München - Die 13. Minute in der Partie 1860 München gegen Fortuna Düsseldorf. Es gibt Freistoß für die Gastgeber, knapp 25 Meter vor dem Tor, halbrechte Position. Der Freistoßschütze der "Löwen" legt sich den Ball zurecht. Er schaut kurz und zirkelt ihn mit viel Schnitt maßgenau in den Sechzehner, auf jene für den Torwart unangenehme Stelle zwischen dem Tor und den heranstürmenden Spielern. Düsseldorfs Keeper Michael Melka kommt heraus, ist aber machtlos. 1860-Verteidiger Kai Bülow muss nur noch hochsteigen und den Ball in eine Ecke verlängern - 1:0.

Der Mann, der beim TSV die Verantwortung für diesen erfolgreichen Freistoß übernommen hatte, ist niemand anderes als der 18-jährige Kevin Volland. Nicht nur in der 2. Bundesliga kennt man mittlerweile die Qualitäten des U-19-Nationalspielers, der in 17 Spielen für deutsche Jugendnationalteams ganze elf Tore erzielte. Mittlerweile ist er Leistungsträger, Torschütze, Vorlagengeber, kurzum aus der "Löwen"-Mannschaft kaum mehr wegzudenken - und außerdem zukünftiger Bundesligaspieler.

Sportlerfamilie Volland

Dabei war nicht immer klar, dass der Allgäuer Fußballprofi wird. Sein Vater Andreas war Eishockey-Nationalspieler und gab dieses Talent auch an Kevin weiter, der sich eine Zeit lang beim EV Füssen versuchte, sich schließlich aber doch für den Profifußball entschied. Über die TSG Thannhausen, den FC Memmingen und den FC Thalhofen landete der Offensivspieler schließlich in Jugendabteilung des TSV.

Vollands Weg bei 1860 ging dann steil nach oben. Für die zweite Mannschaft war er nur fünf Mal im Einsatz, "übersprang" diesen Zwischenschritt quasi und wurde von Trainer Reiner Maurer stattdessen sofort in den Profikader berufen. Ganz nebenbei erzielte er in diesen fünf Spielen auch vier Treffer. Erst in den letzten Wochen jedoch rückte er endgültig ins Zentrum des medialen Interesses.

Am 19. Spieltag gab er in Osnabrück nach neun Kurzeinsätzen sein Startelfdebüt in der 2. Bundesliga und krönte diesen Auftritt mit seinem ersten Zweitligator, das zugleich der goldene Treffer beim 1:0-Auswärtssieg war. In der gleichen Woche wurde auch sein Wechsel zum Bundesligisten 1899 Hoffenheim bekannt. Gehemmt habe ihn dies nicht, ganz im Gegenteil. "Es hat mir mehr Selbstvertrauen gegeben, als dass es mich irgendwie belastet hat. Es ist doch ein gutes Zeichen, wenn sich ein Bundesligist für einen interessiert", meinte der 1,79 Meter große Stürmer.

"Der muss rein, ganz klar"

Dass beim Youngster allerdings noch nicht alles nach Wunsch verläuft, ist verständlich. So war eine andere Szene vielleicht der Knackpunkt in der Partie gegen Düsseldorf, in der Volland endgültig zum Helden avancieren hätte können: Nach einem Konter über Benny Lauth kommt Volland frei zum Schuss, verpasst aber das sichere 2:0. "Der muss rein, ganz klar", gibt der Angreifer selbstkritisch zu: "Ich sehe den Torwart, wie er noch reinrutscht und will ihn platziert ins untere Eck schieben." Der Ball geht ans Außennetz - das Spiel endet 1:1 und 1860 tritt sportlich weiter auf der Stelle.

Was natürlich mit ein Grund ist, warum Volland den Weg zu 1899 wählt: Bei 1860 fehlt die Perspektive und auch sein Trainer weiß, dass Volland ganz klar die Fähigkeiten hat, in der Bundesliga zu spielen. "Bei Kevin sieht man jeden Tag im Training sein Potenzial. Er hört gut zu und setzt die Dinge sehr, sehr gut um", lobt Maurer.

Wenn er auf die Tabelle schaut, weiß Volland, dass sein Traum, Bundesliga zu spielen, mit dem TSV in näherer Zukunft ohnehin kaum zu realisieren gewesen wäre. "Wir versuchen trotzdem, in jedem Spiel Vollgas zu geben und sehen dann am Ende, was rauskommt", gibt sich der Linksfuß kämpferisch. Dennoch war es sein ausdrücklicher Wunsch, bis Sommer 2012 noch die Fußballschuhe für die "Löwen" zu schnüren. Auch 1899-Sportdirektor Ernst Tanner weiß: "In der 2. Bundesliga kann er sich vorerst optimal weiterentwickeln"

Holt 1899 Volland schon im Winter?

Vollands Weg scheint vorgezeichnet - die "Löwen"-Talente von gestern haben sich in der Bundesliga etabliert. Marcel Schäfer ist Wolfsburgs neuer Kapitän, Timo Gebhart entscheidet mit seiner Nervenstärke wichtige Spiele für den VfB Stuttgart. Lars Bender ist bei Leverkusen ein ernsthafter Konkurrent von Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack, sein Bruder Sven (Borussia Dortmund) und Christian Träsch (ebenfalls VfB Stuttgart) stehen im aktuellen Kader der Nationalelf.

Kein Wunder also, dass sich Tanner mit seinem Verein die Option gesichert hat, den gebürtigen Marktoberdorfer schon im nächsten Winter nach Sinsheim zu holen. Geht Vollands Entwicklung weiterhin so rasant vonstatten, ist nicht auszuschließen, dass der Stürmer wieder einen Zwischenschritt überspringt und schon früher Bundesligaluft schnuppert als geplant.

Christoph Gschoßmann