Düsseldorf - Nach 13 Jahren hieß es für Andreas "Lumpi" Lambertz Abschied nehmen. Der langjährige Kapitän von Fortuna Düsseldorf bestritt am Wochenende sein letztes Spiel für den Verein, dessen Gesicht und Aushängeschild er in den letzten Jahren immer war. Die 2:3-Niederlage gegen den FSV Frankfurt und auch die insgesamt enttäusche Saison der Fortuna spielten erst einmal keine Rolle mehr. Die Fans feierten ihren Liebling auch noch fast eine Stunde nach dem Abpfiff.

Als er endlich die Huldigungen der Anhänger, seine eigene Abschiedsrede und den Interviewmarathon im Fernsehen hinter sich gebracht hatte, hatte sich Andreas Lambertz schon wieder weitgehend gefangen und seinen Humor und seine Schlagfertigkeit wiedergefunden. Ob er denn bei all diesen vielen Geschenken jetzt erst an sein Haus anbauen müsse, wurde er gefragt. "Erst einmal werde ich umziehen und vorher bestimmt nicht nochmal anbauen", scherzte "Lumpi".

13 Jahre für Fortuna

Seine aktive Fußballerkarriere ist schließlich noch nicht zu Ende. In den kommenden beiden Jahren schnürt der 30-Jährige für Dynamo Dresden die Schuhe in der 3. Liga. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Vorher musste Andreas Lambertz seinen letzten Arbeitstag bei der Fortuna verarbeiten. 85 Minuten rackerte er unermüdlich auf dem Feld, dann kam das Signal zur Auswechslung.

"Ab der 60. Minute habe ich immer nur auf die Uhr geguckt und wie lange ich noch habe", meinte Lambertz. "Als der Schiri mir dann in der 85. Minute sagte, dass es jetzt so weit ist, war es vorbei. Es ging nichts mehr. Da waren die Augen klitschnass. Der Moment, als ich ausgewechselt wurde, war der Schlimmste. Alle Jungs kamen zu mir, ich bin an der Bank vorbei, das war das Emotionalste. Danach hatte ich mein Pulver verschossen, mich aber auch wieder schnell gefangen."

13 Jahre hatte Andreas Lambertz die Fortuna geprägt und bei dem ständigen Auf und Ab des Vereins gleich einige Rekorde aufgestellt. Der geborene Dormagener ist der einzige Profi Deutschlands, der mit dem gleichen Verein von der 4. Liga bis in die Bundesliga aktiv war und dabei in jeder Spielklasse mindestens ein Tor erzielte. Seinen einzigen Bundesliga-Treffer schoss er dabei vor zwei Jahren standesgemäß gegen keinen Geringeren als Manuel Neuer, bei einer unglücklichen 2:3-Niederlage der Fortuna in München.

Großes Abschiedsspiel in Flingern

In dieser Saison hatte Lambertz einen schweren Stand, er kam nur noch auf 14 Einsätze und wurde als Kapitän abgesetzt. Das spielte aber in der Stunde des Abschieds keine Rolle mehr. Mitspieler und selbst der Gegner aus Frankfurt zollten dem nur 1,72 Meter großen Dauerkämpfer ihren Respekt, auch der Frankfurter Coach Thomas Oral gratulierte nach der Partie in den Katakomben persönlich. "Es war richtig schön, ich bin mehr als zufrieden. Es war sogar noch besser, als ich mir das vorgestellt habe", war Lambertz gerührt.

Von den Zuschauern hatte er sich mit einer spontanen Rede verabschiedet und Mannschaft und Fans zum Zusammenhalt aufgefordert, "nachdem es zuletzt doch gebröckelt hat", so die Fortuna-Ikone. Die Botschaft kam an. Die Kollegen und die sportliche Leitung gaben sich selbstkritisch und gelobten nach Platz 18 in der Rückrundentabelle Besserung.

Außerdem gab Fortuna bekannt, dass die Nummer 17, die "Lumpi" stets getragen hatte, künftig nicht mehr vergeben werde. Im Herbst wird es ferner ein großes "Jens-und-Lumpi-Abschiedsspiel" in Flingern geben, bei dem neben Lambertz auch dessen langjähriger Teamkollege Jens Langeneke, der seine Karriere beendet hat, noch einmal gebührend gefeiert werden soll. Die Fortuna-Fans freuen sich schon auf das Wiedersehen.

Aus Düsseldorf berichtet Tobias Gonscherowski