Darmstadt - Nach dem 1:0-Erfolg über Eintracht Braunschweig am letzten Spieltag hat der SV Darmstadt 98 die magische 40-Punkte-Marke geknackt und den Klassenerhalt bereits am 23. Spieltag perfekt gemacht.

Mit nun 41 Punkten rangiert der seit 14 Spielen ungeschlagene Aufsteiger sensationell auf Platz 2. Doch das Wort "Aufstieg" ist bei den Lilien tabu, wie Darmstadts Keeper Christian Mathenia im Interview mit bundesliga.de verrät.

bundesliga.de: Christian Mathenia, nehmen Sie schon Glückwünsche zum Klassenerhalt an?

Christian Mathenia: Ja, sehr gerne. Wir können stolz sein auf die Punktezahl, die wir schon haben. Das ist der Ertrag von sehr harter Arbeit. Wir freuen uns alle in der Mannschaft, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon so viele Punkte haben.

"Die ganze Mannschaft ist der Shootingstar"

bundesliga.de: Wie gut fühlt sich das an, wenn man nach 23 Spieltagen sein Saisonziel bereits erreicht hat?

Mathenia: Das ist grandios und ein super Gefühl. Vor der Saison hätte niemand erwartet, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt so viele Punkte haben. Wenn wir das prognostiziert hätten, hätten die Leute gesagt: Was glaubt Ihr, wer Ihr seid?

bundesliga.de: Wie schwer ist Ihnen selbst die Umstellung vom Regionalliga-Torwart in Mainz zur 2. Bundesliga gefallen?

Mathenia: Es war schon nicht so einfach, derart schnell von der Regionalliga in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Für mich persönlich war das komplettes Neuland. Am Anfang muss man mit den Zuschauermassen klarkommen und mit dem medialen Druck. Aber nichtsdestotrotz ist mir die Anpassung nach den ersten zwei, drei Spielen gelungen. Ich habe mich daran gewöhnt.

bundesliga.de: Fühlen Sie sich als junger Keeper, der schon 13 Mal zu Null gespielt, hat ein bisschen als Shootingstar in der Mannschaft?

Mathenia: Nein, auf keinen Fall. Die ganze Mannschaft ist der Shootingstar. Auch die Jungs, die nicht so oft zum Zug kommen. Man sieht tagtäglich, welcher Charakter in der Mannschaft steckt. Sonst wäre diese Punktezahl auch nicht möglich.

"Ich habe zu Oliver Kahn aufgeschaut"

bundesliga.de: Sie haben Ihren Vertrag in Darmstadt verlängert. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?

Mathenia: Der Verein hat mir die Chance gegeben, meinen Traum als Fußballer zu leben. Dafür bin ich dem Club sehr dankbar. Ich möchte dem Verein etwas zurückgeben mit meinen Leistungen auf dem Platz. Ich fühle mich sehr wohl in Darmstadt.

bundesliga.de: Haben Sie ein Vorbild unter den Torhütern gehabt?

Mathenia: Früher war es für mich Oliver Kahn. Zu ihm habe ich aufgeschaut. Heutzutage muss man Manuel Neuer nennen, weil er das moderne Torwartspiel perfekt beherrscht. Er ist ein Vorbild für jeden Torhüter.

bundesliga.de: Sagt Ihnen der Name Andrea Petkovic etwas?

Mathenia: Das ist die Tennisspielerin, die aus Darmstadt kommt, Fan von uns ist und im letzten Jahr auch einige Spiele von uns gesehen hat. In diesem Jahr habe ich sie aber noch nicht gesehen. Es ist schön, wenn der Verein prominente Fans hat.

bundesliga.de: Jetzt haben die Lilien Ihr Saisonziel erreicht. Haben Sie sich neue Ziele in dieser Saison gesteckt?

Mathenia: Wir gucken einfach von Spiel zu Spiel und wollen weiter versuchen, die Gegner zu ärgern. Was dann am Ende dabei herausspringt, werden wir sehen.

"Wir können ruckzuck im Mittelfeld landen"

bundesliga.de: Ist das Wort "Aufstieg" tabu in Darmstadt?

Mathenia: Auf jeden Fall denken wir innerhalb der Mannschaft darüber nicht nach.

bundesliga.de: Warum nicht?

Mathenia: Weil wir immer noch in der 2. Bundesliga das kleine gallische Dorf sind. Der Klassenerhalt ist jetzt eingetütet. Aber wir wissen auch, dass es noch schlechtere Phasen geben kann. Die Tabelle ist so eng beieinander. Wir können auch ruckzuck wieder im Mittelfeld landen. Wir sind realistisch und gucken Woche für Woche nur auf uns. Damit sind wir gut gefahren. Es bringt jetzt nichts, sich längerfristige Ziele zu setzen.

bundesliga.de: Am Sonntag kommt es nun zum Derby beim FSV Frankfurt, das als beste Rückrundenmannschaft gegen Darmstadt, die drittbeste Mannschaft der Rückrunde spielt. Was für ein Spiel können wir erwarten?

Mathenia: Das wird ein schönes Spiel. Es werden viele Lilien-Fans mitfahren, die aus dem Spiel ein gefühltes Heimspiel für uns machen werden. Wir versuchen, wieder den nächsten Schritt zu machen, die nächsten Punkte mitzunehmen. Es wird ein schweres Spiel, weil der FSV auch sehr gut in die Rückrunde gestartet ist. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir die nächsten Punkte holen werden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski