Bochum - In den Tagen nach dem verpassten Bundesligaaufstieg ist es eine seltsame Mischung aus Trauer und Aufbruchstimmung, die beim VfL Bochum vorherrscht. In die Enttäuschung mischt sich auch eine große Portion Optimismus für die neue Saison.

Auch die Bochumer Spieler wie Andreas Luthe lassen die Köpfe nicht hängen. Im Interview spricht der VfL-Keeper über Stolz und Leidenschaft, den kleinen, aber entscheidenden Unterschied zu Mönchengladbach und eine hunderprozentige Überzeugung.

Frage: Andreas Luthe, der VfL Bochum hat den Aufstieg knapp verpasst, aber Gladbach einmal mehr Paroli geboten vor einer fantastischen Kulisse. War es insofern trotzdem ein bemerkenswerter Abend?

Andreas Luthe: Nicht nur der Abend war bemerkenswert. Man muss sehen, was wir für eine Saison gespielt haben. Wir haben 65 Punkte gesammelt, davon allein in der Rückrunde 37 Zähler - das ist absolut erstligareif. Wir haben mit Leidenschaft dagegen gehalten, alles gegeben und zwei gute Partien gegen Gladbach gezeigt.

Frage: Bochum ist wie geplant früh in Führung gegangen, hat es dann aber versäumt, das zweite Tor zu erzwingen.

Luthe: Wir wollten natürlich auf das zweite Tor spielen, aber Gladbach hat dann besser verteidigt und es uns deutlich schwerer gemacht als vor unserem Führungstreffer. Gladbach hat sich in den letzten Wochen enorm stabilisiert, was die Defensivarbeit angeht. Der Gegner hat in den letzten Wochen sehr konstant gespielt. Und dann entscheidet mit Marco Reus ein deutscher Nationalspieler die Relegation mit seinem Tor zum 1:1. Das ist eben der gewisse Unterschied, der zwischen den beiden Mannschaften da ist. Deswegen hat es am Ende leider nicht gereicht.

Frage: Im Rückblick ist es nun umso ärgerlicher, dass der VfL nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses den 2. Platz und damit den direkten Aufstieg verpasst hatte. Waren dafür die vielen Verletzungen in der Saison ausschlaggebend?

Luthe: Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Man hat immer von der gesamten Saison noch Szenen im Kopf, die uns den einen nötigen Punkt zum direkten Aufstieg hätten bringen können, der uns am Ende doch gefehlt hat. Es war schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt klar, dass Augsburg allein durch sein gutes Torverhältnis quasi einen Zähler mehr haben würde. Das war uns also klar. Dass wir Rückschläge erlebt haben in Form von schweren Verletzungen, davon kann sich keine Mannschaft freisprechen. Wir haben trotzdem eine sehr gute Saison gespielt und das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Frage: Sie wirken trotz des verpassten Aufstieges nicht unzufrieden. Überwiegt der Stolz die Enttäuschung?

Luthe: Ich bin schon sehr enttäuscht, aber ich sehe auch immer das große Ganze und den Blick in die Zukunft. Und der fällt absolut positiv aus. Die starke Rückrunde wird uns auch Mut für die neue Saison geben. Und der Verein hat sich nach dem Abstieg im letzten Jahr noch einmal extrem gewandelt. Daran haben wir alle mitgearbeitet. Und deswegen bin ich überhaupt nicht bange, was die Zukunft angeht.

Frage: Probleme wie in der instabilen Hinrunde im Vorjahr befürchten Sie nicht noch einmal?

Luthe: Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen! Ich bin sehr frohen Mutes, was die nächste Spielzeit angeht. Alle jungen Spieler, die teilweise ihre erste richtige Saison gespielt haben - und zu denen zähle ich mich auch - machen solche Spiele und solche Erfahrungen nur stärker. Deswegen bin ich zu einhundert Prozent überzeugt, dass wir es im nächsten Jahr schaffen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte

Hier geht's zur großen Relegationsseite!