Zusammenfassung

  • Kiel zieht gegen Wolfsburg in der Bundesliga-Relegation den Kürzeren.

  • Das Team aus der 2. Bundesliga schlägt sich gegen den Bundesliga-Club wacker.

  • Markus Anfang: "Ein Riesenkompliment an die Mannschaft."

Kiel - Am Ende hat es dann doch nicht gereicht für Holstein Kiel: Die Störche verpassten im Rückspiel der Bundesliga-Relegation - ihrer letzten Partie unter Markus Anfang - beim 0:1 zu Hause gegen Wolfsburg den Bundesliga-Aufstieg. Trotzdem feierten die Fans anschließend ihre Mannschaft und ihren scheidenden Trainer - für eine beeindruckende Saison.

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Kurz nach dem Abpfiff im ausverkauften Holstein-Stadion konnte Anfang nicht mehr an sich halten: Ihm kullerten Tränen über die Wangen, als die Anhänger ihn mit Sprechchören bejubelten. Kiel verlor soeben die Bundesliga-Relegation gegen Wolfsburg, doch gewann in Fußball-Deutschland einige Fans. Anfang hatte daran einen großen Anteil. Der 43-Jährige verlässt den Verein, den er aus der 3. Liga fast in die Bundesliga geführt hätte, in Richtung Rheinland und übernimmt zur neuen Saison den Bundesliga-Absteiger Köln.

"Das sympathische Kiel aus dem Norden"

Marvin Ducksch und die Störche unterliegen William und den Wölfen © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Boris Streubel / Getty Images

"Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, für das, was sie über das ganze Jahr gespielt hat. Was die Jungs immer wieder abgerufen haben, war keine Selbstverständlichkeit", sagte Anfang wieder etwas gefasster auf der Pressekonferenz. "Wir sind das sympathische Kiel aus dem Norden, das guten Fußball gespielt hat und darauf bin ich persönlich stolz." Der Club machte sich in der Tat einige neue Freunde - durch den offensiven Fußball, den er in der 2. Bundesliga und phasenweise auch den beiden Relegationsspielen gezeigt hatte. Im Unterhaus hatte Holstein 71 Tore erzielt, gegen den VfL deuteten die Norddeutschen ebenfalls an, dass sie in der Offensive Bundesliga-Potenzial haben.

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Dominick Drexler musste verletzt leider passen. Ein schwerer Schlag: Der offensive Mittelfeldakteur markierte in dieser Spielzeit zwölf Treffer und elf Vorlagen. Im Hinspiel bereitete er den Ausgleich durch Kingsley Schindler mustergültig vor. Drexler verfolgte das Duell von der Pressetribüne und war nach dem Abpfiff untröstlich: "Ich bin total enttäuscht und werde ziemlich lange brauchen, das Geschehene zu verarbeiten."

Seydels Hacke hätte die Wende bringen können

Aaron Seydel verpasst das Ausgleichstor © gettyimages / Selim Sudheimer / Bongarts

Auch Kapitän Rafael Czichos war zunächst niedergeschlagen: "Ich bin gerade sehr enttäuscht. Vielleicht sieht das in ein paar Tagen anders aus, wenn wir realisieren, dass wir in dieser Saison Einzigartiges erreicht haben. Es wird allerdings schwer, so etwas nochmal zu schaffen.“ Die Störche begannen am Montagabend vor toller Kulisse bei sommerlichen Temperaturen mutig. Doch bis auf einen Schuss von Aaron Seydel, der rechts am Tor vorbei strich, musste Wölfe-Schlussmann Koen Casteels kaum eingreifen.

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Kurz nach Wiederbeginn hatte wieder Seydel die beste Kieler Chance: Nach einem Querpass von Patrick Herrmann scheiterte der Stürmer per Hacke an Casteels. "Wenn Aaron Seydel nach der Halbzeit das 1:0 macht - als Casteels richtig gut hält – dann hätte das Spiel nochmal richtig dramatisch werden können", erklärte Coach Anfang.

"Ganz Deutschland weiß, was wir für eine geile Truppe haben"

Kiel spielt sich in die Herzen von Fußball-Deutschland © gettyimages / Alex Grimm / Bongarts

Nach dem Kopfballtor von Robin Knoche in der 75. Minute platzte aber der Traum vom Durchmarsch und perfekten Anfang-Abschied. "Die Mannschaft und der ganze Verein haben ein Jahr lang wirklich Sensationelles geleistet. Mit ein bisschen Abstand und Ruhe kann jeder von uns mit Stolz darauf zurückblicken. Ich fahre jetzt ganz weit weg in den Urlaub ohne Handy und möchte einmal den Kopf frei kriegen. Wir werden diese zwei Jahre auf jeden Fall in Erinnerung behalten", gab sich Verteidiger Dominik Schmidt versöhnlich. Auch sein Teamkollege David Kinsombi war stolz: "Ganz Deutschland weiß jetzt, was wir für eine geile Truppe haben und was für tollen Fußball wir spielen können."

Aus Kiel berichtet Alexander Barklage

Video: Das Team der Saison