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"Alte Liebe rostet nicht" besagt ein altes Sprichwort. Aktuelles Beispiel: Lukas Podolski kehrt dem FC Bayern München nach drei Spielzeiten den Rücken und im Sommer 2009 zu seinem Ex-Club 1. FC Köln zurück. Für den 23 Jahre alten Stürmer eine Herzensangelegenheit.

Doch Podolski ist beileibe nicht der einzige Bundesliga-Profi, der nach Jahren der Distanz wieder in den heimischen "Club-Schoß" krabbelt. Die Liste seiner Vorgänger ist lang und prominent.

bundesliga.de hat exemplarisch fünf Akteure herausgenommen, die alle zu ihrem ehemaligen Club zurückkehrten - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Stefan Effenberg: Der doppelte Rückkehrer

Stefan Effenberg ist das beste Beispiel dafür, dass eine Rückkehr kein Rückschritt sein muss. Seine Karriere startete er 1987 bei Borussia Mönchengladbach. Seine Leistungen machten die Macher des FC Bayern aufmerksam, die ihn zur Saison 1990/91 nach München holten. Zwei Jahre später versuchte er erfolgreich sein Glück in der Serie A beim AC Florenz, kehrte aber nach zwei Spielzeiten auf den Gladbacher Bökelberg zurück.

Bei der WM 1994 flog er zwar aus der Nationalmannschaft, doch, zum absoluten Führungsspieler gereift, bugsierte er die "Fohlen" zwei Mal in den UEFA-Cup, holte 1995 den DFB-Pokal und bewahrte die Borussia in der Saison 1997/98 vor dem Abstieg.

Danach folgte die zweite Rückkehr, die zum FCB, wo der Stern des "Tigers" so richtig hell strahlte. Zwischen 1998 und 2002 wurde er drei Mal Deutscher Meister, ein Mal DFB-Pokalsieger, gewann 2001 die Champions League und den Weltpokal. Bei den Anhängern des FCB und der Borussia steht Effenberg auch lange nach seinem Karriereende hoch im Kurs, in beiden Clubs ist er Mitglied der Jahrhundertelf.

Lothar Matthäus: Der Titelhamster

Auch Lothar Matthäus begann seine Karriere in Gladbach. Nach fünf Jahren bei der Borussia heuerte der unermüdliche Mittelfeldantreiber 1984 zum ersten Mal beim FC Bayern an und sammelte in den ersten vier Jahren an der Isar Titel in Serie. 1985, 1986 und 1987 wurde er mit den Münchenern Deutscher Meister, holte 1986 den DFB-Pokal und unterlag 1987 erst im Finale des Europacups der Landesmeister gegen den FC Porto (1:2).

1988 wechselte Matthäus zu Inter Mailand, wurde 1989 italienischer Meister und gewann mit Inter 1991 den UEFA-Pokal. 1992 kehrte der Weltmeister als einer der besten Fußballer seiner Zeit nach München zurück und setzte - zum Libero umfunktioniert - seine Titelsammlung mit drei Meisterschaften, einem DFB- und einem UEFA-Pokalsieg fort.

Lediglich der Gewinn der Champions League blieb ihm versagt, 1999 unterlag er mit dem FCB Manchester United im denkwürdigen Finale in Barcelona mit 1:2. Im Jahr 2000 ließ der Rekordnationalspieler und Ehrenspielführer der Nationalelf seine Spielerkarriere bei den New York Metro Stars ausklingen.

Olaf Thon: Das "königsblaue Urgestein"

Bereits mit 14 Jahren wechselte Olaf Thon zu Schalke 04. Drei Jahre später, im August 1983, feierte er sein Profidebüt in der 2. Bundesliga, mit 20 Jahren führte er die "Königsblauen" bereits als Kapitän aufs Feld. Den Durchbruch erlebte Thon im legendären DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München im Mai 1984. Die Partie im Parkstadion endete 6:6 nach Verlängerung (das Wiederholungsspiel gewannen die Bayern 3:2). Thon steuerte drei Treffer bei und offenbarte hinterher den TV-Zuschauern, dass er als Bayern-Fan gelegentlich in FCB-Bettwäsche schlafe.

1988 wechselte der Mittelfeldregisseur an die Isar, wurde dort drei Mal Deutscher Meister. Nach sechs Jahren in München kehrte Thon dann zu den "Königsblauen" zurück und eroberte sich in den folgenden acht Jahren den festen Platz im Herzen der S04-Fans zurück.

Neben zwei DFB-Pokaltiteln trug vor allem der Gewinn des UEFA-Cups 1997 mit den "Eurofightern" zur Ruhmesbildung Thons bei, der auch nach Beendigung seiner aktiven Karriere 2002 den "Knappen" als "Ur-Schalker" in diversen Vereinsgremien erhalten blieb.

Pierre Littbarski: Der Podolski-Vorgänger

Vielleicht hat sich Lukas Podolski bei seiner Entscheidung für den 1. FC Köln an Pierre Littbarski orientiert. Der kleine Dribbler mit den markanten O-Beinen war 1978 aus Berlin in die Domstadt gekommen und verzückte die FC-Fans sofort mit seiner schier unglaublichen Ballbehandlung und seinen Tricks, mit denen er seine Gegenspieler zur Verzweiflung trieb. Zum absoluten Helden avancierte "Litti" 1983, als er im DFB-Pokalfinale gegen den Stadtrivalen Fortuna den 1:0-Siegtreffer erzielte.

Nach acht Jahren beim FC wagte Littbarski den Sprung ins Ausland und unterschrieb bei Racing Paris. Doch fern des Rheinlands und der kölschen Mentalität plagte ihn das Heimweh. Hinzu kamen sportliche Probleme. Und so kehrte der Mittelfeldzauberer zu den "Geißböcken" zurück.

Um den Transfer überhaupt finanziell zu ermöglichen, stellte Littbarski dem 1. FC Köln sogar ein Darlehen zur Verfügung. Unter Trainer Christoph Daum führte Littbarski den FC 1989 und 1990 jeweils bis auf Platz 2, mit dem Nationalteam feierte er 1990 in Rom den WM-Titel. Im Herbst seiner Karriere wechselte er 1993 nach Japan, 1997 hängte er schließlich die Schuhe an den Nagel.

Andreas Herzog: Der "Alpen-Maradona"

Als der Österreicher Andreas Herzog im Alter von 23 Jahren auf Betreiben von Werder-Coach Otto Rehhagel von Rapid Wien nach Bremen wechselte, schlug ihm zunächst Skepsis entgegen. Zwar wusste man um seine technischen Fähigkeiten, doch die körperliche Bewährungsprobe in der Bundesliga stand noch aus.

Schnell ließ Herzog, aufgrund seines Ballgefühls als "Alpen-Maradona" bezeichnet, jedoch seine Kritiker verstummen. Mit zehn Toren in seiner ersten Saison trug er wesentlich zum Gewinn der Meisterschaft 1993 bei. Im Jahr darauf gewann er mit Werder den DFB-Pokaltitel, in der Saison 1994/95 wurde Bremen Vizemeister. Der FC Bayern sicherte sich daraufhin die Dienste des Österreichers, der gemeinsam mit Rehhagel 1995 an die Isar wechselte.

Doch im harten Kampf gegen die Konkurrenz und die nicht zimperliche Münchener Presse wurde Herzog nicht glücklich, beim Gewinn des UEFA-Pokal-Endspiels 1996 gegen Girondins Bordeaux stand er nicht einmal im Kader. Und so kehrte "Herzerl" bereits nach einer Saison für sechs weitere Jahre an die Weser zurück, wo er 1999 zum zweiten Mal mit Werder den DFB-Pokal gewann.


Zusammengestellt von Denis Huber