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Der Jubel kannte keine Grenzen, die Spieler lagen sich in den Armen, liefen gesammelt zur Trainerbank und freuten sich als hätten sie gerade die Meisterschaft geholt.

Eigentlich war es aber nur ein Jubel wegen eines Tores - gegen einen Aufsteiger, der sich im Tabellenkeller befindet und die Schießbude der Liga ist. Da man sich bei Besiktas aber verhältnismäßig in ähnlich schwacher Rolle sah, kannte der Torjubel am Samstag gegen Kasimpasa keine Grenzen.

Besiktas erlebte nach dem doppelten nationalen Triumph in der Vorsaison eine rasante Talfahrt. Es wollte nichts gelingen, selbst vermeintlich leichte Heimaufgaben wurden sieglos absolviert. Dass da ein Sieg gegen einen Aufsteiger wie ein Titelgewinn gefeiert wird, war verständlich.

Zwei Niederlagen in der Champions League

Nun ist Besiktas auch in der Champions League gegen den VfL Wolfsburg (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) im Zugzwang. Die ersten beiden Aufgaben gegen Manchester United (0:1) und ZSKA Moskau (1:2) wurden - trotz ordentlichen Leistungen - verloren. Gerade gegen Manchester war am 1. Spieltag deutlich mehr drin. Aber Trainer Mustafa Denizli will nicht zurückblicken, sondern peilt einen Erfolg gegen den VfL Wolfsburg an.

"Wir müssen endlich punkten und ich bin mir sicher, dass wir damit in Wolfsburg beginnen werden", so der Meistercoach. Auf welche Spieler der 59-Jährige beim Gastspiel gegen Deutschen Meister vertrauen wird, verrät bundesliga.de und nennt Stärken und Schwächen der Besiktas-Akteure.

Rüstü Recber

Der 36 Jahre alte Torhüter, besser bekannt als "Torwart-Krieger" der WM 2002, hütet seit 2007 das Tor von Besiktas. Sein Wechsel vom Lokalrivalen Fenerbahce sorgte für Wirbel, aber mit seiner Routine ist er bei Besiktas eine wichtige Stützte im Team von Trainer Mustafa Denizli. Seine Leistungen sind allerdings schwankend. Hin und wieder unterläuft dem Ex-Torhüter des FC Barcelona ein schwerer Patzer.

Ekrem Dag

Der 28-Jährige ist der Allrounder im Team und wird gegen den VfL Wolfsburg wohl auf der rechten Abwehrseite spielen. Der österreichische Nationalspieler ist äußerst kampf- und zweikampfstark. Nach überstandener Verletzung findet Ekrem, der in der Türkei geboren wurde, aber in Österreich aufwuchs, zurück zur starken Form der Meistersaison. Für Trainer Denizli eine unverzichtbare Größe.

Tomas Sivok

Der tschechische Nationalspieler wechselte in der letzten Saison von Udinese zu Besiktas. Der kampfstarke Rechtsfuß ist sowohl im defensiven Mittelfeld als auch in der Innenverteidigung einsetzbar. In der Abwesenheit von Ibrahim Toraman wird er letzteren Part übernehmen. Seine rigorose Zweikampfführung beschert ihm nicht immer Erfolg. Sivok ist ein Kandidat für Karten.

Matteo Ferrari

Der elfmalige Nationalspieler Italiens wechselte nach einer starken Saison in der Serie A beim FC Genua für über fünf Millionen Euro zu Besiktas. Sein Lebenslauf liest sich beeindruckend: Seine Stationen heißen u.a. Inter Mailand, AS Rom, FC Everton. Bei Besiktas ist er auf Anhieb zum Abwehrchef aufgestiegen. Wie Nebenmann Sivok ist Ferrari ein äußerst rigoroser Verteidiger.

Ismail Köybasi

Der 19 Jahre alte Linksverteidiger wechselte zu Beginn der Saison für sieben Millionen Euro vom Ligakonkurrenten Gaziantepspor zu Besiktas. Inzwischen ist der offensivstarke Ismail sogar Nationalspieler. Beim 1:2 in Moskau schoss der Youngster bis dato das einzige Saisontor Besiktas' im laufenden Wettbewerb. Statt Ismail könnte auch der routiniertere Ibrahim Üzülmez zum Einsatz kommen.

Fabian Ernst

Von hunderten Fans am Flughafen empfangen, wurde der Ex-Schalker nach seinem Wechsel zu Besiktas auf Anhieb zum Leader im Team. Mit seinem selbstbewussten Auftreten war er einer der Garanten für das "Double" in der Vorsaison. Als Besiktas zuletzt schwächelte und von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, gab es nur für Ernst, den sie wie seinen Landsmann Michael Fink "Panzer" nennen, Sprechchöre.

Michael Fink

Der Ex-Frankfurter hat sich einen Stammplatz im Team von Trainer Mustafa Denizli noch nicht erkämpfen können. Nach anfänglich ordentlichen Einsätzen ließ sich der defensive Mittelfeldspieler von den schwachen Auftritten seiner Mannschaft anstecken und verlor an Selbstbewusstsein. Dennoch ist sein Einsatz in Wolfsburg wahrscheinlich, zumal Besiktas auswärts kompakt auftreten will.

Rodrigo Tello

Geholt als Linksverteidiger spielte der Chilene bislang auf denkbar allen Positionen. Inzwischen hat er sich im Mittelfeld eingelebt und soll in Wolfsburg wohl auf der linken Seite für Wirbel sorgen. Seine Schusskraft ist beeindruckend. In der vergangenen Saison schoss der Südamerikaner immer wieder in brenzligen Situationen sein Team so zum Sieg. An einem guten Tag ist Tello kaum aufzuhalten.

Rodrigo Tabata

Der Neuzugang von Gaziantepspor kostete acht Millionen Euro. Der Brasilianer mit japanischen Wurzeln ist ein klassischer Spielmacher mit viel Zug zum Tor. In der vergangenen Saison gehörte er zu den besten Spielern der Liga, schoss für Gaziantep 12 Tore und bereitete acht Treffer vor. Das Eingewöhnungszeit bei Besiktas dauert aber noch an. Noch ist Tabata nicht die erhoffte Verstärkung.

Nihat Kahveci

Nach jahrelangem Aufenthalt in Spanien ist der "verlorene Sohn" zurückgekehrt. Großes Verletzungspech in den vergangenen Jahren verbauten ihm wohl einen Wechsel zu einem spanischen Spitzenclub. Diverse Blessuren machten auch eine reibungslose Rückkehr in schwarz-weiße Trikot unmöglich. Beim 2:1 gegen Kasimpasa schoss er zumindest sein erstes Pflichtspiel-Tor seit der Rückkehr.

Mert Nobre

Der Mittelstürmer, der eigentlich Marcio heißt und nach seiner Einbürgerung in der Türkei den Namen Mert angenommen hat, ist ein kampfstarker Stürmer, der sich für die "Drecksarbeit" nicht zu schade ist. Das Toreschießen vergisst der Brasil-Türke dabei nicht. In 155 Ligaspielen erzielte Nobre 62 Tore für Fenerbahce und Besiktas. Auf ihn sollte die Wolfsburger Verteidigung besonders ein Auge haben.

Mustafa Denizli

Der Trainer des Teams ist ein erfahrener Mann und der erste Coach, der alle drei großen Istanbuler Clubs Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas zur Meisterschaft geführt hat. Der frühere Nationaltrainer der Türkei arbeitete für kurze Zeit auch in Deutschland. Der 59-Jährige war in der Saison 1989/90 für Alemannia Aachen tätig. Eine besondere Beziehung hatte Denizli zu Jupp Derwall. Das Duo arbeitete in den 80ern erfolgreich zusammen bei Galatasaray.