Mainz - Mit zwanzig Punkten liegt 1. FSV Mainz 05 vor dem abschließenden Derby gegen Eintracht Frankfurt im Soll. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Topscorer Yunus Malli über die Auswirkungen der Mehrfachbelastung, über seinen Status als exzellenter Standard- und bester Torschütze der Mainzer Historie, über und über die Überraschungen der Liga.

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bundesliga.de: Herr Malli, das 3:1 gegen den HSV war der erste Sieg nach drei Niederlagen in Folge. Wie bewerten Sie die Hinrunde vor dem abschließenden Spiel gegen Eintracht Frankfurt?

Yunus Malli: Wir mussten nach drei Niederlagen in Folge gegen den HSV unbedingt eine Reaktion zeigen. Das ist uns gelungen, so dass wir uns Luft nach unten verschafft haben. Natürlich gibt es Vereine, die unter uns stehen und jetzt deutlich weniger Punkte haben als wir. Aber man hat gesehen wie schnell man mit einer Negativserie, wie wir sie vor dem HSV-Spiel hatten, abrutschen kann. Umgekehrt kann man mit einer positiven Serie auch sehr schnell wieder nach oben kommen. Das wollen wir versuchen. Alles in allem ist die Bilanz mit 20 Punkten aus 15 Spielen ganz okay, obwohl sicherlich ein paar Punkte möglich gewesen wären.

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bundesliga.de: Mainz hat nach Toren die viertbeste Offensive, aber nach Gegentoren die viertschlechteste Defensive der Liga. Ist das der Spielanlage geschuldet, oder fehlt noch ein wenig die Balance?

Malli: Ich denke, dass uns bisweilen noch die Balance fehlt. Defensiv können wir alle noch zulegen und müssen versuchen unser Tor konsequenter zu verteidigen. Aber es ist schon besser geworden in den vergangenen Wochen, während wir gerade zu Saisonbeginn in diesem Bereich große Probleme hatten. Andererseits spricht für uns, dass wir sehr viele Tore schießen. Gerade in unseren Heimspielen zeigen wir oft guten Offensivfußball.

bundesliga.de: In der Europa League hätte es ohne die sechs Gegentore im Spiel beim RSC Anderlecht eine realistische Chance aufs Weiterkommen gegeben. Was hat Ihnen die Teilnahme an diesem Wettbewerb gegeben?

Malli: Ich glaube, dass die Teilnahme trotz des Ausscheidens für uns alle, für die Spieler, für die Verantwortlichen und natürlich für die Fans eine sehr schöne Sache war. Mit hat es sehr viel Spaß gemacht sich auf internationaler Ebene mit Vereinen wie St. Etienne oder Anderlecht messen zu dürfen. Das Spiel in Anderlecht war aber ohne Frage eine große Enttäuschung, und es ist schade, dass neun Punkte am Ende nicht fürs Weiterkommen gereicht haben.

bundesliga.de: War die Mehrfachbelastung für eine Mannschaft, die das nicht in jeder Saison erlebt, ein Problem für die Bundesliga?

Malli: Das war schon eine andere Belastung als gewohnt. Jeden dritten oder vierten Tag zu spielen war für viele von uns neu. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man nur alle sieben Tage oder jeden dritten oder vierten Tag antreten muss. Nach einer Zeit gewöhnt man sich aber daran. Man muss in den spielfreien Tagen professionell arbeiten und so gut wie möglich regenerieren, um sich so ausschließlich auf das jeweils nächste Spiel konzentrieren zu können.

bundesliga.de: Sie persönlich liegen mit zwölf Punkten weit vorne in der Scorer-Liste der Bundesliga, und eine Zeitung hat geschrieben: "Es ist die Saison von Mainz-Star Yunus Malli..."

Malli: Es gibt auch Spiele, in denen ich mehr machen muss. Gerade wenn es für die Mannschaft nicht so gut läuft, sehe ich mich in der Pflicht. Insgesamt läuft es bisher für mich aber ganz ordentlich. Zwölf Scorer-Punkte, das hört sich ganz gut an. Es ist schon immer mein Ziel viele Punkte zu sammeln, weil ich dauerhaft zu den Top-Scorern der Liga zählen möchte. Dafür gilt es nie nachzulassen und jede Woche seine Leistung abzurufen. Denn andere sammeln auch fleißig Punkte. In erster Linie ist aber ohnehin wichtig, dass ich mit meinen Scorer-Punkten der Mannschaft helfen kann, Punkte für die Tabelle sammeln zu können.

bundesliga.de: Sie sind nun Mainzer Rekordtorschütze. Was bedeutet Ihnen dieser Rekord?

