Köln - In der 2. Bundesliga tobt der Aufstiegskampf. bundesliga.de checkt, wie die Situation der beteiligten Teams aussieht, was passieren muss, damit es mit dem Aufstieg klappt und wo die größten Gefahren lauern.

Übersicht: Alle Kandidaten im Aufstiegscheck

In dieser Woche richtet sich der Fokus auf die Überraschungsmannschaft des SV Darmstadt 98. Der Aufsteiger spielt bislang eine herausragende Saison und ist auf dem besten Weg, den direkten Durchmarsch in die Bundesliga zu realisieren. Gelingt das, dann wäre es - gelinde gesagt - eine Sensation. Die Chancen stehen jedenfalls alles andere als schlecht.

Die Situation:

Es läuft einfach rund! Seit 14 Spielen ist Darmstadt ungeschlagen - das ist die längste aktuell laufende Serie aller Teams im deutschen Profifußball (Ergebnisse)! Überhaupt gab es für den Aufsteiger nur zwei Niederlagen in dieser Saison (gegen Düsseldorf, in Braunschweig). Die 40-Punkte-Marke haben die Lilien unlängst geknackt, der Klassenerhalt ist also gesichert und neue Ziele können ins Auge gefasst werden. Fakt ist: Darmstadt ist DAS Sensationsteam der Saison, es wäre einer der überraschensten Aufstiege der Zweitliga-Historie.

Ganz entscheidend für den sportlichen Erfolg ist Trainer Dirk Schuster, der überragende Arbeit leistet. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass die Darmstädter gerade erst einen unglaublichen Aufstieg hinter sich haben: Als letztes Team sicherten sich die Darmstädter das Zweitliga-Ticket, in einer dramatischen Relegation gegen Bielefeld. Ein Jahr zuvor war Darmstadt sportlich aus der 3. Liga abgestiegen und blieb nur dank Offenbachs Lizenzentzug drin.

Insgesamt zeigt sich beim SV Darmstadt 98, was mit einer intakten und eingespielten Mannschaft und einer Portion Aufstiegseuphorie möglich ist. Abgesehen von Stammkeeper Zimmermann (nach Heidenheim) haben die Lilien im letzten Sommer keinen Leistungsträger verloren.

Das macht Hoffnung:

Prunkstück des Teams ist ganz ohne Frage die Defensive. Die nur 16 Gegentore sind Ligabestwert, Darmstadt hat auch am häufigsten zu null gespielt, überragende 13 Mal in 23 Partien.

Hinten sind die Darmstädter extrem schwer zu bespielen: Sie haben nur 13 Großchancen zugelassen - ligaweit die wenigsten. Nur 16 Gegentore nach 23 Spieltagen sind der historisch beste Wert eines Aufsteigers in der 2. Bundesliga!

© imago

Romain Bregerie und Kapitän Aytac Sulu räumen in der Innenverteidigung resolut ab. Ebenfalls enorm wichtig für die Defensive Stabilität ist der emsige Mittelfeldrenner Jerome Gondorf. Die Verteidiger sind übrigens nicht nur hinten bärenstark, sondern haben auch schon acht Tore erzielt, nicht von ungefähr schießt Darmstadt die gefährlichsten Eckbälle der Liga (sechs Tore nach Ecken).

Dass Darmstadt 98 trotz allen Understatements die Chance nach oben sieht, zeigen übrigens die Wintertransfers. Mit Heimkehrer Yannick Stark und Jan Rosenthal hat man zwei richtig gute Leute geholt.

Hier lauern Gefahren:

Es ist momentan schon ein wenig (An-)Dichtkunst notwendig, um Schwächen beim SV Darmstadt 98 zu benennen. Fakt ist, dass 28 erzielte Tore eine verhältnismäßig durchschnittliche Bilanz sind, die bislang nicht ins Gewicht fällt, weil die Defensive hält. Sollte es in den hektischen Wochen des Endspurts jedoch mehr Gegentore geben, müssen auch die Angreifer treffsicherer werden.

Unter Strich kämpft Darmstadt momentan damit, dass Torjäger Dominik Stroh-Engel seit zehn Spielen nicht mehr getroffen hat und Tobias Kempe, die zweitbeste Offensivkraft der Lilien, verletzt fehlt. Ob dies weiterhin so gut kompensiert werden kann, ist eine spannende Frage.

Aussichten und Aufstiegschancen:

Die Chancen auf den Durchmarsch sind wahrlich glänzend: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 landete der Tabellenzweite nach 23 Spieltagen zwölf Mal auch am Saisonende mindestens auf Platz zwei und stieg auf (zur Tabelle). Vier Mal rutschte eine Mannschaft noch auf Platz drei am Saisonende ab, was derzeit zur Relegation berechtigt. Nur drei Mal fiel ein Team noch komplett aus den Aufstiegsrängen.

Taktisch ist die Mannschaft von Dirk Schuster dazu in der Lage, auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Die Grundformation wechselt abhängig von der Sturmbesetzung zwischen einem 4-4-2, 4-2-3-1 und 4-4-1-1, je nachdem ob es neben oder knapp hinter Stroh-Engel eine zweite Spitze gibt.

Mit Abwehrchef und Kapitän Aytac Sulu, den zentralen Mittelfeldspielern Behrens und Gondorf und Stürmer Stroh-Engel hat Schuster eine erfahrene Achse, die bereits in der letzten Saison das Gerüst der Mannschaft gebildet hat - und die weiß, wie man einen Aufstieg feiert!

Stefan Schinken und Tobias Anding

Aufstiegscheck: Schuster und das richtige Gespür

Aufstiegscheck: Darmstadt im Steckbrief