Im vergangenen Winter begann das Unternehmen "Sommermärchen" für den FC Ingolstadt. Da nämlich kam Thorsten Fink als neuer Cheftrainer zum damaligen Regionalligisten. Mit seiner mitreißenden Art und offensiven Spielweise führte er den FCI in die 2. Bundesliga.

Und auch dort hat Ingolstadt mittlerweile Fuß gefasst. Nach vier Punkten aus den vergangenen beiden Spielen gibt sich Fink im Interview mit bundesliga.de vor dem Heimspiel gegen Aufstiegskandidat Hansa Rostock zuversichtlich. Außerdem spricht der Trainer über die Klasse seines Kaders und die Leistungsträger im Team.

bundesliga.de: Herr Fink, zuletzt gab es vier Punkte aus zwei Spielen. Ist der FC Ingolstadt in der 2. Bundesliga angekommen?

Thorsten Fink: Es sieht auf jeden Fall gut aus. Wir haben auswärts gepunktet und deswegen bin ich sehr zuversichtlich. Wir haben zu Hause das Spiel gewonnen. Ich denke schon, dass die Mannschaft in der 2. Bundesliga angekommen ist. Wir sind aktuell auf dem 10. Tabellenplatz, ein Tabellenplatz, der für uns zufrieden stellend ist, aber die Saison hat ja erst angefangen.

bundesliga.de: Was haben Sie nach den drei Niederlagen zwischendurch geändert und wie ist Ihre Mannschaft mit diesen Rückschlägen umgegangen?

Fink: Wir haben nichts großartig geändert. Wir haben unser System weiter gespielt, haben über Fehler gesprochen und haben die Mannschaft aufgebaut. Eigentlich war mir klar, dass die Mannschaft irgendwann auf die Erfolgsspur geraten muss, da sie einfach die Qualität hat und sich diese Qualität einfach nach der Zeit durchsetzt. Und so war es ja jetzt auch. Natürlich werden wir auch mal Spiele verlieren mit unserem offensiven System, aber ich bin von meiner Mannschaft überzeugt.

bundesliga.de: Ingolstadt ist ein neues Gesicht auf der Profifußball-Landkarte Deutschlands. Was hat sich seit Ihrer Ankunft vor rund neun Monaten im Verein und im Umfeld getan?

Fink: Viel hat sich getan, eigentlich hat sich alles verändert. Wir sind jetzt in der 2. Bundesliga, vorher waren wir in der Regionalliga. Wir sind jetzt eine Profimannschaft und haben professionelle Bedingungen hier. Sicherlich bei einigen Sachen rund ums Stadion, wie zum Beispiel Kabinen, müssen wir noch improvisieren, aber in zwei Jahren ist der neue Audi Sportpark fertig und dann werden wir noch bessere Bedingungen haben.

bundesliga.de: Andreas Neuendorf, einer der erfahrenen Spieler im Kader, wird am Saisonende seine Karriere beenden. Hat er das Zeug dazu, in Ihre Fußstapfen zu treten und auch einmal als Trainer eines Clubs an der Seitenlinie zu stehen?

Fink: Das kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall hat er sicherlich lange in der Bundesliga und 2. Bundesliga gespielt und genug Erfahrung gesammelt. Zecke sieht oft Spiele richtig und kann ganz gut analysieren. Die Voraussetzungen hat er schon, nur muss er natürlich als Trainer auch Vorbild sein und an einer professionellen Lebenseinstellung arbeiten.

bundesliga.de: Ersin Demir hat einen tollen Start in die Saison erwischt und bereits fünf Mal getroffen. Noch nie hat er in seiner Laufbahn mehr Treffer in einer Saison in der 2. Bundesliga erzielt. Was zeichnet ihn aus?

Fink: Als erstes hat er die Chance, noch mehr Tore zu schießen als fünf! Ersin ist ein absoluter Straftraumspieler und ist da, wo es brennt. Wenn der Torwart den Ball fallen lässt, ist er sofort da. Außerdem hat er einen guten Schuss und ist charakterlich total gefestigt, das zeichnet ihn aus.

bundesliga.de: Auch Neuzugang Vratislav Lokvenc zählt mit drei Vorlagen zu den Leistungsträgern im Kader. Ist er aufgrund seiner Erfahrung der Leitwolf im Team und wie wichtig ist er für das Spiel des FCI?

Fink: Natürlich ist er hier einer unserer Leitwölfe, allein durch seine Erfahrung. Wenn es schwierig wird, ist er eben auch einer, der da ist und nicht den Schwanz einzieht. Er hilft der Mannschaft sicherlich weiter und hat schon einige Tore vorbereitet. Für uns ist er defensiv wie offensiv sehr wichtig. Er wird auch seine Tore erzielen, da bin ich mir sicher. Gerade im Zusammenspiel mit Ersin Demir passt die Kombination einfach gut.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag empfängt Ingolstadt Hansa Rostock. Die Hansa-Kogge scheint langsam auf Touren zu kommen. Wie wird der FCI auftreten müssen, um gegen den Aufstiegsaspiranten bestehen zu können?

Fink: Wir müssen in der Defensive immer gut stehen, auch wenn wir ein Heimspiel haben. Defensiv ist für uns das Wichtigste, weil wir keine Konterchancen zulassen dürfen. Rostock wird sich sicherlich nicht nur hinten reinstellen, dass heißt, es bieten sich für uns auch Räume, die wir nutzen können. Ich bin froh, dass mit Rostock eine Mannschaft nach Ingolstadt kommt, die gut Fußball spielt und die auch Fußball spielen will. Gegen solche Gegner haben wir uns immer leichter getan.

bundesliga.de: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Ingolstadt auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielen wird?

Fink: Ganz einfach: Die Qualität des Kaders und des Trainerteams.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz