Köln - Union Berlin hat sich im Rennen um die Aufstiegsplätze zurückgemeldet. Nach einer Durstrecke von drei Spielen ohne Sieg haben die Eisernen in Sandhausen gewonnen und sich auf Platz 5 verbessert. Nun empfangen die Berliner Eintracht Braunschweig. Vor dem Topspiel gegen den Tabellenführer spricht Union-Stürmer Collin Quaner im Interview mit bundesliga.de über seinen Durchbruch in Berlin und die Ambitionen in dieser Saison.

bundesliga.de: Collin Quaner, Union hat seine kleine Misere von drei Spielen ohne Sieg in Sandhausen bei einem heimstarken Gegner beendet. Wie groß war die Erleichterung nach dem Dreier? Was hat die Mannschaft besser gemacht als in den Partien zuvor?

Collin Quaner: Die Erleichterung war natürlich groß. Wir wollten die drei Punkte unbedingt und haben diese letztendlich auch verdient mitgenommen. Auch gegen Stuttgart haben wir bereits gezeigt, dass wir gegenüber den Vorwochen an vielem gearbeitet hatten. Ganz besonders an den einfachen Dingen, die unsere Spielweise ausmachen. Es ging darum, wieder diese Intensität in die Spiele einzubringen, viele Sprints zu machen, die Kilometer abzuspulen und zusammen zu agieren. Das waren unsere bisherigen Stärken und ich denke, dass wir in Sandhausen daran anknüpfen konnten und die Sache ganz gut gemacht haben.

bundesliga.de: Union hat sich im oberen Drittel der Tabelle festgesetzt, gegen Hannover gewonnen und gegen Stuttgart unentschieden gespielt. Die Mannschaft kann es also. Was fehlt noch, um die Top 3 in Angriff zu nehmen? Wo ist noch Verbesserungspotenzial?

Quaner: Verbesserungspotential gibt es immer und daran arbeiten wir als Mannschaft mit dem Trainerteam stetig. Wir wissen alle, wie eng es in dieser Liga zugeht und dass jeder jeden schlagen kann, dass es dabei oft nur auf Kleinigkeiten ankommt. Manchmal gewinnst du Spiele eng, manchmal eben nicht – so ist das im Fußball. Daher ist es viel Arbeit, wenn man in der Tabelle oben dranbleiben oder gar unter den Top3 stehen will und natürlich gehört auch das berühmte Quäntchen Glück dazu.

bundesliga.de: Sie haben in Berlin ein Jahr Anlauf gebraucht. In diese Saison sind Sie mit vielen Toren und Assists sehr gut gestartet. Lag das auch am neuen Trainer Jens Keller? Wie ist Ihr Verhältnis zum Trainer?

Quaner: Definitiv lag das auch am neuen Trainerteam. Sie schenken mir sehr viel Vertrauen, erkennen und fördern meine Stärken. Auch die Art wie wir spielen, kommt mir absolut entgegen und ich kann mich voll einbringen. Ich habe ein sehr, sehr gutes Verhältnis zum gesamten Trainerteam und zur Mannschaft, fühle mich hier sehr wohl. Die Kommunikation und Atmosphäre im Team stimmen, wir passen alle gut zusammen. Das sind die grundlegenden Dinge und die Basis, um gute Leistungen abzurufen.

"Ich traue mir die Bundesliga zu"

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bundesliga.de: Inwieweit verfolgen Sie den Weg Ihres früheren Teamkollegen Bobby Wood, der sich beim Hamburger SV in der Bundesliga durchgesetzt hat? Trauen Sie sich die Bundesliga auch zu?

Quaner: Natürlich bekommt man immer wieder was von ehemaligen Mitspielern oder Vereinen mit, schaut sich das bei Gelegenheit im TV oder irgendwo an. Von Bobby habe ich nur gehört, dass er in letzter Zeit verletzt oder zumindest angeschlagen gewesen sein soll und daher nicht gespielt hat. Aber natürlich fühlt man schon mit, wenn man die aktuelle Situation beim HSV sieht. Das zeigt, wie es im Fußball laufen kann, da gibt es immer Höhen und Tiefen. Ich persönlich traue mir auf jeden Fall zu, irgendwann mal in der Bundesliga zu spielen. Die Vorraussetzungen und den Willen dafür habe ich, und selbstverständlich ist es das Ziel, auf das ich hinarbeite. Aber Stand der Dinge aktuell ist, ich bin hier bei Union Berlin und das ist alles, worauf meine Energie und mein Fokus liegen. Alles andere ist Zukunftsmusik.

bundesliga.de: Sie haben in Ihrer Jugend bei Fortuna Düsseldorf gespielt und sind dann auf Wanderschaft durch die Republik gegangen. Welche Profistation war für Sie die wichtigste? Wo haben Sie den Durchbruch geschafft?

Quaner: Obwohl ich noch nicht so alt bin, habe ich sicherlich schon einiges erlebt und aus wirklich allem meine Erfahrungen mitgenommen. Das ist etwas sehr wichtiges, dass man sowohl positive, als auch negative Erfahrungen mitnimmt und daraus lernt, da diese Dinge einen formen und letztlich zu dem machen, der man ist. Beispielsweise war die Zeit in Ingolstadt, wo ich mit am längsten gespielt habe, sehr lehrreich für mich. Aber meinen Durchbruch habe ich definitiv in dieser Saison hier bei Union Berlin geschafft.

bundesliga.de: Am Montagabend empfängt Union unter Flutlicht den Tabellenführer aus Braunschweig. Worauf muss die Mannschaft gegen die Eintracht vor allem aufpassen? Wie sind die Niedersachsen zu schlagen?

Quaner: Die Eintracht ist eine sehr komplette Mannschaft. Sie werden keine Probleme haben, ein Kampf- und Körper betontes Spiel anzunehmen, sind offensiv sehr stark und agieren – ähnlich wie wir – stets als gesamtes Team. Da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich absolut auf Augenhöhe bewegen. Daher wird es für uns wichtig sein, dass jeder einzelne seine Stärken abruft und wir als Team funktionieren. Dann können wir auch diese Aufgabe meistern.

bundesliga.de: Langfristig will der Club bekanntlich in die Bundesliga. Ist in dieser Saison schon etwas möglich? Was trauen Sie Union im weiteren Saisonverlauf zu?

Quaner: Im gesamten Verein wird unheimlich professionell gearbeitet, die Vorraussetzungen sind alle da und geschaffen. Das ist für uns als Mannschaft enorm wichtig. Nur so können wir unsere Leistung abrufen und in der täglichen Trainingsarbeit hundert Prozent geben. Auch mit dem neuen Trainerteam läuft es sehr gut und ist da sicherlich einiges möglich. Wohin der Weg dann in dieser Saison führen wird, darüber kann man grübeln und natürlich kann ich das auch noch nicht sagen. Aber wir werden definitiv alles daransetzen, um am Ende so hoch wie möglich in der Tabelle zu stehen und wo das letztendlich sein wird, werden wir sehen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski