Bielefeld - Grenzenloser Jubel in Ostwestfalen. Arminia Bielefeld hat nach zwei Jahren Drittklassigkeit die Rückkehr in die 2. Bundesliga geschafft. Durch den 1:0-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten VfL Osnabrück machte das Team von Trainer Stefan Krämer am vorletzten Spieltag den Aufstieg perfekt.

Beim Schlusspfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark nach exakt 93 Minuten brachen auf der Bielefelder "Alm" alle Dämme. Die Fans stürmten den Rasen und feierten ihre Helden, die über 90 Minuten mit viel Kampf und Leidenschaft den Traum einer ganzen Region wahr gemacht hatten.
Binnen weniger Minuten wurde das gesamte Spielfeld von tausenden Anhängern in eine schwarz-weiß-blaue Partyzone verwandelt. Fans uns Spieler lagen sich freudetrunken in den Armen.

"Dieser geile Verein hat es verdient"



Trainer Krämer, der mit der Mannschaft vergangene Saison noch gegen den Abstieg kämpfte, konnte sein Glück kaum fassen. "Es ist unfassbar, was hier passiert ist. Dieser geile Verein und diese Fans haben es einfach verdient", sprudelte es nach einem ersten Bad in der Menge aus dem 46-Jährigen heraus.

Vorausgegangen war eine kampfbetonte Partie, in der Bielefelds Sebastian Hille in der 57. Minute per Kopf für das goldene Tor gesorgt hatte. "Was hier gerade passiert, davon träumt man immer als Fußballer. Wir können so stolz auf uns sein. Als ich hierhin gekommen bin, waren wir Tabellenletzter und jetzt sind wir aufgestiegen. Das ist einfach Wahnsinn!", sagte der Siegtorschütze, bevor er von den Fans in die Höhe gehoben wurde.

Krämer, der sich auf dem Spielfeld bereitwillig diverse Bierduschen verpassen ließ, hatte die Arminia nach dem 10. Spieltag der Saison 2011/12 in der Abstiegszone von Markus von Ahlen übernommen und fortan zu einer verschworenen Truppe geformt. "Wir haben vielleicht spielerisch nicht die beste Mannschaft, aber wir sind ein tolles Team. Das passt gut nach Bielefeld. Die Jungs sind durch die schlechte Phase in der vergangenen Saison enger zusammengerückt. Sie haben einfach Bock gemeinsam etwas zu erreichen. Ich bin extrem glücklich und das größte Lob gilt den Jungs".

"Das ist die Krönung"



Marcel Appiah, der als einer von zwei Spielern neben Torwart Patrick Platins bereits beim Abstieg aus der 2. Liga 2011 unter Ewald Lienen dabei war, gab das Lob sogleich zurück. "Was der Trainer hier geleistet hat, ist super! Wir sind abgestiegen und hatten eine schwere Hinrunde in der 3. Liga. Dann haben wir zueinander gefunden und es ging bergauf. Das ist heute die Krönung. Wir mussten heute nur zupacken und das haben wir gemacht. Es ist Freude pur."

Auch Platins, dem von den begeisterten Fans fast das Trikot vom Leib gerissen wurde, konnte sein Glück kaum fassen. "Ich begreife das wohl erst später. Geiler geht s nicht. Vor so einer Kulisse aufzusteigen ist der Wahnsinn."

"Ohne euch hätten wir das nie geschafft", bedankte sich Krämer per Mikro bei den über 20.000 Fans, bevor er in den Katakomben zur Pressekonferenz verschwand. Diese fand jedoch ein jähes Ende nachdem einige Spieler der Arminia den Raum stürmten und ihrem Erfolgscoach auf dem Podium eine heftige Bierdusche verpassten. Dass Osnabrück-Coach Claus-Dieter Wollitz zuvor seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatte, ging in den "Nie mehr 3. Liga"-Gesängen der glücklichen Bielefelder förmlich unter.

Arminia-Tattoo für Krämer



In Ostwestfalen beginnen nun die konkreten Planungen für die 2. Liga. Trainer Kramer steht zwischendurch noch ein Termin beim Tätowierer bevor. "Wenn wir aufsteigen, lasse ich mir ein Arminia-Tattoo stechen", hatte er vor eineinhalb Jahren gesagt. Die Wette gilt, nur eine geeignete Körperstelle müsse noch bestimmt werden.

"Manchmal habe ich gedacht, hättest du doch etwas Vernünftiges gelernt. Aber es war eine sehr schöne Zeit und jetzt geht es erst los", blickte Krämer nach dem Aufstiegs-Coup schmunzelnd auf die spannenden letzten Monate zurück.

Nun wird in Bielefeld sicher noch ein paar Tage ausgiebig gefeiert und gesungen. Denn jeder soll es wissen: "Arminia ist wieder da. Die ganze Alm singt trallala".

Aus Bielefeld berichtet Markus Hoffmann