Kaiserslautern - Tobias Sippel stehen turbulente Tage bevor. Seine Hochzeit muss vorbereitet und gefeiert werden und dann steht da auch noch ein Umzug an. Nach 17 Jahren verlässt der Torwart den 1. FC Kaiserslautern, er geht zu Borussia Mönchengladbach. Es war ein großer Abschied, den Sippel erleben durfte, als er am Sonntag zum letzten Mal im Fritz-Walter-Stadion im Trikot des FCK im Tor stand. Die Fans feierten ihn, wie es nur wenigen Fußballern bei einem Vereinswechsel vergönnt ist. Sippel hatte T-Shirts verteilen lassen, auf denen zu lesen war: "Danke für eure Treue, Tobi Sippel."

Und seine Mannschaftskollegen hielten ein Banner vor dem Anpfiff hoch mit der Aufschrift: "Danke Tobi." Sippel sagte, er könne mit einem guten Gefühl gehen: "Auch, wenn ich traurig bin, mich nicht mit dem Aufstieg verabschiedet zu haben."

Vermaledeite Endphase der Saison

Auf seiner Ehrenrunde vor fast 50.000 Menschen kamen dem Jungen aus Bad Dürkheim nicht nur seines Abschiedes wegen die Tränen. Auch im dritten Anlauf nach dem Abstieg hat der FCK nach dem 1:1 gegen Ingolstadt den Wiederaufstieg mal wieder nicht geschafft. Am Ende belegen die Pfälzer den undankbaren 4. Tabellenplatz, zwei Punkte hinter dem KSC auf Rang 3 und vier Zähler hinter dem Sensationsaufsteiger aus Darmstadt.

Und das rumpelige Remis gegen den schon feststehenden Meister war ein Spiegelbild der vermaledeiten Endphase dieser FCK-Saison, als die Mannschaft von Trainer Kosta Runjaic ihre hervorragende Ausgangsposition verspielte.

Nur zwei Punkte aus den letzten vier Spielen - die Knie der FCK-Profis fingen zum falschen Zeitpunkt an zu schlottern. Auch gegen Ingolstadt waren im fehlerhaften Spiel des FCK "Anspannung und Nervosität zu greifen gewesen", wie nicht nur Sportdirektor Markus Schupp bemerkt hatte.

Keine dreckigen Siege und kein Torjäger

Mittelfeldspieler Ruben Jenssen war in seiner Analyse beeindruckend klar: "Über das ganze Jahr gesehen", sagte der Mittelfeldspieler aus Norwegen, "haben wir es nicht verdient." Mit 14 Unentschieden hat der FCK einfach den ein oder anderen "dreckigen Sieg zu wenig" (FCK-Vorstandsboss Stefan Kuntz) geholt. Der Mannschaft fehlte vor allem in Auswärtsspielen oft die mentale Wucht, um den nötigen Punch zu setzen.

Das Fehlen eines Torjägers mit Toregarantie erwies sich vor allem in der Rückrunde als Manko. "Ein verlässlicher Torjäger hat gefehlt", gab auch Trainer Runjaic zu. Der im Winter nach Paderborn gewechselte Srdjan Lakic ist mit sechs Toren zusammen mit Philip Hofmann und Alexander Ring bester Torschütze. Der für Lakic gekommene Simon Zoller (drei Treffer) erfüllte die Erwartungen nicht. Aber auch die Mittelfeldspieler erzielten insgesamt zu wenig Tore.

Talente mit Licht und Schatten - Umbruch steht an

Zwar mag sein, dass einige umstrittene Elfmeter in Schlussphasen einiger Spiele Punkte gekostet haben (in Düsseldorf, in Aalen), wie Trainer Runjaic anführte. Aber die mangelnde Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Tor wiegt schwerer über die gesamte Runde. Der FCK ging in dieser Runde den Weg der Verjüngung.

Eigene Talente wie Willi Orban, Dominique Heintz oder Jean Zimmer entwickelten sich hervorragend. Andere Talente aber stagnierten in der zweiten Saisonhälfte (Stöger, Demirbay, Hofmann) oder spielten gar keine Rolle mehr (Younes). Nicht alle hielten, was sie zu versprechen schienen. Der FCK hatte in dieser Saison so viel Talent wie seit 15 Jahren nicht mehr im Kader. Herausgekommen ist im Endergebnis dabei zu wenig.

Und wenn nicht alles täuscht, wird Trainer Runjaic wieder eine neue Mannschaft bauen müssen. Neben Sippel wird wohl der Vertrag von Karim Matmour nicht verlängert, die Leihspieler Stöger (Stuttgart), Demirbay (HSV), Younes (Gladbach) und Zoller (Köln) müssen zu ihren Vereinen zurück. Orban, Heintz und Zimmer haben sich in den Fokus von Bundesligisten gespielt. Aus Aue kehrt dafür Stürmer Musoga in die Pfalz zurück. Der FCK wird mit dem gleichen Etat wie in dieser Saison in die nächste gehen - der Neuaufbau wird nicht leicht.

Aus Kaiserslautern berichtet Tobias Schächter