Köln - Am Samstag treffen in Freiburg die beiden am besten gestarteten Teams der 2. Bundesliga aufeinander, wenn der Sport-Club den VfL Bochum empfängt. Vor dem Topspiel spricht Freiburgs Keeper Alexander Schwolow im Interview mit bundesliga.de über den Saisonstart, seine Zeit in Bielefeld und die Perspektiven der Breisgauer.

bundesliga.de: Alexander Schwolow, sind Sie selbst ein bisschen überrascht, wie gut dem SC Freiburg der Saisonstart gelungen ist?

Alexander Schwolow: Nein, ich bin nicht überrascht. Nach den Testspielen hätten wir zwar nicht unbedingt gedacht, dass wir mit zwei Siegen starten. Aber wir wussten schon vorher, dass wir eine gute Mannschaft haben. Sicherlich hatten wir in den ersten Spielen auch etwas Glück, es war auch noch nicht alles perfekt. Aber wir sind jetzt guter Dinge, haben Selbstbewusstsein getankt und wollen so weitermachen.

bundesliga.de: Sie waren ein Jahr an Arminia Bielefeld ausgeliehen und sind jetzt wieder zurück beim Sport-Club. Wie haben Sie die Stimmung beim ersten Training erlebt? Steckte da der unnötige Abstieg noch in den Köpfen oder herrschte schon eine "Jetzt-erst-recht-Stimmung" vor?

Schwolow: Es war wie bei jedem anderen Saisonauftakt auch, allerdings war noch nicht ganz klar, wer tatsächlich bleiben wird oder noch geht. Aber das ist auch normal. Durch die vielen neuen Spieler herrschte eine positive Stimmung, eine Aufbruchstimmung. Wir hatten von Beginn an unseren Spaß.

bundesliga.de: Für Sie lief es direkt sehr positiv, Sie konnten sich im Torwartduell gegen Patrick Klandt durchsetzen und als Nummer 1 in die Saison gehen. Wie lehrreich war das Jahr in Bielefeld für Sie in diesem Duell?

Schwolow: Das Jahr war sehr lehrreich. Ich habe viele Spiele in der 3. Liga und im DFB-Pokal machen können. Ich konnte mich dabei auch an die große Bühne gegen starke Gegner aus der Bundesliga gewöhnen. Für einen jungen Torwart ist es das Wichtigste, Spielpraxis zu bekommen, sich zu finden und Erfahrungen zu sammeln.

"Wir können ein gutes Kombinationsspiel aufziehen"

bundesliga.de: Was zeichnet die Mannschaft des Sport-Clubs aus?

Schwolow: Wir haben es in den ersten Spielen taktisch gut gemacht. Wir hatten gute Abläufe innerhalb der Mannschaft, haben aber bei Standards nicht so gut ausgesehen. Unsere Stärke ist, dass wir als Team gut funktionieren, wenn wir alles abrufen. Wenn wir richtig in die Zweikämpfe gehen, taktisch gut stehen, die Abstände und der Rhythmus stimmen, dann können wir ein gutes Kombinationsspiel aufziehen. Vorne haben wir zudem Spieler, die auch ins Eins-gegen-Eins gehen können.

bundesliga.de: Was hat Ihnen Trainer Christian Streich mit auf den Weg für die neue Saison gegeben?

Schwolow: Er hat meine Saison in Bielefeld verfolgt und sich sehr über meine Entwicklung gefreut. Ich soll genau so weitermachen, das Selbstvertrauen des Aufstiegs und aus dem DFB-Pokal mitnehmen und meine Stärken einbringen.

bundesliga.de: Was trauen Sie Ihrem Ex-Verein Arminia Bielefeld zu?

Schwolow: Bis jetzt stand die Arminia defensiv sehr gut. Das habe ich aber auch nicht anders erwartet. Ich bin davon überzeugt, dass sie den Klassenerhalt packen.

"Die jungen Spieler schauen zu Nils Petersen auf"

bundesliga.de: Profitiert die Mannschaft des SC Freiburg davon, dass sich das Medieninteresse derzeit auf Nils Petersen konzentriert, der einen Lauf hat? Was für ein Typ ist er?

Schwolow: Nils ist unheimlich wichtig für die Mannschaft, menschlich wie auf dem Platz. Die jungen Spieler schauen zu ihm auf. Und vor allem die Stürmer können viel von ihm lernen.

bundesliga.de: Jetzt kommt es zum Spitzenspiel gegen den VfL Bochum. Zwei Mannschaften treffen aufeinander, die alle drei Pflichtspiele gewinnen konnten. Was für ein Spiel können wir erwarten?

Schwolow: Der Begriff "Spitzenspiel" kommt vielleicht nach zwei Spieltagen noch ein bisschen früh. Bochum hat es bis jetzt richtig gut gemacht, sie spielen ähnlich wie wir, versuchen, früh draufzugehen. Sie sind ballsicher und kombinationsstark. Wir müsen auf jeden Fall eine gute Leistung bringen, um in dem Spiel bestehen zu können.

bundesliga.de: Der Auftakt des SC Freiburg ist gelungen. Wo führt der weitere Weg noch hin?

Schwolow: Wir schauen wie immer von Spiel zu Spiel, wollen auch das nächste gewinnen und dann in einen Lauf kommen. Ich habe es letztes Jahr in Bielefeld erlebt, als wir sieben oder acht Spiele in Folge gewonnen haben. Dann ist viel möglich. Aber es bringt nichts, so ein paar Monate vorauszublicken. Wir konzentrieren uns auf den Moment.

bundesliga.de: Wer sind für Sie die Aufstiegsfavoriten in der 2. Bundesliga?

Schwolow: Das ist schwierig zu sagen. RB Leipzig wird immer genannt. Aber in der 2. Bundesliga genauso wie in der 3. Liga spielen sieben, acht Mannschaften oben mit. Das wechselt ständig.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski