München - Der FC Augsburg hat beim 2:0-Sieg im Derby bei 1860 München erneut seine Aufstiegsambitionen untermauert: Das Team von Trainer Jos Luhukay liegt nur einen Platz hinter Tabellenführer Hertha BSC. Ein Garant für den dauerhaften Erfolg der Fuggerstädter ist Torwart Simon Jentzsch, der die bayerischen Schwaben beim Stande von 0:0 mit einer großartigen Parade rettete und so den Weg zum Derbysieg ebnete, denn kaum eine Minute später ging Augsburg durch Michael Thurk in Führung.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Keeper über das Derby, das nächste FCA-Heimspiel gegen Aue und den Traum, noch mal Bundesliga zu spielen.

bundesliga.de: Herr Jentzsch, wie haben sie den Derbysieg bei 1860 erlebt?

Simon Jentzsch: Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht, haben ordentlich gespielt. Drei oder vier Situationen müssen wir allerdings anders klären. Besonders am Anfang, aber auch in den letzten zehn Minuten. Wir haben da Sechzig ein bisschen eingeladen. Wenn Benny Lauth das 1:2 macht, wird es zum Schluss noch mal eng.

bundesliga.de: Obwohl sie zum dem Zeitpunkt schon wie der sichere Sieger wirkten...

Jentzsch: So kann ein solches Spiel eben auch mal kippen. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen zu pessimistisch, aber es ist wichtig, so was im Hinterkopf zu behalten.

bundesliga.de: Bis 2003 waren sie drei Jahre sie bei 1860. Inwiefern war das für Sie ein spezielles Spiel?

Jentzsch: Die Jahre bei Sechzig waren eine ganz andere Zeit. Sie haben mittlerweile ein anderes Stadion, und außer Benny Lauth und Daniel Bierofka habe ich mit niemandem mehr zusammen gespielt. Es hat sich viel geändert hier.

bundesliga.de: Vor dem 1:0 gab es die eine wichtige Szene, als sie Stefan Aigners Großchance entschärfen. Dann geht es ganz schnell auf die andere Seite, und Michael Thurk macht das Tor. Wie war die Situation aus Ihrer Sicht?

Jentzsch: Wir haben in der Szene Glück, dass der Ball genau vor Uwe Möhrle springt, ich kann ihn dann leider nicht anders halten. Es war toll, dass daraus das 1:0 resultiert ist und wir sind total happy, dass es so gekommen ist. Danach war es einfacher. Sechzig musste sich viel mehr bewegen.

bundesliga.de: In den letzten Spielen haben sich die Verantwortlichen beim FCA auch häufiger über die extrem defensive Spielweise der Gegner beklagt. Dass 1860 von Anfang an mitgespielt hat und Ihnen dann sogar noch das frühe 1:0 gelungen ist - wie sehr hat Ihnen das in die Karten gespielt?

Jentzsch: Zuhause kann man nicht passiv spielen. Wenn die Mannschaften aber nach Augsburg kommen, stellen sie sich hinten rein, das muss uns bewusst sein. Deswegen brauchen wir, wenn es zuhause nicht so läuft, auch nicht nach Ausreden zu suchen, sondern müssen einfach versuchen, Tore zu schießen. Das ist uns in Augsburg in den letzten beiden Spielen nicht gelungen. Jetzt hoffen wir, dass es in den nächsten beiden Heimspielen wieder anders ist.

bundesliga.de: Nun kommt Aue nach Augsburg. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Jentzsch: Aue wird ähnlich wie Duisburg oder Bochum mit zehn Mann hinten drin stehen, um auf unsere Fehler zu warten. Wir müssen dann einfach versuchen, mehr zu investieren, um die Entscheidung zu erzwingen.

bundesliga.de: Nur acht Gegentore haben sie in den letzten 16 Spielen kassiert. Macht Sie so eine Statistik stolz?

Jentzsch: Nein, davon kann ich mir nichts kaufen. Fußball ist ein Mannschaftssport.

bundesliga.de: Sie sind aber doch ein wichtiger Teil der Defensive.

Jentzsch: Ja, aber wenn schon die Stürmer sehr gut nach hinten arbeiten, ist das auch schon wichtig. Da fängt es an. Das war eine gute Leistung von uns allen, da kann man keinen hervorheben. Letzte Saison war das noch anders. Da gab es viel mehr hundertprozentige Chancen für die Gegner. Wir haben uns immer weiter stabilisiert. Das ist wichtig, um erfolgreich zu sein.

bundesliga.de: Sie sind jetzt 34. Reizt sie die Bundesliga noch mal sehr, gerade jetzt, wo sie in greifbarer Nähe liegt?

Jentzsch: Das ist immer noch ein Traum. Ob es dann wirklich klappt, wird man sehen. Wir wollen alles daran setzen, das zu schaffen - am liebsten direkt, sofort, ohne die Relegation.

bundesliga.de: Warum steigt der FCA auf?

Jentzsch: Ich bin jetzt kein Prophet, da halte ich mich zurück. Wenn wir die nächsten elf Spiele gewinnen, haben wir eine Chance... (lacht)

Das Gespräch führte Christoph Gschoßmann