Dem TSV 1860 München ist mit dem 2:0 Auftakterfolg gegen TuS Koblenz am 1. Spieltag ein optimaler Start in die neue Saison gelungen. Was 1860-Trainer Ewald Lienen besonders freuen dürfte: Beide von ihm aufgebotenen Stürmer trafen prompt das Tor.

Neuzugang Kenny Cooper versenkte den Ball in der 17. Minute mit einem wuchtigen Kopfball in den Maschen und Benjamin Lauth besorgte in der 61. Minute das beruhigende zweite Tor. Der Sieg hievte die Münchner auf den wenig aussagekräftigen 4. Tabellenplatz.

"Benny Bomber" und "Super Cooper"

Für Coach Lienen kein Grund für Euphorie. "Wir verlieren nach einem gewonnenen Spiel nicht den Blick für die Realität", sagte der 55-Jährige. Und auch mit der Offensivleistung seines Teams war er nicht gänzlich zufrieden. "Tausendprozentige Chancen, die wir vergeben haben", bemängelte Lienen. Es liegt an ihm, die aufkommende Euphorie um sein Team und speziell um sein Sturmduo zu bremsen. Denn die kommt in München erfahrungsgemäß rasch auf.

Die Münchner "Abendzeitung" schwärmte von der "Benny-Cooper-Show", die "Bild" schrieb von "Benny Bomber" und "Super Cooper" und die Tageszeitung "tz" sah gar ein Sturmduo, das "auf dem besten Weg ist, zum blauen Traumpaar zu werden".

Mit Lauth ist noch einer des letzten "blauen Traumpaars" übrig, das dieses Prädikat verdient hätte. Markus Schroth und er brachten es in der Saison 2002/03 auf gemeinsam 27 Bundesligatore. Schroth hat seine Karriere wegen eines Knorpelschadens im Knie inzwischen beendet.

Parallelen zu ihm sind bei Cooper durchaus erkennbar. Der US-Import ist mit 1, 92 Meter und über 90 Kilo ein ähnlich robuster Stoßstürmer, wie Schroth (1,93 Meter) einer war.

Auf dem Trainingsplatz mit Rooney und Ronaldo

Gegen Koblenz deutete der 24-Jährige bei schnellen Vorstößen zudem immer wieder seine technischen Fähigkeiten an. "Er hat es ordentlich gemacht", sagte sein Coach anschließend. Zwar fand er die Torschüsse Coopers "noch suboptimal", doch zu einem kleinen Lob ließ er sich dann doch hinreißen. Sein Neuzugang sei keiner, "der von anderen abhängig ist. Er ist einer, der immer den Ball fordert".

Gelernt hat Cooper das Fußballspielen unter anderem bei Manchester United. 2003 wechselte er vom Dallas Solar Soccer Club in die Nachwuchsabteilung des englischen Spitzenclubs. Mit Größen wie Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney stand er auf dem Trainingsplatz. Durchsetzen konnte er sich allerdings nicht.

Zunächst wurde er nach Portugal zu Académica de Coimbra und anschließend zum englischen Drittligisten Oldham Athletic ausgeliehen. 2006 kehrte Cooper in die Staaten zurück. Beim FC Dallas überzeugte er mit 40 Toren in 90 Spielen der Major League Soccer. 1860 ist nun sein nächster Versuch, in Europa Fuß zu fassen.

Zumindest der Einstand ist ihm eindrucksvoll gelungen. Das Publikum verabschiedete ihn bei seiner Auswechslung in der 72. Minute mit Sprechchören. "Was für eine Atmosphäre", schwärmte er anschließend, "was für fantastische Mitspieler."

Benny über Kenny: "Das war alles beeindruckend"

Seinen Angriffspartner Lauth bedachte er mit einem Sonderlob. "Er ist ein fantastischer Spieler, sehr schnell, mit vielen Qualitäten."

Eine davon ist Lauths Führungsqualität. Vor der Saison ernannte Lienen den Angreifer zum Spielführer. "Benny ist prädestiniert, eine Mannschaft zu führen", sagte der Coach über den Mann der bei seinen Stationen in Hamburg, Stuttgart und Hannover nie ganz den Durchbruch schaffte.

Lauth ist seit seiner Rückkehr nach München gereift und seine Treffsicherheit hat er auch wiedergefunden. 15 Tore erzielte er im vergangenen Jahr.

Das Lob an Cooper gab Lauth in einem Duktus zurück, der sich für einen Führungsspieler gehört: "Nicht nur wegen dem Tor, auch wie er gearbeitet hat", sagte der 28-Jährige, "das war alles beeindruckend."

Andreas Messmer