Ausgerechnet bei heftigem Wind und strömendem Regen blühte die Offensive des FC St. Pauli endlich wieder auf. Nach zuvor vier sieglosen Spielen in Folge, bei denen die Hamburger nur ein Tor erzielten, traf der beste Angriff der 2. Bundesliga gegen Oberhausen gleich fünf Mal.

Den ersten Treffer markierte dabei Marius Ebbers. Bereits 14 Mal war er in der laufenden Spielzeit erfolgreich. Dennoch ist das Toreschießen schwere Arbeit, betont der Stürmer des FC St. Pauli im Interview mit bundesliga.de.

Er geht relativ gelassen mit der Drucksituation um, so kurz vor Saisonende dort oben in der Tabelle zu stehen. Weiterhin spricht Ebbers über die Chancen seiner Mannschaft, ungeschlagen durch den restlichen Saisonverlauf zu gehen. Den nächsten Schritt dazu wollen die Hamburger in Cottbus machen.

bundesliga.de: Herr Ebbers, würden Sie sagen, dass das 5:3 des FC St. Pauli gegen Rot-Weiß Oberhausen zu den verrücktesten Spielen gehört, die Sie als Profi erlebt haben?

Marius Ebbers: Das Spiel fand ich persönlich nicht so verrückt. Es gab natürlich viele Tore, aber es waren nicht so aufregende Szenen dabei. Für die Fans und Zuschauer war es sicherlich aufregender als für die Spieler auf dem Platz.

bundesliga.de: Nach nur einem Treffer in den vier Spielen zuvor ist St. Paulis Angriff gegen RWO förmlich explodiert. War das einfach nur eine Frage der Zeit oder hat die Mannschaft anders trainiert und gespielt als in den Vorwochen?

Ebbers: Ich denke, dass wir nicht viel anders gemacht haben als in den Wochen zuvor - wir haben ein bisschen Glück gehabt, dass wir die Tore diesmal gemacht haben. Wir hatten auch in den vergangenen Spielen Chancen, die leider nicht reingegangen sind.

bundesliga.de: Sie schossen in der 5. Minute bereits Ihr 14. Saisontor. Ihre Bestmarke liegt bei 15 Treffern. Warum fällt Ihnen das Toreschießen bei St. Pauli in dieser Saison so leicht?

Ebbers: Das fällt mir gar nicht leicht. Es sieht vielleicht so aus, aber es steckt immer viel und harte Arbeit dahinter. Natürlich profitiere ich auch von der offensiven Spielweise unserer Mannschaft und deren Qualität.

bundesliga.de: Vor dem RWO-Spiel rief Trainer Holger Stanislawski ja eine neue Saison aus. Hat St. Pauli das Zeug dazu, ungeschlagen durch diese Mini-Spielzeit zu gehen?

Ebbers: Ich denke, dass wir definitiv das Zeug dazu haben. Aber wir müssen natürlich auch alles dafür tun: Wir müssen unsere Leistung immer zu 100 Prozent abrufen, denn nur dann können wir alle Mannschaften schlagen. Das ist einfach die Grundvoraussetzung.

bundesliga.de: Durch den Sieg konnte St. Pauli den Abstand auf Augsburg auf einen Punkt verkürzen und den Vorsprung auf die Konkurrenz vergrößern. Gestatten Sie sich selbst ab und an einen Blick auf die Tabelle oder schaut man als Profi wirklich immer nur auf die eigene Mannschaft?

Ebbers: Ich schaue von Spiel zu Spiel. Natürlich gucken wir auch ab und zu mal auf die Tabelle. Ich bin jedoch nicht so ein Typ, der jede Woche darauf achtet, wie die anderen Mannschaften spielen. Ich habe immer gesagt: "So lange wir unsere Leistungen abrufen und unsere Punkte holen, können die anderen Mannschaften machen was sie wollen, dann werden wir oben dran sein". So wird es auch die letzten acht Spiele laufen.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag geht es zu Energie Cottbus. Die Lausitzer befinden sich noch immer ein wenig im Abstiegskampf. Ein gefährlicher Gegner?

Ebbers: Es gibt keine Mannschaft, die nicht gefährlich ist. In der Liga gibt es nur gute Mannschaften, die haben alle Ihre Qualität, auch Cottbus. Gerade, weil sie da unten stehen, müssen sie etwas machen - wir werden auf der Hut sein.

bundesliga.de: Im Hinspiel hatte St. Pauli mehr als 60 Prozent Ballbesitz und fast doppelt so viele Torschüsse wie die Lausitzer und doch hieß es am Ende 1:1. Was muss die Mannschaft tun, um diesmal drei Punkte mitzunehmen?

Ebbers: Ein Tor mehr schießen als Cottbus!

bundesliga.de: Sie sind schon zwei Mal - mit dem 1. FC Köln und Alemannia Aachen - in die Bundesliga aufgestiegen. Gehen Sie aufgrund der damals gesammelten Erfahrungen heute souveräner und gelassener mit der Erwartungshaltung um, die so kurz vor Saisonende automatisch entsteht, wenn man dort oben steht?

Ebbers: Ich bin ja nicht mehr der Jüngste und habe schon etwas erlebt und von daher denke ich, dass ich mit der Situation besser umgehen kann als ein 18- oder 20-Jähriger. Aber auch gerade die etwas Älteren versuchen, auf die jüngeren Spieler einzugehen und Ihnen zu vermitteln, dass sie sich keinen Stress machen sollen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz