positive Stimmung - selbst mit Blick auf die teilweise maroden Örtlichkeiten wie das Übungsgelände: "Der Trainer redet uns in gewisser Weise diesen Trainingsacker schön", verriet Sailer.

KSC und FCK in Lauerstellung

Ihres eigenen Glückes Schmied sind zumindest in Sachen Relegation die Spieler vom Karlsruher SC. "Genau das haben wir gewollt", sagte KSC-Trainer Markus Kauczinski. Torhüter und Kapitän Dirk Orlishausen kündigte selbstbewusst an: "Wir wollen jetzt nichts mehr hergeben." Ein Grund für die badische Zuversicht heißt Rouwen Hennings: Der Angreifer führt mit 17 Treffern die Torjägerliste an.

Die schlechteste Ausgangsposition hat der 1. FC Kaiserslautern. Nur Punktverluste der direkten Konkurrenz können das "Wunder vom Betze" noch ermöglichen. "Wenigstens haben wir jetzt so etwas wie ein Endspiel", sagte Mittelfeldspieler Markus Karl mit einer gehörigen Portion Zweckoptimismus. Teamkollege Tim Heubach stellte klar, "dass wir unbedingt gewinnen müssen", und ergänzte hoffnungsvoll: "Dann werden wir Stoßgebete gen Himmel schicken."

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