München - Der Etat ist klein, die Mannschaft muss ohne große Namen auskommen - der FC Augsburg, 1907 gegründet, startet als Außenseiter in seine erste Saison in der Bundesliga.

Vom ersten Spieltag an werden die "Fuggerstädter" wohl um den Klassenerhalt kämpfen müssen, das bestreitet nicht einmal der Manager. "Der Abstiegskampf hat begonnen", verkündete Andreas Rettig - da stand er inmitten von jubelnden und feiernden Spielern, und es war erst seit ein paar Minuten klar, dass die Schwaben in der Tat zu den besten 18 Mannschaften in Deutschland gehören werden. Zumindest für ein Jahr.

Augsburger Frühstarter

Rettig, der Realist. Das Ziel des FCA sei es, stellte er später klar, zu "den besten 20 Mannschaften in Deutschland zu gehören". Dies würde bedeuten: immer oben drin, aber nicht immer oben dabei, dem Aufstieg könnte auch gleich der Abstieg folgen, und so weiter. Das fragwürdige Schicksal, womöglich in den kommenden Jahren eine Fahrstuhlmannschaft zu sein, schreckt die Augsburger nicht. Es ist ein Anfang. Und zumindest am Sonntag waren sie tatsächlich auch mal Erster: Als erster Bundesligist begann der FCA mit der Vorbereitung auf die Saison, um 10:30 Uhr, viereinhalb Stunden vor Bayer Leverkusen.

Doch der Auftakt begann mit einer Schweigeminute: Am Samstag war FCA-Legende Ulrich Biesinger im Alter von 77 Jahren gestorben. Im Anschluss richtete sich Präsident Walther Seinsch unter Sonderapplaus mit einigen Worten an die Zuschauer, ehe es dann auf dem Rasen zur Sache ging. Unter Standing-Ovations wurde die Mannschaft von zahlreichen Fans im Rosenaustadion empfangen. Auf dem Rasen ging es dann mit einem leichten Aufwärmprogramm in das Auftakttraining der ersten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte.

Marcel de Jong und Neuzugang Akaki Gogia fehlten beim Aufgalopp, beide haben noch Sonderurlaub und stoßen eine Woche später zum Team. De Jong war bis zuletzt noch mit der kanadischen Nationalmannschaft beim Gold-Cup aktiv, Neuzugang Gogia gewann am Sonntag (19. Juni) mit der A-Jugend des VfL Wolfsburg das Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 4:2. Dabei steuerte er einen Treffer zum Erfolg der "Wölfe" bei.

Routiniers und Youngster

Im Saisonverlauf will die Mannschaft des Niederländers Jos Luhukay, nach dem Aufstieg auf einer DVD mit dem Titel "Jos, we can!" verewigt, selbstverständlich für Furore sorgen - trotz der bescheidenen Mittel. Torjäger Michael Thurk und Torwart Simon Jentzsch sind die bekanntesten Gesichter im Kader. Während Lukas Sinkiewicz, Ibrahima Traore, Moritz Leitner und Sören Bertram den Verein verließen, wurden sechs neue Spieler verpflichtet. Der bekannteste Name darunter: Davids. Lorenzo Davids, ein Cousin des ehemaligen niederländischen Nationalspielers Edgar Davids, kommt vom NEC Nijmegen.

Davids geht es wie vielen Mitspielern. "Ich habe die Bundesliga mit den vollen Stadien und den begeisternden Fans bisher im Fernsehen verfolgt, jetzt habe ich die Möglichkeit, selbst dort zu spielen", sagt der Mittelfeldspieler. Auch die anderen Zugänge kennen die Bundesliga vor allem aus dem Fernsehen, denn sie kommen aus der 2. Bundesliga oder 3. Liga. Drittliga-Torschützenkönig Patrick Mayer (Heidenheim) verfügt ebenso wenig über Bundesliga-Erfahrung wie Dominic Peitz (Union Berlin) oder Nachwuchsspieler Akaki Gogia, der vom VfL Wolfsburg ausgeliehen wird.

Nichts zu verlieren

Lediglich Verteidiger Sebastian Langkamp und Sascha Mölders, der vom FSV Frankfurt kommt, schnupperten bereits Bundesliga-Luft. Zusammen kommen sie aber gerade mal auf 21 Einsätze. Simon Jentzsch, der Torhüter, ist mit 241 Partien in der Bundesliga der erfahrenste Spieler. Aber: Der FCA will ohnehin auf junge, hungrige Spieler setzen. Rettig spricht vom "Augsburger Weg" und nennt Mannschaften wie Hannover, Mainz und Freiburg als Vorbilder. In der vergangenen Saison überraschten diese Clubs mit vergleichsweise günstigen Kadern.

Und sollte der Erfolg ausbleiben, die Augsburger würden deshalb nicht verzweifeln. "Auch wenn wir im nächsten Jahr auf die Fresse bekommen sollten: Wir haben Geschichte geschrieben, das kann uns keiner mehr nehmen", erklärte Jentzsch nach dem Aufstieg.

In Augsburg, der Stadt berühmter Söhne wie Helmut Haller, Bernd Schuster oder Karlheinz Riedle, hat der erste Sprung ins "Oberhaus" ungeahnte Begeisterung ausgelöst. Tausende Menschen feierten die Mannschaft, die Zahl der Vereinsmitglieder verdoppelte sich in den Wochen nach dem Aufstieg. "Diese Entwicklung", sagte Rettig, "ist wirklich beeindruckend."


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