Bochum - Vier Niederlagen in Folge, seit fünf Spielen ohne Sieg - es hatte sich angedeutet, was am Dienstag passierte: Der VfL Bochum beurlaubte seinen Trainer Friedhelm Funkel. Schon am Donnerstagnachmittag wurde dessen Nachfolger präsentiert. Andreas Bergmann, früherer Coach von Hannover 96 und des FC St. Pauli soll den VfL aus dem Tabellenkeller wieder nach oben führen.

Nicht nur namentlich passt der neue Chefcoach gut in die frühere Bergbaustadt Bochum, auch für die vielen jungen Spieler im Bochumer Kader könnte Bergmann die richtige Lösung sein. Denn der von 1982 bis 1989 als Spieler in der Oberliga Nordrhein aktive Fußballleher machte sich in seiner Trainerkarriere vor allem als Übungsleiter von Juniorenmannschaften einen Namen.

Viel Erfahrung mit jungen Spielern

Von 2004 bis 2006 war der gebürtige Münsterländer zweieinhalb Jahre Cheftrainer der ersten Mannschaft des FC St. Pauli (damals in der Regionalliga Nord). Von Juli 2007 bis September 2011 war der Fußballlehrer Jugendkoordinator bei Hannover 96 und damit hauptverantwortlich für die U23 der Niedersachsen in der Regionalliga Nord.

Dieses Engagement wurde nur unterbrochen von einem halbjährigen Intermezzo als Cheftrainer der Sechsundneunziger, das jedoch überschattet war von den Nachwehen der Tragödie um Robert Enke und folglich nicht besonders glücklich endete. Dennoch hielt man in der niedersächsischen Landeshauptstadt große Stücke auf den 52-Jährigen. "Sein Einsatz für unsere Ausbildung im Nachwuchsleistungszentrum sowie zeitweise ja auch als Trainer unserer Profis war stets vorbildlich", lobt ihn 96-Manager Jörg Schmadtke zum Abschied.

Bergmann soll Perspektivlösung sein

Man suche keinen "Feuerwehrmann", sondern einen Trainer "der perspektivisch und vor allem mit jungen Leuten arbeiten kann", hatte Bochums Sportdirektor Jens Todt am Dienstag die Marschrichtung vorgegeben. Deswegen kam offenbar ein Peter Neuruer nicht in Frage, der zwar als ehemaliger VfL-Coach Verein und Umfeld gut kennt, aber nicht unbedingt als Perspektivlösung durchgegangen wäre.

Tatsächlich verfügt der Klub aus dem Ruhrgebiet über einen qualitativ nicht schlecht bestückten Kader. Die Mannschaft, die vergangene Saison erst in der Relegation gegen Borussia Mönchengladbach die Rückkehr ins Oberhaus knapp verpasst hatte, blieb im wesentlichen zusammen. Neu verpflichtet wurden hauptsächlich talentierte Nachwuchsspieler wie Daniel Ginczek, Christoph Kramer (beide 20) oder Takashi Inui (23).

Da könnte Andreas Bergmann, der 1997 bis 2001 auch beim Karlsruher SC als Jugendkoordinator wirkte, genau der richtige Mann sein. Zumal bereits länger in Bochum weilende Youngster wie Björn Kopplin (22), Mirkan Aydin (24) oder Matthias Ostrzolek (21) bislang noch nicht an die guten Leistungen der vergangenen Spielzeit anknüpfen konnten und zuletzt, wie auch die Routiniers im VfL-Kader, stark verunsichert wirkten.

Aufstiegskampf kein Thema mehr

Nach nur vier Punkten aus den ersten sieben Partien und Platz 17 ist für den vor der Saison selbsterklärten Aufstiegskandidaten VfL Bochum klar: "Mit den Aufstiegsplätzen brauchen wir uns im Moment nicht zu beschäftigen", wie Sportvorstand Todt am Dienstag erklärte. Erst einmal gilt es, dem Team neues Selbstvertrauen einzuimpfen und die Abstiegsränge zu verlassen.

Ein gutes Omen könnte dabei sein, dass der Ruhrklub am Sonntag den SC Paderborn empfängt. Als der VfL gegen die Ostwestfalen vergangene Saison sein Heimspiel mit 3:0 gewann, war das der Auftakt zu einer Siegesserie mit acht Dreiern in Folge. Fast fünf Monate blieb Bochum ungeschlagen. Nur zwei Tage hat Bergmann bis dahin Zeit, für ihn beginnt mit dem Training am Freitag die Rückkehr in den Profifußball. Als Co-Trainer wird Bergmann von Karsten Neitzel unterstützt. Beide haben beim VfL einen Vertrag bis 2013 unterschrieben.

Andre Anchuelo