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Das letzte Tor lag noch schwer im Magen. Darüber konnte Louis van Gaal auch das Ende der Münchner Torflaute und der damit verbundene 300. Bundesliga-Auswärtssieg des FC Bayern nicht hinwegtrösten.

Die Bayern hatten zwar mal wieder drei Punkte geholt und mit dem 2:1-Erfolg beim SC Freiburg einen großen Sprung in der Tabelle gemacht. Doch das Gegentor in der Nachspielzeit durch Stefan Reisinger konnte und wollte van Gaal nicht einfach so verdrängen. "Da war ich böse", ließ der Bayern-Trainer wissen.

Schweinsteiger überzeugt

Ohne dieses Gegentor hätten sich seine Spieler auf dem Weg zum Mannschaftsbus womöglich auch einmal getraut, ein kurzes Lächeln zu zeigen. So aber war nur Erleichterung zu sehen.

Der einzige, dem dann doch noch ein Grinsen auskam, war Bastian Schweinsteiger, der dafür auch guten Grund hatte: Er war an fast allen Torchancen der Bayern beteiligt und hatte dafür gesorgt, dass trotz des Fehlens von Franck Ribéry viel über die linke Angriffsseite lief.

In der elften Spielminute hätte er mit einem Schuss aus zwölf Metern sogar für die frühe Führung sorgen können, hätte Freiburgs Torwart Simon Pouplin nicht eine Klasseparade gezeigt.

Van Gaals Handschrift erkennbar

Viel war im Vorfeld darüber geredet worden, wie lange van Gaal brauchen würde, um dem FC Bayern Konturen zu geben. In Freiburg war die Handschrift des Trainers, nach zehn Tagen Bundesligapause, deutlich zu erkennen - obwohl er auf mehreren Positionen umstellen musste. Die Flügelzange Robben/Ribéry fehlte ebenso wie Ivica Olic, dafür war Kapitän Mark van Bommel nach überstandener Zehenverletzung wieder einsatzbereit.

Der Niederländer spielte bei seinem Comeback nach sechs Wochen mit viel Übersicht. Schon im vergangenen Jahr war er in der ersten Saisonhälfte zurückgekommen, nachdem sich die Bayern schwer getan hatten mit dem Punktesammeln. Und wie damals scheint auch diesmal der Erfolg zurückzukehren.

Auch Toni zurück im Team

Und noch eine Rückkehr gab es: Luca Toni stand nach langer Verletzungspause erstmals in dieser Bundesliga-Saison auf dem Platz und mühte sich neben dem zweiten Stürmer Miroslav Klose redlich.

"Es ist wichtig für uns, dass diese erfahrenen Spieler zurück sind. Es kann ein großer Vorteil für uns sein, wenn wir aus dem Vollen schöpfen können", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Für van Bommel und Toni war am Samstag nach 71 Minuten Feierabend. "Sie haben beide ihre Aufgaben erfüllt", resümierte van Gaal.

Toni und van Bommel sollen offenbar auch in der Partie beim franzöischen Meister Girondins Bordeaux am Mittwoch in der Champions League eine wichtige Rolle spielen. "Ich habe sie rausgenommen, weil wir drei Spiele in dieser Woche haben", erklärte der Trainer.

Musterschüler Schweinsteiger

Dessen Musterschüler war an diesem Tag allerdings Schweinsteiger, dem man sein Bemühen anmerken konnte, sich nur nach den Vorgaben des Trainers zu bewegen. Laufstärke und aggressives Zweikampfverhalten darf in der Bundesliga als gegeben gelten.

Auffällig war aber die Ordnung, die die Bayern immer wieder suchten. Schweinsteiger hätte noch viel öfter in den Freiburger Strafraum flanken können, als er es getan hatte - doch viele davon wären überhastet gewesen. Noch öfter spielte er den Ball zurück zu Edson Braafheid oder Holger Badstuber für einen Neuaufbau.

Überlegenheit durch Ballbesitz

Überlegenheit durch Ballbesitz, das ist van Gaals Philosophie. Fast in jeder bisherigen Partie unter seiner Führung waren die Münchner in dieser Hinsicht dem Gegner klar überlegen. Doch noch machen van Gaals Spieler insgesamt zu wenig aus diesem Vorteil. Auch in Freiburg war das so. Trotz Führung im Rücken taten sich die Bayern gegen hart kämpfende Freiburger schwer, nachzulegen. Noch hat sich van Gaals Konzept also nicht zur Gänze entfaltet.

Es ist also noch nicht alles in Ordnung vor der wichtigen Champions-League-Partie in Bordeaux. Doch es war den Bayern anzumerken, dass sie das Spiel in Freiburg als eine gelungene Generalprobe ansahen.

"Jetzt geht es richtig los"

"Jetzt geht es bis Weihnachten richtig los. Wir müssen jetzt anfangen, eine Serie zu starten. Das ist nötig, um den Abstand zur Spitze zu verringern", verkündete Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Beim SC Freiburg sinnierten sie hernach lange darüber, wie sie oft den Bällen hinterherlaufen mussten, und wieso sie so wenige Torchancen erspielt hatten. Trainer Robin Dutt sagte, der Sieg des FC Bayern sei verdient gewesen.

Louis van Gaal wird nicht mehr böse auf seine Spieler sein, wenn die Mannschaften von Bordeaux und Eintracht Frankfurt in den kommenden Tagen ähnlich sinnieren.

Aus Freiburg berichtet Christoph Leischwitz