Köln - Mit sechs Siegen in den letzten acht Spielen hat sich Eintracht Braunschweig wieder auf einen direkten Aufstiegsplatz hochgearbeitet. Nun empfangen die Niedersachsen am Montagabend den Verfolger 1. FC Union Berlin, der nur drei Punkte und drei Tore hinter der Eintracht rangiert. Vor dem Topspiel spricht Eintracht-Torhüter Jasmin Fejzic über den Hit, die Stärken der Löwen und seine persönliche Zukunft.

bundesliga.de: Jasmin Fejzic, die Eintracht hat in den letzten acht Punktspielen 19 Punkte geholt und steht auf Platz zwei der Tabelle der 2. Bundesliga. Woher nimmt die Mannschaft diese mentale Stärke kurz vor Saisonende?

Jasmin Fejzic: Uns zeichnet aus, dass wir ein Team sind. Bei uns stechen nicht die Einzelspieler heraus, sondern das ganze Team. Daraus ziehen wir unsere Energie. Wir holen Spieltag für Spieltag 100 Prozent aus uns heraus.

bundesliga.de: Die Mannschaft hat 31 Spiele dafür geschuftet, jetzt auf diesem Aufstiegsplatz zu stehen. Ist die Anspannung vor den letzten Spielen größer, oder gibt es keinen Unterschied zu den letzten Partien?

Fejzic: Wir bekommen natürlich auch mit, dass nur noch drei Spiele zu spielen sind. Wir stehen jetzt dort oben und wollen auch die letzten drei Partien gewinnen. Trotzdem schauen wir weiterhin immer nur von Spiel zu Spiel und konzentrieren uns nur auf die nächste Aufgabe. Die Tabellensituation kann sich wöchentlich ändern, weil es an der Spitze so eng zugeht.

bundesliga.de: In den letzten sechs Partien mussten Sie nur einmal hinter sich greifen, die Mannschaft hat auch "nur" fünf Tore erzielt. Kommt es im Endspurt vor allem auf eine stabile Defensive an?

Fejzic: Wir versuchen, jedes Spiel zu null zu spielen. Das ist gut für das Selbstvertrauen nicht nur der Abwehr, sondern auch für die gesamte Mannschaft wichtig. Momentan schießen wir zudem meistens ein Tor mehr als der Gegner. Und auch für einen 1:0-Sieg gibt es drei Punkte. Darauf kommt es an.

bundesliga.de: Knappe Ergebnisse sind in der 2. Bundesliga an der Tagesordnung. Das gilt auch für die Eintracht. In 31 Spielen der Löwen gab es nur sechs Spiele, in denen eine Mannschaft zwei oder mehr Tore Vorsprung hatte. Wie erklären Sie sich das?

Fejzic: Die Liga ist einfach so stark. Jeder kann gegen jeden gewinnen, auch der Letzte gegen den Ersten. Das zeichnet die 2. Bundesliga aus. Man darf keinen Gegner unterschätzen. Die Teams in der unteren Tabellenhälfte kämpfen genauso um jeden Zähler. Man hat auch gegen den Tabellenletzten die Punkte noch lange nicht sicher.

bundesliga.de: Muss die Eintracht ihre spielerischen Vorteile in die Waagschale werfen, oder zählt das kämpferische Element mehr?

Fejzic: Sowohl als auch. Es gab viele Spiele, in denen wir bis zum Schluss kämpfen mussten. Und wir haben auch oft in der letzten Minute noch unsere entscheidenden Tore gemacht.

bundesliga.de: Sie sind in dieser Saison Stammtorhüter der Eintracht. Erleben Sie gerade das schönste Jahr Ihrer Karriere?

Fejzic: Ja, die Saison ist das bisherige Highlight meiner Karriere. Ich habe schon einmal von 2007 bis 2009 in Braunschweig damals noch in der 3. Liga gespielt. Ich habe den Verein immer geschätzt. Als die erneute Anfrage kam, habe ich nicht lange überlegen müssen. Es ist etwas sehr Schönes, in so einem tollen Verein spielen zu dürfen. Dass ich dann in dieser Saison immer im Tor stehe und wir oben mit dabei sind, macht es umso schöner.

bundesliga.de: Was würde Ihnen der Aufstieg in die Bundesliga persönlich bedeuten?

Fejzic: Das wäre dann das nächste Highlight in meiner Karriere.

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bundesliga.de: Ihr Vertrag bei der Eintracht läuft zum Saisonende aus. Wie geht es danach weiter?

Fejzic: Damit beschäftige ich mich momentan nicht, weil diese drei Spiele so wichtig sind, dass mein Fokus nur auf sie gerichtet ist.

bundesliga.de: Am Montagabend kommt es gegen Union Berlin zum letzten Flutlichtspiel der Saison. Es kommt der Tabellen-Vierte Union Berlin zum Spitzenspiel. Wie groß ist die Herausforderung?

Fejzic: Union ist eine sehr große Herausforderung für uns. Die Berliner spielen auch eine starke Rückrunde und haben es allen Gegnern schwer gemacht. Und das werden sie auch gegen uns tun. Wir werden wieder 100 Prozent geben, bis zur letzten Sekunde Vollgas geben und hoffen, dass wir den Platz als Sieger verlassen.

bundesliga.de: Union hatte auswärts zuletzt einige Probleme, die Spiele bei Hannover 96 und beim VfB Stuttgart verloren und auch bei Fortuna Düsseldorf nicht gewonnen. Macht sie das besonders gefährlich?

Fejzic: Ich erwarte, dass die Berliner in Topform bei uns antreten. Wir gehen auf ihre beiden Niederlagen gar nicht ein. Insgesamt spielen sie eine sehr starke Rückrunde und haben eine gefährliche Offensive.

bundesliga.de: Zum Abschluss der Saison stehen dann die Partien bei Arminia Bielefeld und zuhause gegen den Karlsruher SC auf dem Programm. Das sind aktuell die beiden schwächsten Mannschaften.

Fejzic: Wir dürfen genau diesen Fehler nicht machen und diese Gegner unterschätzen. Wie gesagt, in der 2. Bundesliga kann jeder jeden schlagen. Wir dürfen nicht nach Bielefeld fahren und denken, dass wir die drei Punkte schon sicher haben. Bielefeld benötigt noch jeden Punkt und wird im Abstiegskampf alles geben. Und der KSC kann nach dem Abstieg befreit aufspielen. Solche Gegner sind sehr gefährlich. Wir werden uns sicher nicht zurücklehnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski