Kiel - Nordisch herb. So könnte man das zusammenfassen, was den 9812 Zuschauern am Freitagabend im Holstein-Stadion beim Relegations-Hinspiel zwischen dem Gastgeber Holstein Kiel und dem Zweitligisten 1860 München geboten wurde (Spielbericht). Bei typischen norddeutschen Schmuddelwetter trennten sich beide Teams torlos. Die Entscheidung fällt dann am kommenden Dienstag in der Münchener Allianz Arena.

Pünktlich zum Spiel hörte es auf zu regnen. Zuvor öffnete der Himmel seine Schleusen und an Sommerfußball Ende Mai mit warmen Temperaturen war an der Kieler Förde nicht zu denken. Trotzdem waren die Fans der Kieler in großer Vorfreude und unterstützten ihr Team nach Kräften. Holstein-Trainer Karsten Neitzel bedankte sich nach dem Spiel ausdrücklich bei den Fans für die tolle Choreographie und den starken Support.

Norddeutsches Wetter – heißblütige Fans

© gettyimages / Martin Stoever/Bongarts

Nach mehr oder minder ereignisarmen 90 Minuten waren sich beide Trainer nach der Partie einig. "Das 0:0 ist ein gefährliches Ergebnis", betonte 1860-Trainer Torsten Fröhling. Auch Neitzel schloss sich der Meinung seines Berufskollegen an. "Ich bin aber nicht unzufrieden mit dem Ergebnis. Wir mussten eine Balance zwischen stabiler Defensive und kontrollierter Offensive finden, das ist uns über weite Teile des Spiels ganz gut gelungen." In der Tat hatten die Gastgeber aus Schleswig-Holstein insgesamt mehr vom Spiel. Doch zum Abschluss kamen die „Störche“ einfach zu selten. "Im Strafraum des Gegners hat uns die letzte Entschlossenheit und auch die fußballerische Qualität gefehlt", gab Neitzel zu, der jedoch unterstrich, dass man die beiden Münchner Offensivkräfte Valdet Rama und Rubin Okotie sehr gut im Griff gehabt habe.

Ein fußballerisches Feuerwerk brannten die 22 Akteure leider nicht gerade ab. Auch in den zweiten 45 Minuten waren Torchancen Mangelware. Zwar konnten die Kieler zu Beginn etwas Druck aufbauen, aber mehr als Flanken ohne Abnehmer und Fehlpässe kurz vor dem Strafraum gelang den Kielern nicht. Die Sechziger hingegen schienen mit dem torlosen Unentschieden zufrieden zu sein. Sie standen hinten sicher, aber Offensiv gelang den Löwen fast gar nichts mehr. "Generell haben wir heute nicht viel zugelassen", fand Löwen-Verteidiger Christoph Schindler, "in der 1. Halbzeit hatten wir gute Konterchancen. Leider haben wir diese nicht richtig zu Ende gespielt. Wir konnten die Räume, die uns die Kieler angeboten haben, nicht nutzen."

Fröhling: "Man hat uns den Druck angemerkt"

Auch die Kieler Spieler nahmen nach dem Spiel das Positive mit. "Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Wir haben uns sehr gut reingekämpft. Einer ist für den anderen gerannt, das war die Maßgabe vor dem Spiel und die haben wir eingehalten, daher steht am Ende die Null", freute sich Holsteins Maik Kegel und auch für Torwart Kenneth Kronholm war es wichtig, dass es kein Gegentor gab.

"Wenn wir jetzt in München ein Tor machen, dann wird es schwer für Sechzig." 60-Trainer Fröhling verteidigte die biedere Leistung seiner Mannschaft. "Das war heute ein typisches Relegationsspiel. Keine Team hat nachgelassen, beide haben leidenschaftlich gekämpft. Mit der kämpferischen Einstellung meiner Mannschaft bin ich zufrieden. Wir haben keine Nadelstiche setzen können, da das gute Passspiel fehlte. Man hat gesehen, dass meine Mannschaft den Druck, dem sie seit Wochen ausgesetzt ist, nicht in spielerische Qualität umsetzen konnte."

Rückspiel in der Allianz Arena

Am Dienstag steht bereits das Rückspiel auf dem Programm. In der Münchner Allianz Arena werden dann bis zu 60000 Fans erwartet. Für die Kieler Spieler sicherlich eine neue Erfahrung vor einer solchen Zuschauerzahl zu spielen, doch einschüchtern lassen, werden sich die Störche davon nicht, versichert Kronholm: "Da haben wir alle richtig Bock drauf. Die Mannschaft ist richtig heiß auf die Partie." Alles in Waagschale werfen werden auch die Münchner verspricht Dominik Stahl: "Die Relegation ist etwas anderes als die Punkterunde. Das hat man von Beginn an gemerkt. Für uns ist es eine Herausforderung, die wir annehmen. Wir gehen das positiv an. Vor den eigenen Fans hauen wir nochmals alles rein.“ 60-Trainer Fröhling baut am Dienstag auf die Unterstützung der Fans. Wir wollen die Zuschauer beim Rückspiel in München möglichst schnell auf unsere Seite ziehen." KSV-Trainer Neitzel weiß um die historische Chance der Kieler in die 2. Bundesliga aufzusteigen, einfach wird es aber nicht: "Wir brauchen im Rückspiel eine außergewöhnliche Leistung, um Außergewöhnliches zu erreichen."

Aus Kiel berichtet Alexander Barklage