Braunschweig - "Wir stehen zu tief, haben keinen Zugriff auf den Gegner...", Dirk Fischer machte sich während der 1. Halbzeit auf der Tribüne des Eintracht-Stadions Notizen. Und zu schreiben hatte der Chef-Scout der Braunschweiger reichlich.

"Wir müssen enger an die Gegenspieler", empfahl der 44-Jährige Eintracht-Trainer Thorsten Lieberknecht in der Halbzeitpause. Und vor allem: "Wir müssen mutiger werden." Seine Analyse war mehr als zutreffend. Die Überrschungs-Tabellenführer war im Vergleich zum Saisonauftakt gegen 1860 München (3:1) und zum 2:0-Erfolg bei Alemannia Aachen kaum wiederzuerkennen.

Ähnlich ängstlich wie gegen FC Bayern

Gegen Top-Favorit Eintracht Frankurt agierten die "Blau-Gelben" von Anfang an ähnlich ängstlich und passiv wie sechs Tage zuvor beim DFB-Pokalspiel gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München. Sie überließen dem Gegner kampflos das Mittelfeld.

Die Besprechung in der Halbzeit trug Früchte. Schon Minuten vor den Frankfurtern stand die Elf auf dem Platz und wollten den Fans und sich selbst beweisen, dass sie es besser kann.

"In der zweiten Halbzeit bissiger"

"Wir waren in der zweiten Halbzeit offensiver und bissiger", hat dann auch Lieberknecht erkannt, am Ergebnis hat das aber nichts geändert. Zwar bekam die Abwehr der Hessen einiges mehr zu tun, ein Tor aber wollte dem Aufsteiger nicht gelingen. Im Gegenteil: Alexander Meier versetzte nach dem frühen 1:0 durch Benjamin Köhler in der 3. Minute mit seinem "Doppelpack" in der 83. Und 85. Minute zum 3:0-Endstand den Gastgebern den endgültigen K.o.

"Wir hatten uns so viel vorgenommen, aber wir sind von Beginn an nichts ins Spiel gekommen", war Marcel Correia sichtlich enttäuscht. "Daran habe auch ich einen Teil Schuld", gab Lieberknecht zu. Erste Konsequenzen zog der Trainer bereits nach einer halben Stunde. In Minute 31 brachte er Damir Vrancic für Benjamin Kessel.

"Bei Vranic weiß ich, er versteckt sich nicht", begründete der Coach auf Nachfrage von bundesliga.de die frühe Auswechslung. An diesem Tag habe er bei einigen seiner Akteure den unbedingten Einsatzwillen vermisst.

"Dürfen uns nicht verrückt machen"

"Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen", warnt Dennis Kruppke: "Von der Tabellenführung dürfen wir uns nicht blenden lassen. Wir dürfen nicht vergessen, wir sind Aufsteiger. Da kann doch keiner erwarten, dass wir von Sieg zu Sieg eilen. Wir hatten doch auch in der 3. Liga Phasen, in denen es nicht so lief."

Der Kapitän appelliert an den Zusammenhalt in der Mannschaft: "Wir leben vom Teamgeist. Da müssen wir wieder hin." Die Mannschaft soll seiner Vorstellung nach da anknüpfen, wo sie nach dem Aachen-Spiel aufgehört hat.

"Wir wissen, dass wir es können. Wir haben zwei Spiele gegen hoch eingeschätzt Gegner gewonnen", so der 31-jährige Routinier zu bundesliga.de. Das wollen die Braunschweiger schon am kommenden Freitag unter Beweis stellen und beim Karlsruher SC mehr Mut zeigen.

Jürgen Blöhs