Der Betzenberg erlebt einen Rekordbesuch, tausende Aufstiegspartys sind organisiert, überall sind rot-weiße Fahnen an den Häusern zu sehen: Die ganze Pfalz fiebert dem Spiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Hansa Rostock am Freitag (alle Freitagspartien ab 17:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) entgegen.

In der ganzen Umgebung gibt es keine Zweifel, dass die "Roten Teufel" mit einem Sieg schon am drittletzten Spieltag die 2. Bundesliga endlich wieder verlassen und nach vier Jahren Abstinenz in die "Eliteklasse" zurückkehren werden.

Kurz bremst Euphorie

Nur der Trainer schlüpft in die Rolle der Stimmungsbremse. "Ich wundere mich, dass es schon überall darum geht, was nach dem Spiel ist", mahnte Marco Kurz: "Wir wollen eine hohe Konzentration über 90 Minuten hinbekommen. Da können zu viele andere Gedanken störend sein."

Die Worte des Trainers, der personell bis auf den langzeitverletzten Pierre de Wit aus dem Vollen schöpfen kann, verhallten allerdings weitgehend ungehört in den Weiten des Pfälzer Waldes. Zu groß ist die Euphorie in der gesamten Region, die sich auf ein kollektives Freudenfest vorbereitet. Dank der erhöhten Kapazität des Fritz-Walter-Stadions konnten sich 50.000 Fans Eintrittskarten sichern. Sie wollen Zeuge sein, wenn der viermalige deutsche Meister die Leidenszeit in der 2. Bundesliga beendet.

Kuntz hauchte Verein neues Leben ein

Vor zwei Jahren wäre die Zeit in der 2. Bundesliga auch schon fast zu Ende gegangen - allerdings auf eine andere Weise. Erst am letzten Spieltag konnte sich der FCK vor dem Abstieg retten. "Vor zwei Jahren standen wir kurz vor dem Abgrund. Jetzt kann der ganze Verein den Berg hochmarschieren", meinte Torwart Tobias Sippel, der seit seinem achten Lebensjahr in Lautern spielt. Kurz vor dem drohenden Absturz in die 3. Liga und dem möglichen finanziellen Kollaps hatte Stefan Kuntz das Ruder bei seiner alten Liebe übernommen. Innerhalb von zwei Jahren hat der Clubchef, der mit den Pfälzern 1990 Pokalsieger und 1991 Meister wurde, den mehrfach totgesagten Verein wiederbelebt.

Für den Gegner aus Rostock ist es bereits das 13. Gastspiel auf dem Betzenberg. Bisher reichte es jedoch nur ein Mal zu einem Auswärtssieg. Bei insgesamt neun Auftritten seit der Eingliederung in die Bundesliga blieben die Punkte komplett in der Pfalz. Auch das Hinspiel verlor Rostock 0:1. Die Hanseaten stehen derzeit auf dem 16. Rang und brauchen dringend Punkte, um nicht abzusteigen. Nicht mithelfen kann nach wie vor der Rot-gesperrte Mrtin Retov, gut sieht es hingegen für Stürmer Gardar Jóhannsson aus, der seine Oberschenkelprobleme überwunden hat.

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FC St. Pauli - TuS Koblenz

Der FC St. Pauli als Zweiter empfängt mit der TuS Koblenz ebenfalls ein Kellerkind. Nachdem der einst komfortable Vorsprung auf Augsburg verspielt wurde, geht am Millerntor die Angst vor einem "Endspiel" am 34. Spieltag gegen Paderborn um. Dieses will Trainer Holger Stanislawski aber auf jeden Fall verhindern. "Je früher wir unsere Hausaufgaben erledigen, desto besser für unser Nervenkostüm" weiß der 40-Jährige.

