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Es war der erwartet schwere Gang für die Bayern gegen Olympique Lyon. Doch am Ende stand ein verdientes 1:1, mit dem die Münchner die Tabellenführung in ihrer Champions-League-Gruppe wahren.

Nach dem Spiel sprach Manager Uli Hoeneß über seine Eindrücke, Luca Toni, Mark van Bommel und Franck Ribery.

Frage: 1:1 gegen Lyon - sind Sie zufrieden?

Uli Hoeneß: Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung. Champions League ist was anderes als Bundesliga. Lyon ist eine europäische Spitzenmannschaft. Da kannst Du nicht einfach hergehen und sagen: Die spielen wir jetzt an die Wand.

Frage: Hinzu kam der Schock durch das Eigentor...

Hoeneß: Durch das blöde Gegentor war die Mannschaft leicht geschockt. Als dieser Schock verdaut war, hat sie aber sehr diszipliniert gespielt. Es war klug, dass die Mannschaft nach dem 1:1 nicht voll aufgemacht und auf Sieg gespielt hat.

Frage: Aber, reicht ein Remis?

Hoeneß: Wenn wir die Tabelle anschauen war dieses Unentschieden fast wie ein Sieg, denn Florenz und Bukarest haben ja 0:0 gespielt. Unsere Ausgangsposition ist jetzt gar nicht so schlecht vor dem nächsten Spiel gegen Florenz.

Frage: Nach dem Tor sind die Spieler, allen voran Ze Roberto, zu Jürgen Klinsmann gelaufen und haben mit ihm den Treffer bejubelt. Wie bewerten Sie das?

Hoeneß: Das habe ich nicht genau gesehen. Aber wenn das so war, dann ist es ein Zeichen dafür, dass alles okay ist.

Frage: War das Spiel ein Schritt nach vorne?

Hoeneß: Ja. Uns fehlt momentan nur ein Quäntchen Glück. Das Glück, dass einem einfach auch mal ein Ball vor die Füße fällt und wir ein Abstaubertor machen. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Frage: Was sagen Sie zur Leistung von Luca Toni?

Hoeneß: Ich bin froh, dass er sechs gute Möglichkeiten hatte. Das bedeutet, dass er bald wieder eine davon rein macht. Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn er gar keine Chancen gehabt hätte - so wie gegen Hannover.

Frage: Mark van Bommel saß 90 Minuten auf der Bank und war bestimmt nicht erfreut darüber.

Hoeneß: Man muss doch dem Trainer das Recht geben, die Mannschaft aufzustellen, von der er glaubt, dass sie derzeit die beste ist. Das hat Jürgen gemacht, und dabei kann er keine Rücksicht darauf nehmen, wer Kapitän ist und wer nicht.

Frage: Das hat es bei Bayern aber selten gegeben. Man hatte eigentlich immer einen Kapitän, der auch gespielt hat: Matthäus, Effenberg, Kahn...

Hoeneß: Aber wir haben doch jetzt eine neue Konstellation, weil die Formation noch nicht so recht gefestigt ist. Wenn man jahrelang einen Kapitän wie Oliver Kahn hatte, dann bildet sich ja erst nach und nach etwas Neues heraus.

Frage: Aber muss der Kapitän nicht spielen?

Hoeneß: Ich finde es, ehrlich gesagt, lächerlich, was die Medien mit der Rolle des Kapitäns machen. Es ist doch nicht entscheidend, ob einer Kapitän ist, sondern ob er gut oder schlecht spielt. Und offensichtlich hat Mark nach Jürgens Meinung in der letzten Zeit schlecht gespielt. Und deswegen sitzt er auf der Bank. Das hat aber überhaupt nichts mit der Wertschätzung für seine Person zu tun. Es ist eine Momentaufnahme, und die kann in zwei, drei Wochen wieder ganz anders aussehen.

Frage: Wie froh sind Sie, dass Franck Ribery zurück ist?

Hoeneß: Franck verstärkt jede Mannschaft auf der Welt. Wir sind froh, dass er wieder dabei ist. Er hat sich heute ja beinahe übernommen nach der langen Verletzungspause. Ich bin froh, dass er sich nicht verletzt hat.

Aufgezeichnet von Michael Gerhäußer