Braunschweig- Die Fans von Eintracht Braunschweig schienen den Heimweg antreten zu müssen wie Kinder, denen an Weihnachten der größte Wunsch nicht erfüllt wurde. In der 92. Spielminute aber ließ sie Benjamin Kessel mit seinem Tor zum 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf unter lautem Jubel das ersehnte Geschenk doch noch auspacken.


Frage:Herr Kessel, vor einigen Wochen haben Sie mit dem Treffer zum 2:2 gegen die SpVgg Greuther Fürth schon einmal in der Nachspielzeit ein wichtiges Tor erzielt. Gegen Düsseldorf brachte es nun gar den Sieg. Wie gefällt Ihnen die Schlagzeile "Kessel bringt Kessel zum Kochen"?

Benjamin Kessel (schmunzelt): Klingt ganz gut. Ja, die Nachspielzeit scheint mir zu liegen. Aber dieser Sieg sollte jetzt nicht auf mich reduziert werden. Wir haben als Team überragend gearbeitet.

Frage: Demnach war der Erfolg gegen Düsseldorf verdient?

Kessel: Auf jeden Fall. Wir waren über 90 Minuten die aktivere Mannschaft und haben auch attraktiver gespielt.

"Wir waren mit dem 1:1 nicht zufrieden"

Frage: Vor der Pause sah es mitunter aber auch recht zäh aus...

Kessel: Die Fortuna kann gefährlich kontern. Also mussten wir unsere Angriffe immer sehr stark absichern.

Frage: Am Ende tauchten Sie dann allerdings als Abwehrspieler im Strafraum auf...


Kessel:
Wir wollten uns mit dem 1:1 nicht zufrieden geben. Ja, und dann kam der Ball irgendwie zu mir. Aber ganz ehrlich: Ich wollte ihn wo ganz anders hinschießen, habe ihn jedoch nicht richtig getroffen.

Frage:Ein Fehlschuss ins Glück. Sekunden später kam der Abpfiff und dann ging es zum Jubeln auf den Zaun...

Kessel:
Das war schon ein tolles Gefühl, dort mit den Fans zu feiern. Wir waren zwar schon öfter auf dem Zaun, aber als Initiator habe ich da noch nicht gestanden. Ein toller Abschluss eines schönen Tages. Aber vor allem ein Dank an unsere treuen Anhänger. Sie haben trotz des Bundesliga-Abstiegs und des durchwachsenen Saisonstarts immer hinter uns gestanden. Jetzt konnten wir ihnen etwas zurückgeben.

"Gas geben und schauen, was dabei herauskommt"

Frage: Sie sprachen den Saisonbeginn an. Da waren sie zunächst kein Stammspieler. Ist dieses Siegtor gegen Düsseldorf eine Art Genugtuung?

Kessel: Nein, überhaupt nicht. Der Trainer hatte sich so entschieden und Vegar Hedenstad, der nun auf links einen super Job macht, dies mit guten Leistungen ja auch bestätigt. Doch in den fünf Jahren, die ich hier bin, hat sich meine harte Arbeit immer ausgezahlt. Dass ich als Verteidiger nach jetzt 13 Spielen allerdings schon vier Treffer und eine Torvorlage auf dem Konto habe, ist echt unglaublich.

Frage: Am Freitag geht es zum Jahresabschluss auswärts gegen den 1. FC Heidenheim. Mit einem weiteren Erfolg könnte die Eintracht den Sieg gegen die Fortuna veredeln...

Kessel: Ja, aber das wird nicht einfach. Heidenheim ist ein ganz schwer zu spielender Aufsteiger. Wir versuchen den Schwung aus dem Düsseldorf-Spiel mitzunehmen und möchten erneut das bestmögliche Ergebnis erzielen. Danach dürfen wir dann in den verdienten Urlaub gehen.

Frage: Nach dem noch 15 Spiele bis zur sofortigen Rückkehr in die Bundesliga bleiben?

Kessel: Gemach, gemach. Am Anfang hieß es noch, wir hätten Anpassungsschwierigkeiten an die zweite Liga. Unser Ziel ist es, ein gute Rolle zu spielen, doch im Verein ist keiner so vermessen, den Aufstieg zum Muss zu erklären. Wir geben einfach Gas und schauen, was dabei herauskommt.

Aufgezeichnet von Thomas Schulz