Die Koblenzer, die auf dem 17. Platz stehen, kämpfen hingegen um den Klassenerhalt. Drei Punkte fehlen ihnen zum Relegationsplatz, der laut Trainer Petrik Sander das erklärte Ziel ist. PErsonell sieht es für den Coach allerdings nicht gut aus. David Yelldell (Bänderriss im Sprunggelenk), Dominique Ndjeng (Oberschenkel), Daniel Gunkel (Gelb-Sperre), Christian Müller (Bänderriss im Sprunggelenk), Ervin Skela (Bauchmuskulatur), Njazi Kuqi (Oberschenkel) und Johannes Rahn (Knie) fallen verletzt aus.

Sander gibt die Hoffnung dennoch nicht auf: "St. Pauli hat im letzten Heimspiel gegen Augsburg eindrucksvoll bewiesen, wie stark die Mannschaft zuhause aufspielen kann. Der 3:0-Erfolg gegen den FC Augsburg war schon beeindruckend. Aber auch wir werden uns nicht verstecken", sagte er.

St. Pauli will vorlegen

"Noch sind in dieser Spielzeit neun Punkte zu vergeben und wir möchten noch so viele Punkte sammeln wie möglich. Es wird ein sehr interessantes Spiel am Freitagabend - aus zwei verschiedenen Ausgangsituationen. Dass man auch als Team aus dem Tabellenkeller in St. Pauli punkten kann, hat vor einigen Wochen der FSV Frankfurt bewiesen", so der Trainer weiter.

Holger Stanislawski, den derzeit keine größeren pesonelle Probleme plagen, schickt derweil Grüße nach Augsburg: "Ich kann verstehen, dass sich die Augsburger jetzt wieder Hoffnungen machen. Aber ganz nah dran ist eben noch nicht Platz 2", so der Trainer des FC St. Pauli. "Wir wollen und werden gegen Koblenz vorlegen. Damit der 2. Platz für Augsburg nicht mehr als ganz nah bleibt."

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Karlsruher SC - Rot Weiss Ahlen

Auch wenn der Abstieg für Ahlen bereits feststeht, will sich das Team mit Anstand aus der 2. Bundesliga verabschieden: Es dem Gegner besonders leicht machen und sich abschießen lassen, dass kommt für Trainer Christian Hock ohnehin nicht in Frage. "Wir fahren nach Karlsruhe, um dort noch Punkte mitzunehmen und aus keinem anderen Grund", zeigt sich der Coach gewillt, die Niederlagenserie von sechs Spielen zu beenden.

"Wir wollen uns in Karlsruhe wie eine Mannschaft präsentieren, die die ausstehenden Spiele befreit aufspielen kann." Die Personaldecke ist jedoch sehr dünn: Nur 17 Spieler reisten mit in den Süden. Tim Gorschlüter fehlt mit einer Gelb-Sperre. Neben den Langzeitverletzten Momar N`Diaye und Thomas Bröker wird auch Julian Jenner weiterhin ausfallen. Beim Abschlusstraining gesellten sich schließlich noch Luka Tankulic (Rückenbeschwerden) und Dusko Stajic (Knieprobleme) hinzu. Darlington Omodiagbe meldete sich krank.

Somit stehen nur noch Cihan Özkara und Bahattin Köse als Stürmer zur Verfügung. Immerhin reiste Junior Ollé Ollé kurzfristig noch mit der Mannschaft mit. Keine guten Aussichten für die ohnehin schon verzwickte Aufgabe beim KSC.

Optimusmus beim KSC

Karlsruhe steht derzeit auf dem 14. Rang, der Vorsprung auf einen Relegationsplatz beträgt derzeit sieben Punkte. Bei einem Sieg gegen die bereits als Absteiger feststehende Mannschaft aus Ahlen ist der Klassenerhalt gesichert. Und davon gehen im Wildpark inzwischen alle aus. Der Optimismus beruht auch darauf, dass sich das KSC-Lazarett lichtet.

Am Freitag kehrt Godfried Aduobe nach muskulären Problemen wohl wieder in den Kader zurück. Auch Serhat Akin, der Anfang der Woche geheiratet hat, könnte auf der Bank Platz nehmen und dann hätte Trainer Markus Schupp zumindest eine Alternative im Offensivbereich. Im Hinspiel siegte Karlsruhe übrigens 3:1.

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