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München - Auf den Tag genau 49 Jahre nach dem allerersten Bundesliga-Spieltag der Geschichte eröffneten Borussia Dortmund und Werder Bremen am Freitag die 50. Bundesliga-Saison. Auch am 24. August 1963 hatten sich die beiden Traditionsclubs gegenüber gestanden - damals allerdings in Bremen und mit dem besseren Ende für Werder.

Wie in der ersten Saison trug der erste Torschütze auch diesmal ein Dortmunder Trikot. Während sich Timo Konietzka 1963 aufgrund von sieben Parallelspielen mit seinem Treffer beeilen musste und bereits in der ersten Minute erfolgreich war, waren in diesem Jahr alle Augen auf den Signal Iduna Park gerichtet - und die Akteure auf dem Rasen enttäuschten die Fans nicht. Es entwickelte sich ein packendes Spiel, das der Eröffnung einer Jubiläumssaison würdig war. Mit Dortmunds Neuzugang Marco Reus erzielte der auffälligste Spieler auf dem Platz das erste Tor.

Neuformierte Bremer überzeugen



Doch auch die neuformierte Bremer Elf bot eine couragierte Vorstellung. Nachdem Trainer Thomas Schaaf in den letzten Jahren vorzugsweise auf ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute gesetzt hatte, präsentierte sich Werder beim BVB in einem 4-3-3-System mit extrem offensiven Außen. Kamen die Bremer in der letzten Saison vornehmlich durchs Zentrum, versuchten sie es in Dortmund häufig über die Flügel. Insgesamt 15 Flanken segelten in den Strafraum des Meisters. Nur der 1. FC Nürnberg schlug noch einen Ball mehr ins Zentrum. So war es kein Zufall, dass Theodor Gebre Selassie nach einer Hereingabe von Marko Arnautovic den Bremer Ausgleich erzielte.

Neben Arnautovic überzeugten noch zwei weitere Österreicher im Werder-Trikot. Zlatko Junuzovic lief wie aufgezogen über den Rasen und war mit 13,2 km Laufleistung der Top-Kilometerfresser des Spieltages. Weiter hinten räumte Sebastian Prödl kompromisslos ab. Der Innenverteidiger gewann 24 Zweikämpfe - die meisten des 1. Spieltags. Letztendlich blieben die Punkte aber dennoch beim Titelverteidiger - auch, weil der BVB läuferisch dagegen hielt. 192 Sprints zogen die Spieler von Jürgen Klopp an. Nur die Akteure des VfB Stuttgart waren noch häufiger in vollem Tempo unterwegs (221 Mal).

Fürth zahlt gegen Bayern Lehrgeld



Einen Einstand nach Maß feierte auch der letztjährige Vize-Meister Bayern München, der in Fürth zu einem ungefährdeten 3:0-Erfolg kam. Der Neuling aus Franken musste gegen den Rekordmeister Lehrgeld zahlen. Besonders im Zweikampfverhalten, denn die abgeklärteren Bayern-Profis konnten 57,1 Prozent der direkten Duelle für sich entscheiden. Auch deshalb ging Greuther Fürth zur Bundesliga-Premiere leer aus.

Besser lief es für die Bundesliga-Rückkehrer aus Frankfurt und Düsseldorf, die mit wichtigen Siegen in die Saison starteten. Die Eintracht zeigte gegen Leverkusen tolle Moral und drehte einen 0:1-Rückstand noch in einen 2:1-Sieg. Auch wenn Frankfurts Neuzugang Olivier Occean noch keinen eigenen Treffer bejubeln konnte, fiel er durch seine Endgeschwindigkeit auf: Mit 33,6 km/h war der Stürmer der schnellste Spieler des Wochenendes.

Mönchengladbach mit großem Laufpensum



Eine ganz besondere Bundesliga-Premiere feierte Düsseldorfs Dani Schahin: Nach einer Stunde eingewechselt, schoss er in Augsburg zwei Mal aufs Tor. Beide Schüsse landeten im Netz und Schahin war der Matchwinner beim 2:0-Auswärtserfolg der Fortuna. Ähnlich effektiv zeigte sich Adrian Nikci für Hannover 96. In seinem ersten Bundesliga-Spiel wurde der schweizer U21-Nationalspieler in der 77. Minute eingewechselt und traf mit seinem ersten Ballkontakt zum 2:2-Endstand. Hannover blieb damit auch im 19. Heimspiel in Folge ungeschlagen.

In Mönchengladbach zeigten die Enttäuschten der letzten Woche eine gute Reaktion. Borussia Mönchengladbach (1:3 in der Champions-League-Qualifikation gegen Dynamo Kiew) und 1899 Hoffenheim (Pokal-Aus in Berlin) lieferten sich ein hart umkämpftes Duell mit einem hauchdünnen Gladbacher Sieg. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre zeigte sich läuferisch in einem tollen Zustand und legte mit 121,8 km die längste Strecke des Spieltags zurück. Im Mittelfeld zog Neuzugang Granit Xhaka gekonnt die Fäden. Der 19-jährige schweizer Nationalspieler hatte 88 Ballkontakte. So oft war kein anderer Mittelfeldspieler am Ball. Darüber hinaus legte er starke 12,5 km zurück. Hoffenheim enttäuschte keineswegs, fährt aber mit leeren Händen nach Hause. Da wird es die Truppe von Markus Babbel auch wenig trösten, dass es kaum einen passenderen Zeitpunkt für die 50. Hoffenheimer Bundesliga-Niederlage hätte geben können, als den Start der Jubiläumssaison.

Nürnberg gewinnt nach 20 Jahren wieder in Hamburg



Das zweite Duell zweier Bundesliga-Gründungsmitglieder gewann der 1. FC Nürnberg beim Hamburger SV mit 1:0. Elf Spiele hatte der "Club" nicht mehr in Hamburg gewonnen, aber genau 20 Jahre nach dem letzten Erfolg schoss Hanno Balitsch die Franken zum Sieg.

In der ersten Bundesliga-Saison trafen die beiden Clubs übrigens am letzten Spieltag aufeinander. Uwe Seeler erzielte damals sein 30. Saisontor und die Hanseaten sicherten sich durch ein 2:2-Unentschieden den 6. Tabellenplatz. Mit diesem Ergebnis könnten in der 50. Bundesliga-Spielzeit in Hamburg alle gut leben. Nur Uwe Seeler wird in diesem Jahr sicherlich seltener treffen.

Florian Reinecke