Ingolstadt - Der FC Ingolstadt 04 kam am Montag nicht über ein Unentschieden gegen den 1. FC Nürnberg hinaus, ließ aber keinen Zweifel daran, dass man den Aufstieg schon bald unter Dach und Fach bringen will. FCN-Coach René Weiler hat derweil keinen Zweifel, dass das gelingen wird.

Enttäuscht oder gar traurig verließ am Montag Abend kaum einer der 15.000 Zuschauer den ausverkauften Audi-Sportpark in Ingolstadt. Und das, obwohl sich die FCI-Fans nun doch noch ein wenig gedulden müssen, ehe sie die Sektkorken knallen lassen können. Mit dem 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg verpassten die Oberbayern die Gelegenheit, sich rechnerisch bereits den Relegationsrang zu sichern.

Doch auch mit sieben Punkten Vorsprung auf Rang drei bleiben die "Schanzer" ein so klarer Aufstiegsfavorit, dass Gästetrainer René Weiler, der mit seinem Team durchaus zufrieden sein konnte, in sein Lob des Gegners auch die Wendung "und deswegen gehen sie hoch" einschob.

"Sind in der Spielanlage variabel"

Und das, obwohl der FCI am Montag längst nicht so dominant auftrat wie bei den meisten Heimspielen zuvor. Zwar hatten die Schwarz-Roten Möglichkeiten zu mehr Treffern als dem von Pascal Groß erzwungenen Eigentor von Javier Pinola (70.), doch im ersten Durchgang waren es die Nürnberger, die zunächst die klareren Torchancen und zuweilen auch die flüssigeren Kombinationen zeigten. "Das ist ja auch kein Wunder", sagte FCI-Torwart Ramazan Özcan nach der Partie: „Jeder Gegner ist doch doppelt so motiviert, wenn es gegen den Spitzenreiter geht. Das bekommen wir gerade zu spüren.“

Allerdings hielt Ingolstadt von Beginn an dagegen und versuchte, mit langen Bällen hinter die Viererkette des FCN zu kommen. Erst nach dem Seitenwechsel schaltete man auf den kraft- und laufintensiven Tempofußball um, der nicht erst in dieser Saison zum Markenzeichen der Mannschaft von Ralph Hasenhüttl geworden ist. "Im zweiten Durchgang haben wir gezeigt, dass wir in unserer Spielanlage variabel sind", sagte Özcan, der es nicht überraschend fand, dass der FCI drei Spieltage vor Schluss noch nicht als de-facto-Aufsteiger feststeht: "Die ersten haben uns doch schon im November, Dezember zum Aufstieg gratuliert. Wir als Mannschaft haben darüber immer geschmunzelt."

So sah es auch Trainer Hasenhüttl, der zwar zugab, dass er notfalls "auch gerne unverdient gewonnen hätte", aber schnell darauf hinwies, dass man doch in einer komfortablen Lage sei. Schließlich reichen aus den kommenden drei Spielen gegen Bochum, Ingolstadt und Kaiserslautern drei Zähler, um den Aufstieg unter Dach und Fach zu bringen. "Das ist für uns eine Luxussituation, dass einem auch mal wie heute gegen den Club ein Punkt helfen kann."

Levels: "Hätte selber schießen können"

So mag das auch Rechtsverteidiger Tobias Levels gesehen haben, der allerdings noch mit einer Szene aus der 82. Minute haderte. In der 84. Minute tauchte er frei vor dem Nürnberger Tor auf und grätschte den Ball Richtung Strafraum-Zentrum, das allerdings verwaist war: "Als Verteidiger ist man irgendwie darauf konditioniert, in die Mitte vorzulegen", ärgerte sich der ehemalige Gladbacher. "Vielleicht hätte ich da besser selber schießen können."

Gerade die Effizienz im Torabschluss wird in den kommenden drei Wochen entscheidend sein, vermutet derweil auch Trainer Hasenhüttl, der den verletzungsbedingten Ausfall seines Kapitäns Marvin Matip nicht nur wegen dessen Torgefährlichkeit bedauert: "Er ist der Kapitän, der auf dem Platz die Kommandos gibt." Angreifer Stefan Lex kündigte derweil an, dass am kommenden Sonntag elf Ingolstädter alles daran setzen werden, den Dreier zu holen, den man am Montag verpasste: "In Bochum brauchen wir eine Kampfleistung, dann holen wir dort auch die drei Punkte."

Aus Ingolstadt berichtet Christoph Ruf