Als sich Rene Rydlewicz vor einigen Tagen auf die Suche nach einem Nachfolger für den glücklosen Dieter Eilts machte, folgte der neue Manager von Hansa Rostock nach eigener Aussage einem klaren Anforderungsprofil: "Unser Trainer muss kompetent sein, erfahren und die "Kogge" im Herzen tragen."

Die Wahl fiel am Ende auf einen alten Bekannten, um nicht zu sagen ein "Urgestein": Andreas Zachhuber. Seit 1975 durchlief der gebürtige Mecklenburger und gelernte Linksaußen bei den Hanseaten nicht nur sämtliche Mannschaften als Spieler, sondern verdiente sich dort später auch als Fußballlehrer seine Meriten - und zwar auf allen Ebenen.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere kehrte der Absolvent der in Leipzig ansässigen "Deutschen Hochschule für Körperkultur" (DHfK) 1991/92 zunächst als Jugendtrainer zu Hansa zurück. 1993/94 wagte der frühere DDR-Junioren-Nationalspieler dann den nächsten Schritt und übernahm beim Verband von Mecklenburg-Vorpommern den Posten des Landes-Nachwuchscoaches.

Pagelsdorf als Lehrmeister

Trotzdem riss der Kontakt zur "Kogge" niemals ab. Schon 1994 ließ sich Zachhuber von Frank Pagelsdorf ein weiteres Mal an Bord holen. Drei Jahre stand der Ex-Profi dem Niedersachsen als Assistent zur Seite, und scheint sich in dieser Zeit so einiges abgeschaut zu haben. Angefangen von der akribischen Arbeitsweise und klaren Analyse, über den - nach außen hin - stoischen Habitus bis hin zu einer gewissen Einsilbigkeit gegenüber Vertretern von Funk und Fernsehen.

Während Pagelsdorf die Rostocker Kommandobrücke bereits 1997 in Richtung Hamburger SV verließ, blieb seine "rechte Hand" an der Ostseeküste. "Ich bin mit Leib und Seele Hanseat", schloss der heimatverbundene Co-Trainer seinerzeit einen Wechsel an die Elbe aus. Und wurde für seine Treue belohnt: Als Ewald Lienen keine zwei Jahre später als Hansa-Coach seinen Hut nehmen musste, schenkte der Verein Zachhuber das Vertrauen und beförderte ihn zum Chef.

Mit "Klinsi" auf der Schulbank

Das war vor ziemlich genau zehn Jahren, im März 1999. Die Ausgangslage schien ähnlich aussichtslos wie in diesen Tagen: Rostock steckte bis zum Hals im Abstiegskampf der Bundesliga. "Damals hatten wir sogar nur 17 Punkte und haben es am Ende noch geschafft", erinnert sich der 46-Jährige an seine erste Herkulesaufgabe. Die Mission glückte, aus elf Partien holte man 21 Zähler und blieb drin.

Im Jahr darauf führte Zachhuber die Hanseaten erneut zum Klassenerhalt, auch wenn die Fans wieder bis zum 34. Spieltag zittern mussten. Im Sommer 2000 erwarb der studierte Sportlehrer, der in der Bundesliga bis dahin nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des DFB arbeiten durfte, in einem Sonderlehrgang - unter anderem mit dem heutigen Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Bayern Münchens Coach Jürgen Klinsmann - endlich den Trainerschein.

Ein Schritt zurück, zwei voran

Die Weichen für eine glänzende Zukunft schienen gestellt. Im Herbst dieses Jahres sollte ihn das Glück jedoch vorübergehend im Stich lassen, denn eine Niederlagenserie beendete sein erstes Engagement als Verantwortlicher bei den Profis. Zu seinen letzten Amtshandlungen gehörte übrigens die Verpflichtung eines gewissen Rene Rydlewicz von Arminia Bielefeld.

