Zusammenfassung

  • Darmstadt startet am Samstag gegen Fürth in die neue Saison

  • Aytac Sulu sieht einen großen Konkurrenzkampf bei D98

  • Der Kapitän visiert einen guten Start in die Spielzeit an

Darmstadt - Aytac Sulu bleibt auch nach dem Abstieg des SV Darmstadt 98 die Identifikationsfigur der Lilien, in der Sommerpause verlängerte er seinen Vertrag bis 2019. Eine Woche vor dem Saisonauftakt der 2. Bundesliga unterlief dem Spielführer beim 2:2 gegen den englischen Zweitligisten FC Fulham ein Eigentor - das er durch einen tollen Kopfballtreffer wieder wettmachte. Nach der Vorbereitung mit sieben Testspielsiegen und einem -remis spricht Sulu über die neue Spielzeit.

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Frage: Herr Sulu, was war los bei Ihrem Eigentor?

Sulu: Wir spielen ja mittlerweile ein Stück weit offensiver, deshalb steht unser Torwart auch offensiver. Als ich zurückpassen wollte, hat sich Ferro (Daniel Heuer Fernandes, Anm. d. Red.) ein wenig nach rechts bewegt - und ich konnte den Ball nicht mehr rumziehen. Aber: Lieber das passiert jetzt als in den nächsten Spielen.

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Frage: Aber insgesamt war es ein guter Test, oder?

Sulu: Wenn man das ganze Spiel betrachtet, hatten wir mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz. Auch die Zweikampfführung war sehr gut.  Noch fehlt ein bisschen die Frische, aber das ist ein Stück weit normal in dieser Phase. Ich denke, wir sind bereit für Fürth.

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Frage: Der Konkurrenzkampf ist auf vielen Positionen groß. Ist das ein Plus in dieser Saison?

Sulu: Ja, das ist das Gute. Jede Position ist doppelt besetzt und jeder hat den Anspruch zu spielen. Man hat in den Trainingseinheiten und Tests gesehen, dass es kaum einen Leistungsabschwung oder ein Leistungshoch gegeben hat - egal, welche Mannschaft gespielt hat. Das ist ein großes Plus, dass sich jeder individuell mit seinem Konkurrenten messen und sich peu á peu steigern kann. Wenn man den Atem des Konkurrenten im Nacken spürt, muss man Gas geben. Aber die Leute, die am Anfang nicht spielen, müssen dann auch die Füße stillhalten, die Faust in der Tasche machen und auf ihre Chance lauern.

Ich glaube nicht, dass wir zu den großen Favoriten gehören, aber wir werden auch nicht unten mitspielen. Aytac Sulu

Frage: Ihr wart jetzt drei Jahre lang immer Außenseiter, nun gehört ihr zu den Favoriten. Wie geht ihr damit um?

Sulu: Ich glaube, es gibt in der 2. Bundesliga viele Favoriten. Wie ich gelesen habe, wollen sechs, sieben Vereine nach oben oder oben anklopfen. Absteigern schieben die anderen Vereine gerne die Favoritenrolle zu, aber ich glaube, wir haben wieder einen kleineren Umbruch mit vielen neuen Spielern, die neu in der Liga sind. Ich glaube nicht, dass wir zu den großen Favoriten gehören, aber wir werden auch nicht unten mitspielen.

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Frage: Die Wahrnehmung des SV Darmstadt 98 hat sich ein bisschen gedreht: In Kevin Großkreutz und Hamit Altintop habt ihr die prominentesten Spieler der 2. Bundesliga im Kader. Trainer Torsten Frings stellt sich darauf ein, dass gegen Darmstadt einige Mannschaften eher so defensiv agieren werden wie es D98 gegen manche Gegner in der Bundesliga getan hat.

Sulu: Ja, das kann schon des Öfteren passieren. Aber genau darauf haben wir uns in der Vorbereitung eingestellt, wir sind auf alles gefasst: auf Pressing spielende Gegner, aber auch auf tiefstehende Gegner.

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Frage: Unter Frings spielte Darmstadt in der Rückrunde der vergangenen Saison deutlich offensiver. Lag der Schwerpunkt in der Vorbereitung nun verstärkt auf der spielerischen Weiterentwicklung?

Sulu: Auch. Wir spielen mehr mit kurzen Bällen und versuchen eine Spieleröffnung zu haben und nicht nur mit langen Bällen zu agieren. Das haben wir verfeinert und verbessert. Und der Teamgedanke stand im Vordergrund.

Frage: Sie haben von einem kleineren Umbruch gesprochen, der große Umbruch ist ausgeblieben. Mit Ihnen, Peter Niemeyer, Sandro Sirigu, Hamit Altintop und einigen anderen ist die Grundstruktur doch relativ erhalten geblieben. Könnte das ein Vorteil sein zum Saisonstart?

Sulu: Ja, ich glaube schon, dass es ein Vorteil sein kann mit erfahrenen Spielern, die schon länger da sind, in die Runde zu gehen. Wir haben ja auch Spieler, die einfach eine große Klasse haben. Kevin und Hamit sind ja anderes gewohnt als 2. Bundesliga. Das ist schon ein kleines Plus, das zu einem großen Plus werden kann.

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Frage: Die Stimmung in der Mannschaft und im Umfeld wirkt sehr positiv, Vorfreude auf die Saison ist zu spüren.

Sulu: Wenn man die Mannschaften und die Vorbereitungen vom letzten und von diesem Jahr vergleicht, ist schon ein Unterschied zu erkennen. Vielleicht ist es einfacher, wenn Spieler gewillt sind, sich zu integrieren. Wir haben jetzt eine sehr gute Mischung zwischen neuen und alteingesessenen Spielern. Die Neuen wollen das, was Darmstadt ausmacht, mitleben, die wollen sich von diesem Gen infizieren lassen.

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Frage: Waren Sie einer der Eingeweihten bei der Vertragsverlängerung von Altintop letzten Donnerstag?

Sulu: Ja, ich habe es gewusst, durfte es aber niemanden sagen. Am Morgen wurde mir gesagt, dass mit Artur Sobiech ein neuer Stürmer aus Hannover kommt und Hamit verlängert. Ich musste ja noch mit der Mannschaft trainieren und die Vorstellung abwarten. Es war schon hart, alles für sich zu behalten. Mein Bruder schrieb in den letzten Wochen ja auch immer: „Was ist mit Hamit?“ Aber noch nicht mal ihm konnte ich es sagen.

Ich gehöre zu denen, die am liebsten so schnell wie möglich in die Bundesliga zurückwollen. Aytac Sulu

Frage: Hatten Sie Kontakt zu Hamit?

Sulu: Ja, ich habe ihm immer wieder geschrieben und gefragt, was nun ist und warum es so lange dauert.

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Frage: Er wollte sich die Vorbereitung ersparen…

Sulu (lacht): …ja, das habe ich mir auch gedacht. Aber ich muss sagen, er ist relativ fit. Natürlich fehlt ihm noch das Mannschaftstraining, aber man hat gegen Fulham gesehen, dass er am Ball nichts verlernt hat. Und wenn er sein Auge so weiterbehält, dann kann er von mir aus auch unfit spielen. Wir wissen, dass wir mit Hamit einen Spieler haben, der weiß, wann er das Spiel schnell machen oder beruhigen muss. Das ist sehr wichtig für uns.

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Frage: Wenn man Ihnen zuhört, hat man den Eindruck, Sie gehen sehr optimistisch und positiv in die Saison. Was wäre denn eine positive Saison für den SV Darmstadt 98?

Sulu: Das jetzt zu sagen, ist echt schwer. Ich gehöre natürlich auch zu denen, die am liebsten so schnell wie möglich in die Bundesliga zurückwollen. Aber in der 2. Bundesliga wird wieder ein etwas anderer Fußball gespielt, es gibt viele Vereine, die aufsteigen wollen. Wir müssen uns wieder an die robustere Liga gewöhnen. Wir sollten schauen, dass wir einen guten Start hinlegen und dann schauen wir, wie wir die nächste Etappe angehen.

Aus Darmstadt berichtet Tobias Schächter