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Dortmund - Der Hamburger SV findet in der Bundesliga einfach nicht in die Spur. Nach der 0:2-Pleite in Dortmund redet Kapitän Heiko Westermann Klartext.

Westermann war nach der vierten Saisonniederlage, nach gerade einmal einer Torchance über 90 Minuten, sichtlich bedient. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Mannschaftskapitän des HSV über fehlenden Mut, eigene Ansprüche und die Perspektiven für den ambitionierten Verein.

bundesliga.de: Heiko Westermann, was ist los mit dem Hamburger SV?

Heiko Westermann: Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir einfach nicht stabil genug sind. Mal spielen wir so, mal spielen wir so - eine einzige Berg- und Talfahrt. Aber das geht natürlich nicht für eine Mannschaft, die Ambitionen hat und oben in der Tabelle mitspielen will. Wir müssen unseren eigenen Ansprüchen endlich gerecht werden.

bundesliga.de: Wenn Sie die ersten zwölf Saisonspiele Revue passieren lassen - wie muss man den HSV in der Liga einordnen?

Westermann: Das Spiel gegen Dortmund war die erste Partie, in der wir in Sachen Ballbesitz und Zweikampf fast die gleichen Werte hatten wie der Gegner. In den ersten Spielen dieser Saison waren wir immer die bessere Mannschaft und hatten auch immer die bessere Chancen. Wir haben sie nur nicht genutzt. Aber gegen Dortmund waren wir schlechter und haben verdient verloren. So, wie wir zuletzt aufgetreten sind, muss man sich eingestehen, dass wir nur Mittelmaß sind.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Ursachen für die schwankenden Leistungen?

Westermann: Ich weiß es auch nicht! Wir haben noch am vorletzten Spieltag gegen eine starke Mannschaft aus Hoffenheim ein Spiel gedreht. Und ein paar Tage später treten wir in Dortmund wieder auf, als hätten wir fünf Niederlagen in Folge kassiert. Das geht einfach nicht. Das muss sich ändern!

bundesliga.de: Kann es sein, dass die Mannschaft verunsichert ist?

Westermann: Dafür gab es beim Spiel in Dortmund eigentlich keinen Grund. Aber wir haben dort ganz bestimmt nicht die Sicherheit ausgestrahlt, die wir uns eine Woche zuvor geholt haben. Davon hat man auf dem Platz nichts gesehen.

bundesliga.de: Was kritisieren Sie im Einzelnen?

Westermann: Ich bin enttäuscht, wie wir beim BVB über 90 Minuten aufgetreten sind. Wir waren einfach nicht mutig genug in unseren Aktionen nach vorne. Wir hatten vor allem in der ersten Halbzeit gute Ballgewinne. Aber wir haben dann nicht genug investiert, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen. Das war der Schlüssel zum Spiel. Dortmund war in dieser Phase angeschlagen, aber wir haben es nicht ausgenutzt.

bundesliga.de: Dabei hatte der HSV zuvor in Mainz schon einmal gezeigt, wie man bei einem Tabellenführer gewinnt.

Westermann: Da sind wir mit unseren Möglichkeiten viel besser umgegangen und haben sofort den Weg zum Tor gesucht. Genau das haben wir gegen Dortmund wieder einmal vermissen lassen.

bundesliga.de: Wie soll es jetzt weitergehen?

Westermann: Jetzt sind wir wieder an dem Punkt angelangt, an dem wir zum Siegen verdammt sind. Wir müssen gegen Hannover unter allen Umständen gewinnen, um wieder etwas näher an die oberen Plätze heranzukommen. Es ist natürlich schwer, immer wieder neu anzufangen. Aber es hilft nichts: Wir werden uns jetzt wieder zusammensetzen und dann geht s weiter!

bundesliga.de: Es ehrt Sie, dass Sie bislang noch kein einziges Mal die vielen Verletzten des HSV als Grund für die Probleme angeführt haben.

Westermann: Was sollen wir klagen? Wir können es eh' nicht ändern! Trotz aller Verletzungssorgen steht bei uns immer noch eine Mannschaft auf dem Platz, die über genügend Erfahrung verfügt. Da muss sich jeder selbst packen und hinterfragen, warum es trotzdem nicht klappt und wir die Spiele nicht gewinnen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte