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Der FC Bayern München ist wieder zurück in der Erfolgsspur. Dank des Auswärtserfolges auf Schalke, dem zweiten knappen 2:1-Sieg innerhalb von fünf Tagen, hat sich der deutsche Rekordmeister eine glänzende Ausgangsposition für den Saisonendspurt verschafft.

"Das ist ein sehr schöner Tag. Ich werde mir wieder ein schönes Glas Rotwein mit meiner Frau Truus gönnen", freute sich Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem Erfolg beim Bundesliga-Gipfel. Seine Mannschaft hatte gerade den Tabellenführer Schalke 04 niedergekämpft und sich selbst wieder an die Spitze gehievt.

"Wir sind die beste deutsche Mannschaft"

Die starke Vorstellung der Bayern war umso beeindruckender, hatten die "Roten" doch beim härtesten Meisterschaftskonkurrenten 50 Minuten in Unterzahl spielen müssen und noch dazu die schwere Champions-League-Partie vom Dienstag gegen Manchester United in den Knochen. "Doch der Geist ist wichtiger als der Körper", philosophierte Bastian Schweinsteiger.

So stehen der Verein wieder da, wo er nach eigenem Selbstverständnis ohnehin hingehört. Auf der Pole Position der Bundesliga, auf Platz 1. "Wir sind einfach die mit Abstand beste deutsche Mannschaft. Immer dann, wenn es darauf ankommt, sind wir besser als die Anderen", verkündete Bayern-Präsident Uli Hoeneß selbstbewusst. "Das zeigt sich Woche für Woche, wenn wir gegeneinander spielen. Es tut mir leid für alle anderen Vereine. Aber wir brauchen uns in diesem Land vor keinem zu verstecken."

"Doppelpack" sorgt für Entscheidung

Fünf Spieltage vor Saisonende spricht nun fast alles für den 21-maligen Deutschen Meister. Es scheint kaum vorstellbar zu sein, dass sich die Bayern jetzt noch den Titel nehmen lassen. Entschlossen suchte die van-Gaal-Elf auf Schalke ihre Chance, agierte nach vorne statt abzuwarten und nutzte eiskalt die sich bietenden Chancen. Nach der Führung durch Franck Ribéry setzten die Bayern nach und kamen nur 70 Sekunden später durch Thomas Müller endgültig auf die Siegerstraße.

Diesmal sollte die Münchener Regentschaft an der Tabellenspitze länger anhalten als die vier Runden zwischen dem 25. und 28. Spieltag, als die Tabellenführung den Club eher zu lähmen schien und die Leistungen und Ergebnisse (1:1 in Köln, 2:1 gegen Freiburg sowie die beiden 1:2-Niederlagen gegen Frankfurt und Stuttgart) eher dürftig waren.

"Es war unsere Pflicht, auf Schalke zu gewinnen"

Mindestens sechs Spieltage müssen es nun sein, dann wäre die Meisterschaft Nummer 22 unter Dach und Fach und der Verein dem eigenen Anspruch gerecht geworden. Denn im Gegensatz zu allen Konkurrenten zählt für die Bayern nur der Titel, das wird auch immer wieder offensiv formuliert.

Während die Verantwortlichen von Schalke und Leverkusen die eigenen Ambitionen trotz Tabellenführung und toller Leistungen immer kleingeredet und die Möglichkeit des Titelgewinns weit von sich gewiesen haben, erklärten die Bayern-Bosse Platz 2 zum Unding.

"Es war unsere Pflicht, auf Schalke zu gewinnen", sagte Kapitän Mark van Bommel. "Jetzt sind wir Erster, so wie es sich gehört."

Mit breiter Brust nach Manchester

So fahren die Münchener voller Selbstvertrauen nach England, wo sie am Mittwoch gegen Manchester United ihr knappes 2:1-Polster aus dem Hinspiel verteidigen müssen. Danach geht es in der Bundesliga nach Leverkusen, das vier seiner letzten fünf Begegnungen verlor.

"Der Sieg bringt uns für Manchester sehr viel. Wir haben Selbstvertrauen getankt durch den Erfolg", glaubt Bastian Schweinsteiger. "Natürlich wird es in England ein ganz anderes Spiel: die Atmosphäre, die Spielweise. Wir müssen uns gut regenieren, im Kopf frisch werden. Dann können wir auch in Manchester bestehen, wenn wir zu 100 Prozent konzentriert spielen, gut verteidigen, kompakt stehen. Nach vorne haben wir immer die Qualität, um ein Tor zu machen."

Mit Robben und van Buyten nach England

Nach dem trainingsfreien Montag wird der Bayern-Tross am Dienstag nach England aufbrechen. An Bord werden auch wieder die zuletzt angeschlagenen Daniel van Buyten und vor allem Arjen Robben sein. Aber nicht nur in Bestbesetzung sind die Bayern wieder brandgefährlich. Selbst das Tripple aus Meisterschaft, Pokalgewinn und Champions League scheint nicht völlig unmöglich zu sein. Auch wenn Uli Hoeneß abwiegelt.

"Ich bin nicht bereit, von der totalen Niederlage, die uns noch vor zwei Wochen prognostiziert wurde, zur totalen Euphorie umzuschwenken", meinte der Bayern-Präsident abschließend.

"Wir werden Schritt für Schritt unseren Weg gehen. Wir haben durch viel Engagement und durch viel Disziplin in der Mannschaft diese Punkte erreicht. Wir sind im Pokalfinale, Tabellenführer und haben Manchester United geschlagen. Wenn wir schön bescheiden bleiben und wenn wir klug sind, kann das ein gutes Jahr werden."

Aus Schalke berichtet Tobias Gonscherowski