Malli: Es ist schon etwas Besonderes in der Liste der besten Mainzer Torschützen gemeinsam mit Mohamed Zidan ganz oben zu stehen. Ich bin schon einige Jahre in Mainz, konnte mich hier von Jahr zu Jahr weiterentwickeln und habe immer einen Schritt nach vorne gemacht. Und das ist auch in dieser Saison mein Ziel.

bundesliga.de: Sie gelten zudem als einer der besten Standardschützen der Liga. Wie viel Arbeit steckt hinter diesem Ruf?

Malli: Nach dem eigentlichen Training nimmt man sich immer wieder einmal die Zeit, um das eine oder andere zu probieren. Ich denke aber, dass das ganz normal ist und dass das die meisten Spieler in der Bundesliga machen, die gute Standards schießen. Dass meine Standards zu vielen Toren geführt haben, liegt aber nicht zuletzt auch daran, dass die Spieler, die reinlaufen, egal ob Stürmer oder Verteidiger, ein sehr gutes Timing haben und die Bälle dann vor allem auch reinhauen.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison waren Sie in der Hinrunde ähnlich stark wie nun, in der Rückrunde lief es aber nicht mehr ganz so gut. Woran lag das?

Malli: Gute Frage! Ich muss gestehen, dass ich das gar nicht so genau weiß. Wie ich schon gesagt habe, man darf nicht auch nur ein bisschen nachlassen, wenn man auf diesem Niveau mithalten will. Selbstverständlich wachsen mit guten Leistungen auch die Ansprüche, die von außen ebenso wie die, die ich selbst an mich stelle. Man muss immer konzentriert weiterarbeiten, wenn man eine solche Halbserie bestätigen will. Und das ist mein Ziel.

bundesliga.de: "Die Ansprüche wachsen": Fühlen Sie sich allmählich bereit für einen ganz großen Club, oder brauchen Sie noch Zeit in Mainz?

Malli: Im Moment ist es für mich noch sehr schwierig das einzuschätzen. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht, ob ich schon bereit bin. Vorerst konzentriere mich lieber auf unsere Spiele. Wann der Zeitpunkt vielleicht kommt und ob er überhaupt kommt – ich denke, das werde ich spüren, wenn es wirklich irgendwann soweit sein sollte. Ich lasse mich einfach überraschen.

bundesliga.de: Zum Abschluss der Hinrunde muss Mainz zum Derby nach Frankfurt. Sind Sie überrascht wie stark die Eintracht bisher aufgetrumpft hat?

Malli: Nein. Frankfurt hat es vom ersten Spieltag an gut gemacht und spielt eine sehr ordentliche Rolle. Defensiv steht die Mannschaft mit ihrem neuen System, mit der Dreier- bzw. der Fünferkette, sehr sicher. Die Weiterentwicklung der vergangenen Monate ist deutlich zu erkennen.

bundesliga.de: Sie sind vor der Teambesprechung bereits gut informiert über den Gegner. Nicht jeder Bundesligaspieler versteht seinen Job so...

Malli: Ich interessiere mich durchaus dafür, was die anderen Teams machen und schaue mir meist die Zusammenfassungen der Spieltage an. Dann bekommt man zwangsläufig mit, wie der jeweilige Trainer seine Mannschaft auf- bzw. einstellt. Selbstverständlich bekommen wir diese Informationen aber von unserem Trainerteam auch bei der Vorbereitung auf die jeweilige Partie.

bundesliga.de: Nach dem Spiel in Frankfurt geht es in die Winterpause. Was ist Ihnen in der Hinrunde besonders aufgefallen, wer hat Sie überrascht?

Malli: Dass Hoffenheim und Hertha auf Platz drei und vier stehen, war nicht unbedingt zu erwarten. Vor allem aber gefällt mir, dass es an der Tabellenspitze sehr eng zugeht und dass die Bayern nicht mehr so dominant sind wie in den vergangenen Jahren. Dass Leipzig so konstant dort oben mitspielen würde, ist eine Überraschung. Auch wenn klar war, dass RB nicht der typische Aufsteiger sein würde, hätten diese Leistung wohl die Wenigsten für möglich gehalten. Die Leipziger stehen zurecht dort, denn die Mannschaft spielt einen richtig guten Fußball. Jetzt bleibt abzuwarten, ob sie das nach der Winterpause durchhält.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von Ihrer eigenen Mannschaft für die zweite Saisonhälfte?

Malli: Es ist zwar schade, dass wir in der Europa League und im DFB-Pokal bereits ausgeschieden sind, in der Bundesliga wird uns das aber zugutekommen. Wohin die Reise geht, ist dennoch schwer vorauszusagen. Unser Ziel muss erst einmal sein, dass wir uns schnell im sicheren Mittelfeld festsetzen. Den ersten Schritt dazu wollen wir gegen Frankfurt machen. Wir hätten dann 23 Punkte, und das würde sich zu Weihnachten wirklich ganz gut anhören.

Das Gespräch führte Andreas Kötter