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Nachdem Michael Skibbe in der vergangenen Woche gegen seinen "Schüler" Heiko Herrlich und den VfL Bochum mit 2:1 (1:1) gewinnen konnte, tritt er nun eine erneute Reise in die Vergangenheit an. Sein Weg führt ihn und seine Frankfurter Eintracht zum noch ungeschlagenen Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Volles Haus wird am Freitagabend in der neuen BayArena erwartet, wenn Skibbe erstmals nach seinem Engagement auf der Bayer-Trainerbank zurück an den Rhein kommt. Den Platz, den nun aktuell Jupp Heynckes einnimmt, hatte er von Oktober 2005 bis in den Mai 2008 inne. Er führte Leverkusen zwei Mal auf Platz 5 der Tabelle und erreichte zudem zwei weitere Male das Viertelfinale im UEFA-Cup.

"Überraschen kann mich der Jupp sicher nicht"

"Ich habe dort drei schöne Jahre verbracht und freue mich auf ein Wiedersehen", betonte Skibbe: "Über den Saisonverlauf der Leverkusener bin ich überhaupt nicht überrascht. Sie haben eine starke Mannschaft zusammen."

Im Vorfeld gibt Skibbe offen zu, dass es für ihn ein besonderes Duell ist. "Das ist eine Mannschaft, an der ich zum großen Teil mitgebastelt habe. Ich kenne auch ihre Schwächen, von denen es aber nicht sehr viele gibt", so der 44-Jährige, der dann auch gleich zu den Stärken des Gegners kommt: "Das sind alles prima Fußballer, die den Ball gut laufen lassen, sehr schnell sind und gefährlich bei Standards sind. Wir werden uns warm anziehen."

Vor der Saison trafen die beiden Trainer schon ein Mal aufeinander. "Wir haben uns zufällig im TV-Studio getroffen und eine Stunde lang geplaudert. Da habe ich ihm erzählt, was ihn bei Bayer erwartet", so Skibbe: "Überraschen kann mich der Jupp sicher nicht. Wie bei allen großen Mannschaften ist das Leverkusener Spiel gleich ausgerichtet, da ändert sich nicht viel in der Taktik."

Ambitionierte Ziele

Der Fußballlehrer hat seinen Posten bei den Hessen mit dem ambitionierten Anspruch angetreten, die Mannschaft auf ein höheres Niveau zu führen. "Wir wollen richtig gute Spiele zeigen. Daran werden wir uns messen lassen. Perspektivisch wollen und werden wir die Kluft nach vorne schließen", sagte Skibbe im Sommer.

Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen, so belegt die Eintracht mit vier Saisonsiegen aktuell den 9. Tabellenrang und kann bei einem Erfolg in Leverkusen zumindest bis Samstag auf Platz 7 vorstoßen.

Auch Schwegler kehrt zurück zu Bayer

Zusammen mit Trainer Skibbe reist auch einer seiner Spieler zurück ins Rheinland. Pirmin Schwegler kam 2006 mit 19 Jahren in die Bundesliga zu Bayer und absolvierte in drei Jahren 46 Bundesligaspiele. Nach seinem Wechsel zur Eintracht in der vergangenen Sommerpause trifft der Schweizer nun erstmals auf seinen Ex-Club.

Schwegler nennt gute Gründe für seinen Wechsel: "Es ist von Vorteil, wenn man den Trainer kennt. Ich hatte irgendwann das Image eines Spielers, der da ist, wenn ein anderer ausfällt. Das hat sich im Kopf festgesetzt. Es ist schwer, sich festzubeißen, wenn man weiß, es sind Nationalspieler vor einem, die zurückkommen." In Frankfurt setzt Skibbe wieder auf ihn: So absolvierte Schwegler diese Saison bislang acht Partien, und zwar jeweils über die volle Distanz.

Respekt ja, Furcht nein

Trotz aller Verbundenheit zu Bayer und dem Wissen um die Stärke des Spitzenreiters gibt sich Skibbe zunächst selbstbewusst. "Furcht ist in der Bundesliga ein schlechter Ratgeber", so der Coach, der dann aber relativiert: "Aber uns muss schon klar sein, dass Clubs wie Bayern München oder Bayer Leverkusen auf einem ganz anderen Niveau spielen können als Eintracht Frankfurt."

Mut könnte ihm und seiner Mannschaft durchaus ein Blick auf die Statistik machen: Leverkusen ging bei den vergangenen sechs direkten Aufeinandertreffen nur ein einziges Mal als Sieger vom Feld, drei Mal setzte es für die "Werkself" sogar eine Niederlage.

Auch die Heimbilanz gegen die Hessen liest sich nicht besser: In den vergangenen fünf Heimspielen gegen die Eintracht schaffte Bayer nur einen Erfolg, zwei Duelle endeten unentschieden und zwei Mal konnten die Hessen die Punkte entführen. Nachdem zuletzt also "Schüler" Herrlich leer ausging, könnte nun der ehemalige Arbeitgeber dran sein...

Sebastian Bisch