Trotz des sportlichen Scheiterns steckte Zachhuber nicht auf, trat ohne Murren ins zweite Glied zurück und betreute fortan sowohl die A-Jugend als auch die Amateure "seines" Clubs. Dem Ruf als hervorragender Fachmann und Stratege konnte dieser Schritt kaum schaden: So nahm der Mann, der für den FC Hansa insgesamt 67 Mal in der DDR-Oberliga (sechs Tore) aufgelaufen war, nach einem kurzen Intermezzo beim damaligen Verbandsligisten Greifswalder SV im Dezember 2005 ein Angebot aus der Bundesliga an.

Beim MSV Duisburg fungierte der Ex-Profi als Assistent seines ehemaligen "Klassenkameraden" aus dem Trainerlehrgang, Jürgen Kohler. Der Klassenerhalt wurde jedoch verpasst, der Weltmeister von 1990 musste gehen und so fand das Kapitel an der Wedau ein frühes Ende. Zachhuber blieb sich trotzdem treu, brach seine Zelte in Meiderich ab und kehrte nach Hause zurück. Dort gelang ihm 2006/07 mit dem Greifswalder SV der Aufstieg in die Oberliga, ehe der Durchmarsch in die Regionalliga in der Saison darauf erst in der Relegation ein jähes Ende fand.

"88 Tage Vollgas geben!"

Auch wenn der 46-Jährige nun einige Jahre von der großen Bundesliga-Bühne verschwunden war, scheint ihm weder das Selbstbewusstsein noch der Blick für die entscheidenden Elemente des Fußballspiels abhanden gekommen zu sein. In den ausstehenden elf Partien können seine Rostocker immerhin noch 33 Punkte holen. "Das heißt, wir müssen jetzt 88 Tage Vollgas geben! Und Ende Mai wird dann abgerechnet", gab sich der Heimkehrer bei seiner Präsentation optimistisch.

"Es gibt keinen Grund rumzuheulen. Die Mannschaft hat in den letzten Spielen unter Beweis gestellt, dass sie intakt ist. Oft hat sie sich nur durch individuelle Fehler in der Schlussphase selbst um den verdienten Lohn gebracht. Wenn man regelmäßig drei Gegentore kassiert, kann man im Abstiegskampf nicht bestehen. Wir müssen dazu kommen, dass hinten wieder die Null steht", weiß der erfahrene Trainer, wo es den Hebel anzusetzen gilt.

Davon, dass sich hinter Zachhubers ruhigem Auftreten durchaus eine Autorität verbirgt, und Hansas Hoffnungsträger über das nötige Durchsetzungsvermögen für den Abstiegskampf verfügt, konnten sich die Spieler des derzeitigen Tabellen-17. bereits mit eigenen Augen überzeugen.

Zachhuber greift durch

Zum einen macht der neue Übungsleiter bei der Zusammenstellung der Mannschaft keine Kompromisse: Schon am ersten Trainingstag unter seiner Regie flogen mit Assani Lukimya-Mulongoti und Benjamin Lense zwei Akteure aus dem Kader. Dafür beorderte der frühere Jugendcoach den erst 19-jährigen Stefan Gusche zu den Profis und begnadigte den von seinem Vorgänger suspendierten Dexter Langen.

Zum anderen zieht Zachhuber die Zügel merklich an: Bis zu seinem Debüt gegen den FC Ingolstadt am kommenden Sonntag erhalten die Kicker keinen einzigen freien Tag mehr, stattdessen stehen teilweise gleich zwei Einheiten pro Tag auf dem Programm - von strammen Läufen über Aufbau- und Passspiel auf engstem Raum bis hin zu Standardsituationen. Bis zum Saisonende wird hier nichts mehr dem Zufall überlassen.

Zwei Mal rettete Zachhuber die Rostocker auf den letzten Metern. Das macht Mut. "Wir haben es 1999 und 2000 geschafft", schöpft der 46-Jährige seine Kraft aus der Vergangenheit. Und blickt sogleich wieder nach vorne: "Wir werden es wieder schaffen. Aller guten Dinge sind drei!"

Stefan Missy