Freiburg - Dass sein Club Herbstmeister geworden ist, war ihm keine Erwähnung wert – Christian Streich gibt nichts auf diesen inoffiziellen Titel. Im Interview mit bundesliga.de erklärt der Trainer des SC Freiburg, was seine Mannschaft ausmacht, und spricht über die Probleme der Freiburger in der Vorrunde.

bundesliga.de: Herr Streich, trübt die Niederlage gegen Nürnberg ihr Fazit über die Hinrunde der ersten Saison in der 2. Bundeliga seit Jahren?

Christian Streich: Man ist natürlich kurz genervt, auch weil wir da nicht alles richtig gemacht haben. Aber auch so eine Niederlage lässt sich einordnen. Wir waren spielerisch nicht schlecht, haben in der Videoanalyse aber gesehen, dass wir zu langsam gespielt haben. Deswegen haben wir wie schon gegen St. Pauli gegen eine Mannschaft verloren, die zu Hause ausgesprochen defensiv gespielt hat. Aber das ist natürlich legitim.

bundesliga.de: Ihr Spieler Maximilian Philipp kritisierte, dass man auswärts nicht genug Torchancen aus dem Spiel heraus erarbeitet.

Streich: Das stimmt, irgendwie treten wir zu Hause oft dominanter und selbstbewusster auf, aber auch das lässt sich erklären. Das sind schließlich noch junge Kerle: Philipp ist 21, Marc-Oliver Kempf 20, in Nürnberg haben Caleb Stanko und Jonas Föhrenbach gespielt, die sind 22 und 19...

bundesliga.de: Die beiden spielten allerdings auch aufgrund der Personalsituation. Ist Ihr Kader in der Breite nicht zu dünn besetzt?

Streich: Wir werden kurzfristig etwas machen, es kann sein, dass in den kommenden Tagen etwas vermeldet wird. Aber: Jede Position ist grundsätzlich doppelt besetzt. Unser Problem war eher, dass wir zu viele Langzeitverletzte hatten: Lukas Kübler, Tim Kleindienst, Mats Möller Daehli, Mensur Mujdza, Mike Frantz, Mark Torrejon, Christian Günter ... die haben alle viele Wochen gefehlt und fehlen zum Teil noch heute.

bundesliga.de: Trotzdem werden Sie wohl keine halbe Mannschaft nachverpflichten...

Streich: Wir wollen den Kader auf keinen Fall aufblähen, ich will nicht vier, fünf Jungs am Wochenende sagen, dass sie auf die Tribüne müssen. So etwas birgt auch immer die Gefahr, dass das Gruppengefüge leidet. Und wir haben eine hungrige, lernwillige Mannschaft, in der eine gute Atmosphäre herrscht.

bundesliga.de: Können Sie das veranschaulichen?

Streich: Ist Ihnen aufgefallen, wie Nils Petersen reagiert hat, als Paderborn kurz vor Schluss das 1:4 geschossen hat? Er hat sich total geärgert, weil er unbedingt zu Null spielen wollte. Das hat mich sehr gefreut. Oder nehmen Sie die Besprechungen, die Videoanalysen, die sind bei uns ja schon aufwändig. Manche sind so neugierig, die springen da fast ins Video. Wichtig ist halt, dass das so bleibt...

bundesliga.de: Trotzdem: als Mannschaft, die so gut wie jeden Stammspieler verloren und nur einen Bruchteil der stattlichen Transfereinnahmen reinvestiert hat, schlägt sich der SC mehr als ordentlich..

Streich: Es geht darum, dass die Leute, die Fußball lieben, ins Stadion gehen und sagen: Da komme ich wieder, das macht Spaß, und da entwickelt sich etwas. Aber natürlich war im Sommer auch eine gewisse Unsicherheit: Zeigen die Neuen das, was wir in ihnen sehen? Lernt Spieler X weiter dazu, oder stagniert er? Glücklicherweise haben sich die meisten dieser Fragen positiv beantwortet.

bundesliga.de: Sprich: Der Mann, der sich selbst attestiert, dass er gerne motzt, ist eigentlich ganz zufrieden?

Streich: Absolut zufrieden! Ich bin mit den Jungs zufrieden, aber ich will keine Zufriedenheit aufkommen lassen...

Das Gespräch führte Christoph Ruf