Köln - Am Sonntag wird sich Eintracht Braunschweig gegen den FSV Frankfurt wieder einmal aus der 2. Bundesliga verabschieden. Schluss nach zwei Jahren - wie schon im Jahr 2007. Wieder wird es Tränen im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße geben. Dennoch wird diesmal alles anders sein.

2007 stiegen die "Löwen" als Tabellenletzter sang und klanglos ab, während sie in diesem Jahr die 2. Bundesliga in die richtige Richtung verlassen. 2013/14 wird Eintracht Braunschweig zum ersten Mal seit der Saison 1984/85 wieder in der Bundesliga spielen.

Lieberknecht übernahm in höchster Not das Ruder



Als Torsten Lieberknecht im Mai 2008 Cheftrainer in Braunschweig wurde, war an diese Entwicklung nicht zu denken. Die Niedersachsen befanden sich kurz vor dem Sturz in die Viertklassigkeit. Unter dem neuen Trainer holte die Eintracht in den letzten drei Spielen sieben Punkte und schaffte als 10. der Regionalliga Nord doch noch die Qualifikation für die 3. Liga. Auch, weil Rot-Weiss Essen am letzten Spieltag gegen den bereits abgestiegenen VfB Lübeck mit 0:1 verlor und den Weg für die "Löwen" frei machte.

"Wir sind damals dem Tod von der Schippe gesprungen", erinnert sich Lieberknecht an seinen dramatischen Start in Braunschweig. Ohne ihn und den VfB Lübeck wäre der Aufstieg in diesem Jahr wohl nicht möglich gewesen. Es hat sich viel bewegt unter Torsten Lieberknecht. In den letzten beiden Spielzeiten kamen im Schnitt jeweils über 20.000 Fans zu den Heimspielen der Eintracht. Das letzte Heimspiel gegen Frankfurt ist schon lange ausverkauft. Die Anzahl der offiziellen Fanclubs ist in dieser Saison von 115 auf 175 gestiegen. Allein in den letzten vier Wochen wurden knapp 30 neue Clubs registriert. Und Braunschweigs Fanbeauftragten erreichen täglich weitere Anfragen.

Seit Wochen befindet sich eine ganze Region in permanenter Partylaune. Jahrzehntelang schwebte über jeder Braunschweiger Mannschaft der große Schatten des Meisterteams von 1967. Die Erwartungen im Umfeld waren hoch, die sportlichen Leistungen konnten dem nicht standhalten. 2013 könnte nun so etwas wie das neue 1967 werden und eine neue Ära in der Geschichte der 1895 gegründeten Eintracht einleiten.

Eintrag ins goldene Buch der Stadt



Die Aufstiegsfeier am kommenden Montag auf dem Braunschweiger Schlossplatz wird einer Meisterfeier in keiner Weise nachstehen. Ab 12 Uhr werden sich die Aufstiegshelden im Autokorso vom Stadion zum Schlossplatz von der ganzen Stadt feiern lassen. Anschließend werden sich Spieler und Verantwortliche im Blauen Saal des Residenzschlosses ins Goldene Buch der Stadt eintragen. "Damit danke ich Eintracht Braunschweig im Namen der ganzen Stadt für das große Geschenk, dass sie uns allen mit dem Aufstieg in die Bundesliga gemacht hat", lässt Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann keinen Zweifel an der Bedeutung des Aufstiegs.

Etwa 30.000 Eintracht-Fans werden die feierliche Zeremonie auf Leinwänden verfolgen, bevor die Mannschaft den Schlossbalkon betreten wird, um mit den Heerscharen von Anhängern zu feiern. Die Feier am Pfingstmontag soll der emotionale Höhepunkt einer außergewöhnlichen Saison werden und ein großer Schritt aus dem Schatten der Meistermannschaft von 1967.

Florian Reinecke